Darum gehts
Überall hustet und schnieft es. Die Praxen werden von Grippegeplagten überschwemmt – und ein Krankheitsverlauf dauert gefühlt ewig. Viele sprechen aktuell von einer «Supergrippe». Die Grippe sei dieses Jahr aggressiver, heisst es. Ganz unbegründet ist der Eindruck nicht, doch Panik ist aus medizinischer Sicht unnötig.
Früher Beginn und neuer Subtyp
Wie Simon Ming, Mediensprecher beim BAG, sagt, habe die Grippewelle früh begonnen. «Die wöchentlichen Melderaten sowie Positivitätsraten bewegen sich im oberen Bereich», so Ming. Das ECDC sehe jedoch keine Hinweise auf allgemein schwerere Verläufe.
Am Universitätsspital Zürich beobachtet man die Lage ebenfalls genau. Die aktuelle Saison unterscheide sich durchaus, wie Walter Zingg, Leitender Arzt an der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich, auf Anfrage von Blick berichtet. Dieses Jahr sei ein neuer Subtyp vorherrschend, der mehr Menschen krankmache. Bereits die letzte Saison war ungewöhnlich, da Influenza-A- und -B-Viren gleichzeitig zirkulierten.
Grippeviren werden mittels genetischer Laboruntersuchungen unterschieden, erklärt Zingg. Entscheidend seien die genetischen Veränderungen des Virus und die immunologische Empfänglichkeit der Bevölkerung. «Das Virus sucht immer einen Weg, sich durchzusetzen», sagt er.
Was steckt hinter dem Begriff «Supergrippe»?
Der Begriff sei medizinisch nicht klar definiert, sagt Zingg. In Australien sei die Grippesaison ungewöhnlich stark gewesen, weil sich zunächst ein Subtyp etablierte, der dann eine zweite Welle auslöste.
In der Schweiz mache der dominante Subtyp offenbar mehr Menschen krank, führe aber nicht zu einer längeren Saison, so der Arzt weiter. Im Spital habe man bereits mehrere schwere Fälle gesehen, was auf stärkere Verläufe hindeutet.
Nicht jede erkrankte Person hat die Grippe. «Influenza wird in der Regel mittels PCR-Test diagnostiziert. Positive Tests sind meldepflichtig», erklärt Ming.
Wer ist besonders gefährdet
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, vor allem mit chronischen Lungenerkrankungen, sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem. Die Grippeimpfung bleibt der beste Schutz, auch wenn die Wirksamkeit gegen den aktuellen Subtyp etwas geringer sein könnte. Ergänzend helfen Maske, Händehygiene und Abstand.
Wer sich jetzt impfen lässt, ist spät dran. «Das Immunsystem benötigt knapp zwei Wochen, um einen Schutz aufzubauen. Deshalb empfiehlt man die Impfung ab Mitte Oktober», sagt Ming. Für Hochrisikopersonen kann eine Impfung aber auch jetzt noch sinnvoll sein.
Wie lange die Welle noch anhält, ist unklar. Medizinisch sei eine Prognose schwierig, sagt Zingg. Aktuell deute vieles auf eine Abnahme hin, ein erneuter Anstieg etwa durch Influenza B sei aber möglich.