Darum gehts
- Tod von Ayatollah Chamenei führt zu Trauer und Jubel im Iran
- Opposition sieht Chance für Demokratie, Diaspora unterstützt Umsturz
- Seit 2018 blockiert das Regime alle Kommunikationswege im Iran
Seit diesem Wochenende herrscht im Iran Krieg: Die USA und Israel greifen das Mullah-Regime an. Aus dem Iran werden US-Verbündete in der Region attackiert. Die Folgen für den Nahen Osten und die Welt sind noch kaum absehbar.
Bei der persischen Diaspora in der Schweiz dominiert eine Hoffnung: Die Bomben auf den Iran sind eine Chance für das Land, sich nach Jahrzehnten zur Demokratie zu wandeln, wie Blick im Gespräch mit Exil-Iranern erfährt. Viele von ihnen sind Flüchtlinge, die wegen politischer oder religiöser Verfolgung das Land verlassen haben.
«Ich muss mich bei Trump bedanken»
Beizer Keyvan Shafiee (31) aus Schönenwerd SO sagt: «Das Regime wird fallen, davon bin ich überzeugt.» Bis es so weit ist, werde es noch viele Tote geben. «Es reicht nicht, Chamenei zu töten, denn hinter ihm verbirgt sich ein ganzes System.» Wie viele andere Iraner in der Schweiz flüchtete Shafiee vor dem Regime. Seine Mutter und er seien im Iran wegen politischer Verfolgung im Gefängnis gewesen.
Die Menschen hätten genug von diesem Regime: «Und ich muss mich bei Trump bedanken. Die Menschen im Iran brauchen diese Unterstützung», sagt er. Das Volk dürfe die Hoffnung nicht verlieren, jetzt gäbe es die Chance auf Freiheit. Wie es jedoch weitergehe, wisse auch er nicht. «Die Situation ist kompliziert. Politisch und geografisch. Doch es kann nur besser werden als jetzt. Hoffentlich.»
Auch in der fernen Schweiz sei er nicht vollends vor Regime-Unterstützern geschützt, erzählt Shafiee. Er habe erst letzte Woche Todesdrohungen erhalten, weil er in den sozialen Medien seine Meinung gesagt habe: «Das finde ich extrem.»
«Glücklich über die Angriffe auf das Regime»
Geflohen ist auch Soran Mahmoudi (33), ein Programmierer aus Baden AG: «Seit 47 Jahren leben wir unter einem terroristischen System. Ich bin glücklich über die Angriffe auf das Regime und hoffe, dass wir jetzt ein neues, demokratisches System implementieren werden. Vielleicht sogar ein föderalistisches – wie in der Schweiz.»
Mahmoudi sieht die Chance für die Oppositionsparteien, das Machtvakuum zu füllen: «Vor allem für Kurden könnte es ein neues Leben im Iran geben.» Von seinen Verwandten im Iran hat er seit Jahren kaum etwas gehört: «Der Kontakt in die Heimat ist schwierig. Das Internet und Anrufe werden vom Regime blockiert.»
Demokratie und Frieden «muss das Ziel sein»
Vorsichtig optimistisch zeigt man sich im Restaurant Banoo im Rössli in Rapperswil-Jona SG. Dem Gastro-Paar Sepideh «Sepi» Soofi (51) und Javid Gavani (45) steckt das Wochenende noch in den Knochen. «In diesem Moment bist du einfach schockiert», sagt Soofi. Der Tod von Ayatollah Ali Chamenei (†86) kam für sie überraschend – und wenig genugtuend: «Wir hätten uns gewünscht, dass er Verantwortung dafür übernehmen muss, was er über all die Jahre dem iranischen Volk angetan hat.»
Deswegen ist sich das Paar auch nicht ganz sicher, mit welchen Emotionen man nun dieser Situation gegenübertreten soll: «Ist man froh, ist man traurig, ist man hässig? Aber: Eine gewisse Erleichterung war da.» Beide sind seit Jahrzehnten in der Schweiz und hoffen, dass das iranische Volk jetzt die Möglichkeit bekommt, das Land zu einer Demokratie umzubauen. «Das muss das Ziel sein.»
Bei Soofi und Gavani liegt die Hoffnung klar auf dem Sohn des Schahs, Reza Pahlavi (65). Wie sie ist auch Pahlavi ein Exil-Iraner. «Viele davon sind hochgebildete Akademiker.» Mithilfe von ihnen werde es möglich sein, das Land in eine demokratische Zukunft zu führen. «Wir wollen einfach Frieden.»
Kein Internet im Land
Die Konditorin Parastou Ahmadi-Manjili (28) aus Leimbach AG sorgt sich um ihre Verwandten: «Es gibt im Moment keine Internetverbindung, daher habe ich bisher noch nichts aus der Heimat gehört.»
Sie sei sich aber sicher, dass alle über den Umsturz froh seien: «Im Iran geht es nur der Elite gut. Aber die einfachen Leute sollen auch glücklich leben können.»
Kritik an Trumps Vorgehen
«Wenn das Regime endlich geht, wird es für uns eine Befreiung sein. Eine Erlösung», sagt Assad Gaemmaghami (74). Er gehört einer religiösen Minderheit an, den Bahai, die universellen Frieden predigen. Der Psychotherapeut migrierte bereits in den 70er-Jahren in die Schweiz. Unter dem Gottesstaat wurden Unzählige von seinen Glaubensgenossen hingerichtet berichtet er.
Er kritisiert aber auch das Vorgehen der USA und Israels: «Es ist aber nicht in unserem Sinne, dass ein Land überfallen wird, nur weil man es kann.» Die Lage sei unübersichtlich, auch weil es viele Fraktionen im Iran gäbe. «Unser Wunsch ist es, dass eine neue Regierung entsteht, die demokratisch gewählt wird und allen Religionen und Menschen wohlwollend gegenübersteht.»