Darum gehts
- USA fliegen seit Tagen massive Luftangriffe auf Iran, Hunderte von Zielen
- Iran sieht Strasse von Hormus als strategisch wichtiger als Atombomben
- Für Teheran käme Verlust von Hormus-Kontrolle Kapitulation gleich
Die USA fliegen inzwischen fast pausenlos Militärschläge gegen den Iran. Sowohl US-Präsident Donald Trump (80) als auch das US-Zentralkommando (Centcom) beteuern, die Strasse von Hormus sei offen für Schiffsverkehr – der Iran habe die Kontrolle über die Meerenge nie gehabt. Der Iran dagegen versucht, seinen Anspruch auf Kontrolle der Meerenge militärisch durchzusetzen.
Ein hochrangiger iranischer Militärberater hat jetzt die gesamte Logik hinter der iranischen Kriegsführung der letzten Wochen offengelegt: Mohsen Rezai (71), Militärberater des Obersten Führers und früherer Kommandant der Revolutionsgarden (IRGC), bezeichnete die Strasse von Hormuz am 12. Juli als «wichtiger als Dutzende Atombomben».
Für die iranische Führung ist die schmale Meerenge keine logistische Nebensache, sondern die zentrale strategische Waffe im Ringen mit den USA. «Dieser strategische Durchgang ist wichtiger als Dutzende von Atombomben, und die Islamische Republik Iran wird ihn schützen», zitierte die iranische Nachrichtenagentur ISNA Rezai.
Drei Nächte, über 300 Ziele
Diese Aussage fällt just in dem Moment, in dem sich der Konflikt weiter zuspitzt. Centcom hat US-Angriffe massiv intensiviert. Allein am 11. Juli griffen amerikanische Streitkräfte rund 140 iranische militärische Ziele an – Raketen- und Drohnenstellungen, Marinekapazitäten, Radaranlagen und Flugabwehrsysteme. Über drei Nächte hinweg wurden mehr als 300 Ziele bombardiert, um Irans Fähigkeit zu schwächen, Handelsschiffe anzugreifen.
Erstmals reichten die Schläge auch tief ins iranische Kernland hinein, in die Provinzen Kerman, Lorestan, Markazi sowie Kohgiluyeh und Boyer Ahmad.
Das Institute for the Study of War (ISW) weist allerdings darauf hin, dass vor allem Angriffe auf küstennahe Ziele unmittelbare Auswirkungen auf Irans Fähigkeit haben, Schiffe anzugreifen. Denn bereits Einzelangriffe reichen aus, um den Schiffsverkehr faktisch lahmzulegen. Reeder und Kapitäne sind grundsätzlich risikoscheu – und die Strasse von Hormus gilt derzeit als die gefährlichste Schifffahrtspassage der Welt überhaupt.
Kontrolle oder Kapitulation
In der Nacht auf Montag begann Centcom die vierte, bislang stärkste Angriffswelle seit Mittwoch. US-Medien berichten unter Berufung auf eine Pentagonquelle, dass eine intensivere Serie von Militärschlägen auf iranische Ziele im Gange sei.
Für den Iran ist die Anerkennung seiner Kontrolle über die Meerenge gleichbedeutend mit dem Kriegsausgang selbst. Zwei hochrangige iranische Quellen sagten gegenüber Reuters, ein Verzicht auf diese Kontrolle käme einer Kapitulation gleich.