«Abtrünnige Elemente innerhalb des Regimes»
Washington spricht von offenem Machtkampf im Iran

Der Iran verhandelt – und torpediert gleichzeitig seine eigenen Gespräche. Was lange als plausibelste Erklärung galt, bestätigt nun das Weisse Haus: Hinter der Unberechenbarkeit des Regimes stecke ein Machtkampf zwischen Pragmatikern und Hardlinern.
Kommentieren
1/6
Nach iranischen Angriffen diese Woche auf Schiffe in der Strasse von Hormus hat US-Präsident Donald Trump die Waffenruhe mit dem Iran für beendet erklärt.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Weisses Haus: Im Iran tobt Machtkampf zwischen Pragmatikern und Hardlinern
  • «Abtrünnige Elemente» sollen für Angriffe in Strasse von Hormus verantwortlich sein
  • USA fordern Irans Garantie für freie Passage in der wichtigen Schifffahrtspassage
new.jpg
Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Die zwei Gesichter des Irans – eines das verhandelt und eines, das Verhandlungen sabotiert. Es gab nur eine logische Erklärung für die Unberechenbarkeit des Regimes. Ein Machtkampf zwischen Pragmatikern und Hardlinern. Dies wird jetzt vom Weissen Haus so bestätigt. Im Iran spiele sich vor den Augen der Welt ein Machtkampf ab, sagten US-Regierungsvertreter am Freitag gegenüber einer kleinen Gruppe von Journalisten in einer Telefonkonferenz.

Laut einem US-Beamten findet im Iran offenbar in Echtzeit ein Machtkampf zwischen Hardlinern und Pragmatikern statt, wie Reuters von dem Treffen zitiert. Teheran habe Washington darüber informiert, dass die jüngsten Angriffe auf Schiffe in der Strasse von Hormus von einem «abtrünnigen Element innerhalb seines Regimes» verübt worden seien, sagte ein hochrangiger Beamter. Sprich: von Elementen der Revolutionsgarden (IRGC), die bislang alle Attacken auf Schiffe in der strategisch wichtigen Nadelör-Passage verübten.

«Oder kein gutes Ende für sie»

Die US-Angaben sind nicht von unabhängiger Seite zu überprüfen, decken sich aber mit Äusserungen von US-Präsident Donald Trump, der sich mit den unflätigsten Beschreibungen über die iranischen Verhandlungspartner äussert. Sie wollten einen Deal, versichert Trump unentwegt, während Gespräche unentwegt sabotiert werden. Irans Attacke diese Woche auf drei Schiffe bezeichnete Trump die Iraner als «alles Lügner», «kranke Menschen» und «Abschaum».

Experten werteten Irans Unberechenbarkeit auch als Strategie: um das Gegenüber einzuschüchtern, weil es mit allem rechnen muss. Statt sich einschüchtern zu lassen, reagierten die US-Streitkräfte jeweils mit Vergeltungsschlägen. Inzwischen erklärte Trump die Waffenruhe für beendet, Gespräche sollen aber weitergehen.

Der Iran müsse die Öffnung der Strasse von Hormus offiziell verkünden, lautet jetzt die Forderung der US-Regierung. «Wir verlangen», sagte ein Beamter bei der Telefonkonferenz, «dass die Iraner eine öffentliche Erklärung abgeben, in der sie bestätigen, dass alle Wasserwege der Strasse von Hormus offen sind und sie nicht mehr auf Schiffe schiessen. Entweder geben sie uns diese Erklärung, oder es wird kein gutes Ende für sie nehmen.»

Neue Bürgenstock-Verhandlungen?

Trotz der erneuten Feindseligkeiten könnten die USA und der Iran schon kommende Woche eine weitere Gesprächsrunde abhalten. Das berichtet das Nachrichtenportal Axios.

«Eine weitere Verhandlungsrunde zwischen den USA und Iran wird nächste Woche erwartet, möglicherweise in der Schweiz», heisst es unter Berufung auf eine gut informierte Quelle.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen