Hinterhalte, Sprengfallen, Selbstmordanschläge, Drohnen
So gefährlich ist die Dschihadisten-Miliz in Mali

Die USA planen womöglich einen Militäreinsatz in Mali. Trumps Terrorabwehrchef Sebastian Gorka will die expandierende Dschihadistengruppe Jnim bekämpfen. Was würde eine US-Intervention für das Land bedeuten? Zwei Experten ordnen ein.
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Der Iran-Konflikt ist noch lange nicht abgeschlossen.
Foto: AFP

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bericht der «Washington Post»: US-Regierung erwägt Militäreinsatz in Mali wegen wachsender Dschihadisten-Bedrohung
  • Jnim nutzt Guerillataktiken und bedroht sogar die Hauptstadt Bamako
  • Mali verfügt über reichhaltige Rohstoffe wie Lithium, Uran und Gold
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Marian NadlerRedaktor News

Der Iran-Krieg schwelt weiter, Venezuelas Präsident Nicolás Maduro (63) sitzt in New York im Gefängnis – und die US-Regierung plant bereits den nächsten Militäreinsatz? Das legt zumindest ein Bericht der «Washington Post» nahe. Demnach hat Trumps Terrorismusabwehrchef Sebastian Gorka (55) einen Militäreinsatz in Mali ins Spiel gebracht. In dem westafrikanischen Land sind Dschihadisten auf dem Vormarsch. Der Al-Kaida-Ableger Jnim wird dort immer mächtiger. So gelang es den radikalen Islamisten im vergangenen Jahr, Treibstofflieferungen zu blockieren und weite Teile des Landes lahmzulegen.

Wie gefährlich sind die Terror-Milizen überhaupt? Und welche Rolle spielen Moskau und der Islamische Staat in dem Ganzen? Tobias Rüttershoff von der Konrad-Adenauer-Stiftung und Matthias Basedau vom Giga-Institut für Afrika-Studien beantworten die wichtigsten Fragen zur Lage in Mali.

Wie gefährlich sind die Dschihadisten in Mali?

Rüttershoff warnt eindringlich vor der Gruppe Jama'at Nusrat al-Islam wa al-Muslimin (zu deutsch: Gruppe für die Unterstützung des Islams und der Muslime): «Die Gefahr ist ausserordentlich hoch. Jnim ist heute nicht mehr bloss eine Ansammlung kleiner Terrorzellen. Sie ist eine der militärisch leistungsfähigsten dschihadistischen Organisationen Afrikas und kann sowohl klassische Guerillataktiken als auch grössere, koordinierte Operationen durchführen.» Das Angriffsrepertoire der Gruppierung ist dabei vielfältig. «Jnim nutzt Hinterhalte, Sprengfallen, Selbstmordanschläge, bewaffnete Drohnen und Angriffe auf Militärstützpunkte», zählt Rüttershoff auf. «Sie blockiert Strassen, greift Versorgungskonvois an und sabotiert Infrastruktur, um die Bevölkerung gegen den Staat aufzubringen.»

Die Dschihadisten schrecken mittlerweile auch nicht mehr davor zurück, die Hauptstadt Bamako zu attackieren. Gleichzeitig versucht sie, die Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der malischen Regierung auszunutzen und sich als alternative Ordnungsmacht zu präsentieren. 

Auch Basedau sieht in Jnim eine erhebliche Gefahr für die Regierung. «Sie sind auf jeden Fall in der Lage, das Land und die Region weiter erheblich zu destabilisieren», schätzt er ein.

Was würde ein Einsatz der US-Armee in Mali bedeuten?

Rüttershoff geht davon aus, dass ein Einsatz der US-Truppen kurzfristig einen Unterschied machen kann. «Sie könnten Führungspersonal, Logistik, Kommunikationsstrukturen oder konkrete Anschlagsvorbereitungen von Jnim treffen.» Beide Experten gehen jedoch von einem begrenzten Einsatz der US-Armee aus. Basedau prognostiziert deshalb auf lange Sicht «keine wesentliche Änderung der Lage».

«Ein militärischer Schlag kann Zeit kaufen, aber er kann keinen funktionierenden Staat aufbauen», gibt Rüttershoff zu bedenken. Und: Eine einseitige Schwächung von Jnim könnte unbeabsichtigt dem noch radikaleren Ableger des Islamischen Staats, der ebenfalls in Mali aktiv ist, zusätzliche Handlungsspielräume verschaffen, glaubt der Sicherheitspolitik-Experte.

Könnte es zu zivilen Opfern kommen?

«Präzise Aufklärung, strenge Einsatzregeln und eine unabhängige Untersuchung möglicher ziviler Opfer können das Risiko reduzieren, aber niemals vollständig ausschliessen», weiss Westafrika-Kenner Rüttershoff. Bereits heute zeigen dokumentierte Übergriffe aller Konfliktparteien die Risiken für Zivilisten. Nach einem Angriff von Seiten der USA könnte Jnim zudem mit Vergeltungsangriffen auf amerikanische Einrichtungen, westliche Staatsbürger oder lokale Partner reagieren.

Für Basedau steht derweil nur eine Sache fest: «Je länger der Konflikt dauert, desto mehr Zivilisten werden sterben.»

Welche Rolle spielt Moskau?

Die früher unter dem Namen Wagner bekannte Söldnertruppe operiert heute als «Afrika-Korps» weiter für Russland in Afrika, auch in Mali. Moskaus Söldner kooperieren mit der malischen Armee. «Es gibt eine gewisse Konkurrenz», sagt Basedau. Eine direkte Konfrontation zwischen US-Truppen und dem russischen «Afrika-Korps» halten beide Experten indes für unwahrscheinlich. «Wahrscheinlicher wäre eine Mischung aus begrenzter praktischer Koexistenz», sagt Rüttershoff.

Geht es Trump um die Bodenschätze?

Lithium, Uran, Gold, Kupfer: Das westafrikanische Land verfügt über reiche Vorkommen an Bodenschätzen. «Bemerkenswert ist, dass bei dem Besuch eines hochrangigen US-Vertreters in Bamako am 17. Juli ausdrücklich über Bergbau, Sicherheit, Technologie und wirtschaftliche Zusammenarbeit gesprochen wurde. Der Zugang zu kritischen Rohstoffen ist damit erkennbarer Bestandteil der amerikanischen Annäherung an Mali», hebt Rüttershoff hervor. Aber: Liest man den Bericht der «Washington Post», geht es Trumps Terrorabwehrchef Gorka in erster Linie um die terroristische Bedrohung.

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