Darum gehts
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran erreichen erneut einen kritischen Punkt. Im Zentrum steht diesmal das iranische Atomprogramm, das Washington als akute Bedrohung für die Region einschätzt. US-Präsident Donald Trump (79) drohte der Islamischen Republik jüngst auf seiner Plattform Truth Social: Der Iran müsse «rasch an den Verhandlungstisch kommen» und einem Abkommen ohne Atomwaffen zustimmen, hiess es dort. Andernfalls drohe ein Militärschlag, härter als die Angriffe auf iranische Atomanlagen im Juni 2025. Zugleich sprach er von einer «gewaltigen Armada», die sich in Richtung Iran bewege.
Wie ernst sind diese Drohungen? Immerhin kündigte Trump angesichts des harten Vorgehens des Regimes gegen Demonstranten bereits ein militärisches Eingreifen an. Passiert war jedoch nichts. Klemens H. Fischer, Geopolitiker und Professor an der Universität Köln, ordnet das Bedrohungsszenario gegenüber Blick so ein: «Die Lage im Iran ist für die USA vor allem relevant, wenn es um die Sicherheit Israels geht oder politischer Nutzen für Washington entsteht.» Die Proteste gegen das Mullah-Regime hätten keine direkte Bedrohung für Israel dargestellt und seien zudem nicht stark genug gewesen, das Regime zu stürzen, so Fischer weiter. «Es gab daher keinen zwingenden Grund für die USA, militärisch einzugreifen.»
Noch sind Verhandlungen möglich
Ganz anders verhält es sich beim Atomprogramm: «Das Atomprogramm berührt zwei zentrale Aspekte – die globale Sicherheit der USA und die spezifische Sicherheitslage Israels.» Hier sieht Washington eine permanente Möglichkeit, Druck auf Teheran auszuüben. So sagt Fischer: «Teheran versucht, trotz der Bombardements des vergangenen Jahres, seine nuklearen Ambitionen zu verstärken. Darauf nicht zu reagieren, würde von den Mullahs sofort als Schwäche der USA interpretiert.»
Wie wahrscheinlich ein militärischer Schlag der USA tatsächlich ist, hängt laut Fischer von einer heiklen Balance ab. «Solange der Iran seine nuklearen Ziele nicht vollständig aufgibt, ohne Garantien zu erhalten, wird Washington abwägen müssen. Ein Militärschlag wird erst unvermeidbar, wenn die zulässige Provokationsgrenze überschritten wird.» Derzeit sei die Drohkulisse ausreichend, um Verhandlungen zu ermöglichen, während Israel noch Zeit benötige, seinen Abwehrschirm Iron Dome vollständig einzusetzen.
Was droht im Ernstfall?
Zur angekündigten «gewaltigen Armada» der USA sagt Fischer: «Trägerflotten verfügen über enorme Feuerkraft und Kampfstärke. Welche Art von Angriff tatsächlich erfolgt, hängt davon ab, welche Bedrohungslage gegenüber Israel zum Angriffszeitpunkt vorliegt, welche politische Provokation vom Iran ausgeht und welches Ziel Washington verfolgt.» Gezielte Luftschläge wären möglich, ebenso begrenzte Demonstrationsangriffe, die vor allem Stärke zeigen, aber möglichst wenig Schaden verursachen.
Klemens H. Fischer ist Professor für Internationale Beziehungen und Geopolitik. Nach seiner Promotion in Völkerrecht und einer langen Karriere an der österreichischen EU-Botschaft in Brüssel lehrt er seit 1997 an internationalen Hochschulen und ist Honorarprofessor an der Universität zu Köln. Er ist Mitglied des International Institute of Strategic Studies (IISS) und Senior Fellow am Austrian Institute for European and Security Policy.
Klemens H. Fischer ist Professor für Internationale Beziehungen und Geopolitik. Nach seiner Promotion in Völkerrecht und einer langen Karriere an der österreichischen EU-Botschaft in Brüssel lehrt er seit 1997 an internationalen Hochschulen und ist Honorarprofessor an der Universität zu Köln. Er ist Mitglied des International Institute of Strategic Studies (IISS) und Senior Fellow am Austrian Institute for European and Security Policy.
Im Falle eines Militärschlags vonseiten der USA rechnen Experten erneut mit einem Angriff am Wochenende – wie schon im Juni 2025 und gegen Venezuela. Ob es sich schon um das kommende Wochenende handeln wird oder um das darauf, ist schwer zu sagen. Da die US-Truppen sich noch auf dem Weg vor den Iran befinden, rechnet Fischer nicht mit diesem Samstag. Vieles hängt aber auch von Israel ab.
Die entscheidende Rolle Israels
Ein Angriff aus Washington hänge wesentlich davon ab, wie sicher Jerusalem den eigenen Abwehrschirm einschätzen kann. «Solange der Iron Dome nicht vollständig einsatzbereit ist, wird Israel gegen einen US-Schlag sein. Teheran wird versuchen, einen Angriff auf Tel Aviv durchzuführen, aber aus Sicht der Mullahs ist Jerusalem tabu.» Fischer betont: «Israel spielt somit die entscheidende Rolle, ob ein Angriffsbefehl aus Washington kommt.»
Gleichzeitig bleibe die Gefahr einer regionalen Eskalation hoch: Vertreter Teherans wie die Hisbollah, Hamas oder die Huthis könnten im schlimmsten Fall erneut aktiv werden.
«Die Lage im Nahen Osten ist seit Jahrzehnten wie ein Pulverfass, das jederzeit explodieren kann», so Fischer. «Genau deshalb und wegen der grossen Unsicherheit über iranische Zweit- und Drittschläge werden die USA und Israel versuchen, das Mullah-Regime im Zaum zu halten – nicht aber den grossen Knall zu provozieren»