Darum gehts
- Neue Dokumente stellen offizielle Berichte zu Jeffrey Epsteins Tod 2019 infrage
- Überwachungsvideo zeigt unbekannte orange Gestalt um 22.39 Uhr im Gefängnis
- Zwei Beamte wegen gefälschter Protokolle 2023 angeklagt, Anklage später fallengelassen
Wer war in der Nacht von Jeffrey Epsteins Tod auf seinem Gefängnistrakt unterwegs? Neu veröffentlichte Dokumente des US-Justizministeriums werfen Zweifel an den offiziellen Darstellungen auf. Eine Analyse von Überwachungsvideos zeigt um 22.39 Uhr am 9. August 2019 eine orangefarbene Gestalt, die die Treppe zur Etage mit Epsteins Zelle hinaufgeht – ein Detail, das laut dem US-Sender CBS in offiziellen Berichten nicht erwähnt wird.
Die Figur wird unterschiedlich interpretiert. Laut FBI könnte es ein Häftling gewesen sein, während der Generalinspektor des Justizministeriums von einem Beamten mit Wäsche sprach. Der Inspektor vermerkte im Abschlussbericht: «Ein nicht identifizierter Wachhabender ging um 22.39 Uhr die Treppe hinauf und tauchte um 22.41 Uhr wieder auf.» Offiziell wurde jedoch immer behauptet, niemand habe die Ebene betreten.
Die Todesnacht war ruhig, ein Aufseher schlief
CBS News berichtete, dass unabhängige Videoanalysten die Bewegungen eher einem Häftling oder jemandem in einer orangefarbenen Gefängnisuniform zuordneten. Die Identität dieser Person bleibt ungeklärt. Gefängnismitarbeiter erklärten gegenüber CBS News, dass es ungewöhnlich sei, einen Häftling zu dieser Stunde zu eskortieren. Eine genaue Analyse der Videoaufnahmen war jedoch aufgrund der Kameraposition erschwert.
Die Nacht in der Special Housing Unit (SHU), wo Epstein untergebracht war, schien zunächst ruhig zu verlaufen. Zwei Beamte, Tova Noel und Ghitto Bonhomme, wurden befragt. Bonhomme, der zwischen 22 Uhr und Mitternacht geschlafen haben soll, konnte sich an keine Bewegungen um 22.39 Uhr erinnern. Noel wies darauf hin, dass das Verteilen von Bettwäsche nicht zu ihren Aufgaben gehörte. Trotzdem identifizierten Ermittler sie als mögliche Person im Video.
Sie sah keine Schlinge um Epsteins Hals
Die Entdeckung von Epsteins Leiche erfolgte am Morgen des 10. August 2019. Michael Thomas, ein Beamter, fand ihn gegen 6.30 Uhr in seiner Zelle. Thomas habe Epstein «heruntergerissen». Er konnte sich jedoch nicht erinnern, die Schlinge um Epsteins Hals entfernt zu haben. Noel, die am Eingang der Zelle blieb, sah keine Schlinge um seinen Hals. Der Gerichtsmediziner konnte die Schlinge später nicht eindeutig identifizieren.
Ein Bericht des Generalinspektors von 2023 zeigte weitere Widersprüche auf. So fehlten etwa verpflichtende Zählungen der Häftlinge um 3 Uhr und 5 Uhr morgens. Thomas und Noel wurden später angeklagt, Protokolle gefälscht zu haben. Die Anklage wurde jedoch fallengelassen, als beide einer Zusammenarbeit zustimmten.
Massive Verstösse und Pannen
Es gibt zwar Ungereimtheiten, aber die Ermittler sind sich offiziell einig: Es war Suizid! Das geht aus dem 128-Seiten-Bericht vom Office of the Inspector General (OIG) hervor. Darin wird auch eine Kette von massiven Versäumnissen durch das Gefängnispersonal aufgelistet. Darunter die Vernachlässigung der Kontrollrunden, Fälschung von Unterlagen und die fehlende Zählung der Häftlinge.
Ausserdem wurde ein Verstoss der Sicherheitsauflagen festgestellt. Obwohl die Psychologie-Abteilung des Gefängnisses ausdrücklich angeordnet hatte, dass Epstein nicht allein in einer Zelle untergebracht werden dürfe, war er zum Zeitpunkt seines Todes allein. Sein Zellengefährte war am Vortag verlegt worden, und das Personal versäumte es, rechtzeitig für Ersatz zu sorgen. Gründe dafür dürften chronischer Personalmangel und übermässige Überstunden sein.
Des Weiteren wurden technische und administrative Mängel aufgelistet. So war das Videoüberwachungssystem im Bereich der Sondereinheit, in der Epstein untergebracht war, veraltet und teilweise defekt, was die spätere Aufarbeitung erschwerte.