Darum gehts
- Bill und Hillary Clinton sagen vor US-Kongress zu Jeffrey Epstein aus
- Bill Clinton flog mindestens 16 Mal mit Epsteins Privatjet
- Erstmals sagt ein Ex-US-Präsident seit 1983 vor dem Kongress aus
Bill und Hillary Clinton (79, 78) geben sich geschlagen: Sie werden vor dem US-Repräsentantenhaus zu Jeffrey Epstein (1953-2019) aussagen – nach monatelanger Weigerung und nur wenige Tage bevor das Haus über die strafrechtliche Missachtung von Kongressbeschlüssen hätte abstimmen sollen.
Nach langem, zähem Widerstand haben die Clintons nun zugesagt, vor dem Hauptkontrollausschuss des Kongresses auszusagen. Zuvor hatten sie gerichtliche Vorladungen des republikanischen Vorsitzenden James Comer (53) als ungültig bezeichnet und sich geweigert, mitzuwirken. Demokraten und Republikaner, die sich auf eine Empfehlung zur strafrechtlichen Verfolgung der Clintons einigten, drängten die den Ex-Präsidenten und dessen Frau, die 2016 Präsidentschaftswahlen verlor, schliesslich zur Kapitulation.
Die Clintons boten zunächst Kompromisse an: Bill Clinton wollte sich auf eine vierstündige Befragung beschränken, Hillary Clinton hatte angeboten, eine schriftliche Erklärung abzugeben. Comer wies alle Vorschläge zurück und verlangte ein offenes, transkribiertes Interview ohne Zeit- oder Themenbegrenzung.
Historisches Szenario
Damit ist das Szenario historisch: Seit Gerald Ford 1983 musste kein ehemaliger US-Präsident vor dem Kongress aussagen. Bill Clinton war mit Epstein bekannt, bestreitet aber, jemals dessen Privatinsel besucht zu haben, und beendete den Kontakt vor 20 Jahren. Flugprotokolle hingegen zeigen, dass er 2002 und 2003 vier internationale Reisen auf Epsteins Privatjet unternahm.
Die Clintons hatten versucht, hinter den Kulissen eine Einigung zu erzielen und Comers Handy direkt kontaktiert, um die Modalitäten der Befragung zu klären. Ohne Erfolg. Schliesslich willigten sie nun ein, allen Forderungen Comers zu entsprechen, inklusive der offenen Befragung und der Themenvielfalt.
Philippe Reines, langjähriger Berater der Clintons, kritisierte dabei insbesondere die Demokraten, die Comers Vorgehen unterstützten. «Republikaner bleiiben republikanisch», sagte er. «Es sind die Demokraten, die enttäuschen.»
Clintons in den Epstein-Akten
Der Fall markiert einen neuen Höhepunkt in der langen politischen Schlacht zwischen den Clintons und ihren republikanischen Rivalen, verschärft durch den belasteten Hintergrund rund um den verurteilten Sexstraftäter Epstein.
Die freigegebenen Akten dokumentieren Flüge von Bill Clinton mit Epsteins Privatjet – mindestens 16 Mal zwischen 2001 und 2004. Dann gibt es Fotos von Clinton mit Epstein und Ghislaine Maxwell (64), zum Beispiel beim Dinner oder Pool. Dokumentiert sind auch E-Mail-Kontakte zwischen Maxwell und Clintons Stab.
Es gibt zudem Vorwürfe einer «Massage» durch ein Opfer sowie das Foto mit Clinton und nacktem Oberkörper in einem Whirlpool mit einer unbekannten jungen Frau. Keine Epstein-Opfer haben Clinton öffentlich des Missbrauchs beschuldigt. Er bestreitet auch jegliches Wissen um Epsteins Schandtaten.
Hillary Clinton wird seltener erwähnt und behauptet, nie etwas mit Epstein zu tun gehabt zu haben. Die Dokumente nennen sie im Kontext republikanischer Untersuchungen, ohne spezifische Vorfälle oder Belege gegen sie.