Darum gehts
- Zugunglück in Andalusien am 18. Januar 2026 fordert 43 Todesopfer
- Lokführer bemerkte zunächst nicht die Entgleisung seines Zuges
- Sechsjähriges Mädchen überlebt, verliert aber vier Familienmitglieder
Experten und Ermittler rätseln noch immer, wie es zum katastrophalen Zugunfall in der spanischen Region Andalusien kommen konnte. Das Unglück in der Nähe der Stadt Adamuz am Sonntagabend forderte mindestens 43 Todesopfer und Dutzende Verletzte. Jetzt gibt die Aufnahme eines Telefongesprächs zwischen dem Lokführer und der Zugleitstelle in Madrid Einblicke in die dramatischen Momente vor und nach der Kollision.
So war dem Lokführer des Iryo-Zuges im ersten Moment scheinbar gar nicht bewusst, in was für einer desaströsen Lage er sich befand. «Hallo Leitstelle, hört mal, ich hatte gerade eine Panne in der Nähe von Adamuz», ist sein erster Satz am Telefon. Der Lokführer weiss hier noch nicht, dass die hinteren Waggons seines Fahrzeuges entgleist und auf die Gegenfahrbahn geraten sind.
Laut der Zeitung «El Pais», der die Aufzeichnung des Gesprächs vorliegt, spricht der Lokführer hier noch mit ruhiger Stimme. Im Hintergrund der Aufnahme sollen aber bereits Notbremsungen zu hören sein.
«Ja, ja, ja ... es kommt kein Zug an»
Kurz nach dem ersten Gespräch funkt der Lokführer die Leitstelle in Madrid erneut an. Jetzt klingt seine Stimme deutlich dringlicher, schreibt «El Pais». «Es gibt eine Entgleisung», sagt er am Telefon und fordert umgehend Feuerwehr und Krankenwagen an. «Ich habe Verletzte im Zug.»
Auch sagt der Lokführer: «Ich brauche dringend Ihre Hilfe, um den Verkehr auf den Schienen anzuhalten.» Die Leitstelle antwortet darauf: «Ja, ja, ja ... es kommt kein Zug an.» Den Verantwortlichen in Madrid war also scheinbar gar nicht bewusst, dass zu diesem Zeitpunkt überhaupt ein Zug auf der Gegenfahrbahn unterwegs war. Zum Zeitpunkt dieses Gesprächs war dieser entgegenkommende Zug aber bereits in die entgleisten Waggons geknallt.
Zugbegleiterin suchte toten Lokführer
Im letzten Funkspruch an die Leitstelle informiert der Lokführer die Verantwortlichen, dass er seine Kabine verlassen wird und sie auf dem Laufenden hält. Er wird diese Nacht überleben. Sein 27-jähriger Berufskollege im entgegenkommenden Alvia-Zug hingegen nicht. Er gehört zu den mittlerweile 43 Todesopfern der Katastrophennacht.
Als Informationen über das Ausmass des Unfalls Madrid erreichen, versucht die Zugleitstelle, auch den 27-jährigen Lokführer des Alvia-Zuges telefonisch zu kontaktieren. Dieser ist zu diesem Zeitpunkt aber bereits tot. Stattdessen funkt die Leitstelle eine Zugbegleiterin an, berichtet «El Pais», der auch diese Aufnahme vorliegt. «Ich versuche, den Lokführer zu erreichen, aber es klappt nicht», sagt die Leitstelle der Frau. «Könnten Sie ihn bitte durchstellen?»
Die Zugbegleiterin wurde bei der Kollision der beiden Züge verletzt. «Ich habe auch eine Beule am Kopf. Ich habe Blut am Kopf», erzählt sie der Leitstelle am Telefon. Während sie telefoniert, sucht die Zugbegleiterin den Lokführer im Zug. Sie weiss noch nicht, dass er schon tot ist.
Mädchen (6) verliert ganze Familie
Beim Unglück haben viele Menschen ihre Liebsten verloren – die kleine Cristina (6) fast ihre ganze Familie. Vier Familienmitglieder starben bei der Katastrophe, wie «Bild» berichtet. Ihre Eltern, ihr Bruder und ein Cousin. Cristina selbst überlebte mit einer Platzwunde.
Die Familie war auf einem Ausflug in Madrid. Dort hatten sie sich das Musical «Der König der Löwen» angeschaut und ein Fussballspiel von Real Madrid besucht. In Punta Umbría, der Heimatstadt der Familie, sind die Anwohner fassungslos. «Ich kenne die Mutter und den Vater. Es ist einfach eine Tragödie. Wir alle im Dorf können es nicht glauben», sagte eine Anwohnerin mit Tränen in den Augen zu RTL.