Darum gehts
- Hochgeschwindigkeitszug entgleiste Sonntagabend nahe Adamuz, Córdoba, und kollidierte mit anderem Zug
- Mindestens 42 Todesopfer und zahlreiche Verletzte
- Viele Passagiere blieben stundenlang im Zugwwrack eingeschlossen
Schweres Zugunglück in Spanien fordert Dutzende Todesopfer
Am Sonntagabend ereignete sich nahe Adamuz in der Provinz Córdoba ein schweres Zugunglück. Mindestens 42 Menschen starben. Die Behörden befürchten aber, dass die Zahl noch steigen könnte. Weitere Leichen könnten sich noch in den besonders stark zerstörten Waggons befinden.
Der Hochgeschwindigkeitszug Iryo, der mit 300 Passagieren von Malaga nach Madrid unterwegs war, entgleiste. Daraufhin geriet er aufs Nachbargleis und kollidierte mit einem anderen Schnellzug. Der Renfe-Zug mit rund 200 Passagieren war von Madrid nach Huelva unterwegs.
Mittlerweile laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Menschliches Versagen kann ausgeschlossen werden. Erste Berichte deuten daraufhin, dass Gleisschäden die Ursache gewesen sein könnten.
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat alle seine Termine abgesagt.
Spanien meldet 40 Todesopfer bei Zugunglück
Bei dem Horror-Unfall am Montag hiess es anfänglich, dass mindestens 24 Menschen gestorben seien. Kurz danach kletterte die Zahl auf 39 Todesopfer. Wie die spanischen Medien am Abend berichteten, ist ein weiterer Todesfall zu betrauern. Die aktuelle Zahl der Toten liegt somit bei 40. Das EDA erklärt auf Anfrage am Dienstag erneut, dass man keine Kenntnis über Schweizerinnen oder Schweizer habe, die bei dem Unglück involviert gewesen sein könnten.
Mit diesem Stand schliessen wir diesen Ticker. Über weitere Erkenntnisse und Ermittlungen halten wir dich auf Blick natürlich weiter auf dem Laufenden.
Besten Dank fürs Mitlesen.
Details zu Opfern erwartet
Mindestens 40 Menschen kamen am Sonntagabend bei der Entgleisung von zwei entgegen fahrenden Hochgeschwindigkeitszügen bei Adamuz in der andalusischen Provinz Córdoba ums Leben. Die Behörden befürchten allerdings, dass die Opferzahl noch steigen könnte.
Von Schweizer Seite liegen keine Angaben vor, dass bei dem Unglück Staatsangehörige ums Leben kamen. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hiess es auf Anfrage: «Leider müssen wir davon ausgehen, dass sich auch deutsche Staatsangehörige unter den Betroffenen befinden. Über die Anzahl gibt es derzeit noch keine verlässlichen Angaben.» Man stehe mit den Behörden im engen Austausch, um Aufklärung zu betreiben.
Bei der Identifizierung könnten Informationen nützlich sein, die Angehörige von Vermissten beisteuern können, sagte Serrano. Dazu zählte er Fotos, Ausweisdokumente, Angaben zu Tätowierungen oder zahnärztliche Röntgenaufnahmen. Laut Medienberichten waren am Abend fünf Tote identifiziert. Weitere Informationen dazu wurden zunächst allerdings nicht bekannt.
Bei dem Unfall gab es mehr als 170 Verletzte. Zuletzt wurden 39 noch in Krankenhäusern behandelt, wie der Notdienst Andalusiens in der jüngsten Bilanz mitteilte. Zwölf von ihnen lagen demnach am Montagabend auf der Intensivstation. Alle seien aber inzwischen ausser Lebensgefahr, wurde betont.
Opferzahl steigt auf 40: «Müssen klären, ob Gleisschaden Ursache oder Folge war»
Mittlerweile ist die Opferzahl des Zug-Crashs in Andalusien auf 40 gestiegen. 12 Personen befinden sich noch auf der Intensivstation.
Verkehrsminister Óscar Puente erklärte am Montagabend, dass der Gleisschaden als mögliche Ursache durchaus in Betracht gezogen werde. «Wir müssen aber noch klären, ob dieser Ursache oder Folge der Entgleisung war.»
Berichten zufolge kollidierten die Züge mit einer Geschwindigkeit von rund 190 km/h miteinander. Innerhalb von 30 Sekunden soll sich die Umgebung rund um den Bahnhof in ein einziges Chaos verwandelt haben. Wie «Bild» berichtet, befinden sich auch Deutsche unter den Opfern.
Regierungschef Pedro Sánchez besucht Unglücksstelle
Es ist ein schwerer Gang und die Betroffenheit ist riesig: Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez hat am Montag die Unglücksstelle in Adamuz besucht. Er sicherte der Region schnelle Hilfe zu, sagte alle Termine ab und kündigte er eine dreitägige Staatstrauer an. «Wir werden die Wahrheit ans Licht bringen», sagte Sánchez.
Der Sozialist, der eine gelbe Warnweste des Schienennetzbetreibers Adif trug, sprach erneut – wie zuvor auf der Plattform X – von einer «Nacht tiefen Schmerzes für unser Land».
Bild von kaputtem Gleis aufgetaucht
Belegen diese Aufnahmen die gemeldeten Gleissschäden? Experten, die den Ort des Zug-Crashs in Andalusien untersuchen, haben laut Angaben der Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Quelle eine gebrochene Schienenverbindung festgestellt. Auf X kursieren Bilder des Gleisschadens.
Auf den Bildern ist zu erkenn, dass das rechte Gleis (von oben betrachtet) scheinbar auf die Seite gekippt ist. Das Material wurde aus seiner Verankerung gerissen.
Lokführer haben bereits im August vor Gleisschäden gewarnt, wie meine Kollegin Angela Rosser im Tickereintrag von 13.58 Uhr erklärt hat.
«Es ist zu viel, um es zu ertragen»
Die Familien der Opfer des Bahnunglücks in Andalusien gehen gerade durch die Hölle. Ein Spanier, der anonym bleiben wollte, berichtete gegenüber lokalen Medien, dass er vier Angehörige durch die Katastrophe verloren hat.
Er habe alle möglichen Spitäler auf der Suche nach Informationen abgesucht, bevor ihm schliesslich die schlimme Nachricht überbracht worden sei. «Es ist zu viel, um es zu ertragen», sagte er.
Lokführer warnten vor Gleisschäden
Zum Zugunglück in Spanien, bei dem mindestens 39 Menschen aus dem Leben gerissen wurden, werden laufend neue Details bekannt. So haben Lokführer bereits im August vor «schweren» Gleisschäden bei der Unfallstelle gewarnt.
Reuters konnte eine Kopie des Briefes einsehen, den die spanische Lokführergewerkschaft an den Bahnbetreiber Adif richtete. In dem Schreiben warnte die Gewerkschaft den Betreiber vor den Schäden, die sich genau an der Stelle befänden, an der der Zug aus den Gleisen sprang und mit dem zweiten kollidierte.
Schlaglöcher und Unebenheiten in den Gleisen sowie Oberleitungen führten zu häufigen Ausfällen und Zugschäden. Der Brief sei jedoch nicht die einzige Meldung gewesen. Die Lokführer hätten den Betreiber «täglich» über ihre Bedenken informiert. Massnahmen seien keine ergriffen worden.
Auf eine entsprechende Anfrage von Reuters hat das Unternehmen noch nicht reagiert.
«Wir haben Leichen Hunderte Meter vom Aufprallort entfernt gefunden»
«Der Aufprall war brutal», so beschreibt der Präsident der andalusischen Regierung die Zugtragödie in einem Interview mit dem spanischen Radiosender RNE. «Wir haben Leichen Hunderte Meter vom Aufprallort entfernt gefunden», erzählt er weiter.
Der Präsident bestätigt, dass die Rettungskräfte an die Unfallstelle zurückgekehrt sind, um nach Opfern zu suchen. Weitere Menschen könnten noch unter den umgekippten Wagen der Züge eingeklemmt sein. Zwölf Verletzte befinden sich aktuell noch auf der Intensivstation, berichtet «El Pais». Neun Personen sind in ernstem Zustand.
Ricardo ortet Handy seines Vaters an Unfallstelle
«Sie haben in jedem Spital der Stadt nach ihm gesucht, aber er ist nirgends», sagt Ricardo Chamorro zu «El Pais». Gemeint ist sein Vater, der ebenfalls Ricardo heisst. Der 57-Jährige war in einem der verunglückten Züge. Auf X teilt sein Sohn nun Fotos seines Vaters in der Hoffnung, dass ihn jemand gesehen hat.
Ausserdem konnte er das Handy seines Papas orten – an der Unfallstelle. «Ich kenne den Standort meines Vaters, aber er hat sich seit dem Unfall nicht bewegt, obwohl sein Status als aktiv angezeigt wird», schreibt er.
«Ich habe sie immer noch nicht gefunden»
Für die Angehörigen der Passagiere sind es bange Stunden. Viele wissen noch nicht, wo ihre Mütter, Söhne oder Ehefrauen und Ehemänner sind. Einer von ihnen ist Ramón Montón. Er vermisst seine Frau Tamara Margarita Valdés. «Ich habe sie immer noch nicht gefunden. Ich bin sehr nervös», sagte er der Zeitung «El Pais».
Kurz vor dem Zusammenstoss der Züge habe er noch mit ihr telefoniert. «Die Tragik dabei ist, dass sie den Zug beinahe verpasst hätte», fügte Monton hinzu.
Bei einem schweren Eisenbahnunglück in Andalusien im Süden Spaniens sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen. Wie mehrere spanische Medien berichten, ist die Zahl der Todesopfer mittlerweile auf 42 gestiegen. Viele weitere seien schwer verletzt worden, sagte Regionalpräsident Juanma Moreno in den frühen Morgenstunden sichtlich mitgenommen. Er schloss nicht aus, dass in den «Trümmerhaufen aus Metall» weitere Leichen liegen könnten. Die Rettungs- und Räumungsarbeiten würden die ganze Nacht fortgesetzt.
Die Tragödie hatte sich Stunden zuvor ereignet. Gegen 19.40 Uhr war am Sonntag ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Gesellschaft Trenitalia nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba mutmasslich mit Tempo 300 entgleist und in das benachbarte Gleis geraten, wie die Bahngesellschaft Renfe mitteilte. Der tragische Zufall wollte es, dass just zu dem Zeitpunkt ein entgegenkommender Hochgeschwindigkeitszug von Renfe dort vorbeifuhr und vom anderen Fahrzeug aus den Schienen geworfen wurde.
«Der Aufprall war so heftig, dass die beiden vorderen Wagen des Renfe-Zuges infolgedessen aus den Gleisen geschleudert wurden», meinte Verkehrsminister Óscar Puente. Diese Waggons stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden weitgehend zerstört.
«Wie ein Erdbeben»
Der Iryo-Zug war mit mehr als 300 Menschen an Bord von Málaga nach Madrid unterwegs, der in Madrid gestartete Renfe-Zug fuhr mit rund 200 Passagieren nach Huelva. Der Verkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien sollte mindestens bis einschliesslich diesen Montag unterbrochen werden. Viele Menschen, die in verschiedenen Städten von Zugausfällen aufgrund des Unfalls betroffen waren, verbrachten die Nacht in Bahnhöfen.
Eine junge Frau kämpfte im Interview des TV-Senders RTVE mit den Tränen, als sie den Alptraum beschrieb, den sie im Iryo-Unglückszug erlebte. «Es gab eine Vollbremsung, es wurde stockdunkel. Ich fiel kopfüber aus dem Sitz. Menschen und Gepäck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder, Blut. Ich fühle mich, als wäre ich neu geboren.» Ein anderer Passagier, der Journalist Salvador Jiménez, sagte: «Es war wie ein Erdbeben.»
Unter den Todesopfern ist den amtlichen Angaben zufolge einer der Lokführer. Zahlreiche Fahrgäste waren noch Stunden nach dem Unfall in den Zügen eingeschlossen. Feuerwehrleiter Paco Carmona sprach von einem sehr schwierigen Einsatz: «Es ist ein schwer zugängliches Gebiet. Das Ausmass der Zerstörung war zudem gross. Chaos, offene Brüche.»
Unklarer Hergang
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez (53) sicherte schnelle Hilfe zu. «Heute ist eine Nacht tiefen Schmerzes für unser Land», schrieb er auf der Plattform X. Neben dem Königshaus in Madrid und vielen anderen sprach auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen (67), den Familien und Angehörigen der Opfer sowie dem spanischen Volk ihr Beileid aus. «In dieser Nacht seid ihr in meinen Gedanken», schrieb sie auf X auf Spanisch.
Die Ursache des Unfalls blieb zunächst unklar – die Tragödie gibt Rätsel auf. «Das ist schon ein extrem ungewöhnlicher Unfall», sagte Minister Puente. «Gerade Strecke, ein ziemlich neuer Zug, ein erst jüngst mit einer Investition von 700 Millionen Euro renovierter Streckenteil.» Man müsse nun das Ergebnis der Ermittlungen abwarten.
Mehrere von Medien befragte Experten zeigten sich genauso erstaunt. Das Sicherheitssystem hätte einen solchen Unfall eigentlich verhindern müssen, ohne dass der Lokführer eingreift, meinte etwa Ingenieur Jorge Trigueros.
Psychologische Betreuung
Am frühen Morgen lagen nach amtlichen Angaben noch mehr als 70 Verletzte in insgesamt sechs Krankenhäusern. Einige würden noch in der Nacht einer Notoperation unterzogen, sagte Regionalpräsident Moreno. Zur Identität und Herkunft der Opfer wurden zunächst keine Angaben gemacht. Die Identifizierung der Leichen solle bald aufgenommen werden, sagte Moreno.
Das Rote Kreuz half nicht nur den betroffenen Passagieren und Bahn-Mitarbeitern mit psychologischer Betreuung, sondern auch traumatisierten Angehörigen und Freunden der Opfer, die etwa im Madrider Bahnhof Atocha oder in Huelva vergeblich auf ihre Lieben warteten.
Grosse Solidarität
In ganz Spanien, vor allem aber in Galicien wurden Erinnerungen an ein schlimmes Unglück vom 24. Juli 2013 wach. Ein Zug entgleiste damals in Angrois wenige Kilometer vor Santiago de Compostela mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit an einer Kurve. 80 Menschen kamen ums Leben.
Angesichts der Tragödie, der Trauer und des Chaos zeigten sich viele Menschen in der 4.000-Einwohner-Gemeinde Adamuz solidarisch. Trotz später Stunde brachten freiwillige Helfer Decken, Arznei- und Lebensmittel ins Gemeindezentrum. Supermarktbesitzerin Rafaela machte umgehend ihren Laden auf und sagte im Gespräch mit RTVE: «Heute schläft hier niemand!»