Darum gehts
- Acht Schweizer Fotografen jagen Polarlichter in Kuusamo (Finnland)
- Temperaturen bis minus 25 Grad, Nordlichter tanzen über verschneiten Wäldern
- Sieben Tage Expedition, unvergessliche Naturerlebnisse und volle Speicherkarten
Wenn die Sonne über dem Polarkreis nur noch flach über dem Horizont steht, beginnt im Norden Finnlands die Zeit der langen Dämmerung. Dann entfaltet das Licht seine sanfteste – und zugleich spektakulärste – Magie. Genau dorthin, nach Ruka-Kuusamo in Nordost-Finnland, reiste eine Gruppe von acht Schweizer Landschaftsfotografinnen und -fotografen.
Geleitet wird die Expedition vom bekannten Naturfotografen Fabio Zingg (26) und Jon Guler (26). Es ist die erste Winterreise der neu gegründeten Schweizer Fotoorganisation Sol Expeditions, die sich der Entdeckung und Dokumentation unberührter Naturlandschaften verschrieben hat.
Als freischaffender Fotojournalist für den Blick durfte ich Teil dieser kleinen Crew sein. Zusammen erlebten wir eine Woche Abenteuer im hohen Norden, zwischen Eis und Stille, Tieren, verschneiten Bäumen, weisse Winterlandschaften und tanzenden Polarlichtern.
Die Seele des finnischen Winters
Schon bei der Ankunft in Kuusamo, an der Schwelle zur finnischen Taiga, verwandelt sich die Umgebung in eine nahezu monochrome Welt aus Schnee und gefrorenen Seen. Die Temperaturen liegen bei minus zwanzig Grad, der erste Atemzug gefriert zu feinen Kristallen in der Luft.
Das Ziel der Expedition ist klar: Nordlichter jagen – aber auch die Seele des finnischen Winters einfangen. Frühmorgens stapfen wir mit Stativen und Kameras durch knirschenden Pulverschnee, auf der Suche nach dem ersten Licht des Tages, das wie flüssiges Gold durch die Birken bricht.
Am Abend dann ziehen wir los, um den Sonnenuntergang auf einem beschneiten Hügel einzufangen, und auch in der Nacht ist die Alarmbereitschaft auf höchster Stufe, falls die Polar-App Nordlichter anzeigt. Dann heisst es: Warm anziehen, Fotorucksack ins Auto packen und los in die Dunkelheit, auf die Jagd nach grünen Lichtern.
Jede Aurora ist einzigartig
Sol im Namen der Organisation Sol Expeditions steht nicht nur für Sonne und Licht, sondern auch für den Zusammenhalt junger Schweizer Naturfotografinnen und -fotografen. Die Expedition bietet Raum für Austausch: über Technik, Bildkomposition und darüber, wie man mit der Kamera das Unsichtbare spürbar macht.
«Jede Aurora ist einzigartig und atemberaubend, sie verschwindet so schnell wie sie kommt, und man muss immer bereit sein», sagt Expeditionsleiter Fabio Zingg, während farbige Lichtschleier über den Himmel ziehen. «Unsere Aufgabe ist es, diesen flüchtigen Moment festzuhalten, bevor er wieder vergeht.»
Die Nächte sind kurz, das Staunen umso grösser. Sinkt das Thermometer unter minus 25 Grad, gefrieren Stative, Objektive und Finger – doch niemand klagt. Denn wenn über den dunklen Wäldern die Nordlichter tanzen, ist die Kälte vergessen. Die Kameras klicken, der Fokus sitzt, der Schnee knirscht, die Kälte beisst, man ist gezwungen in Bewegung zu bleiben– und zwischen Himmel und Erde entsteht ein weiteres Kapitel Schweizer Fotogeschichte.
Wir fotografieren, um zu bewahren
Nach sieben Tagen kehren wir zurück: erschöpft, überwältigt und mit Speicherkarten voller Magie. Die Expedition nach Kuusamo ist mehr als eine Reise. Sie erinnert daran, warum wir fotografieren: nicht um zu besitzen, sondern um zu bewahren – das Licht, das uns berührt, bevor es verschwindet.
Die nächsten Exkursionen auf der Jagd nach dem perfekten Licht sind schon angesagt. Auf dem Programm stehen eine Abenteuerreise zum bolivianischen Altiplano, eine Segelreise nach Grönland und eine Vulkanexpedition nach Guatemala.