Experten warnen – aber Trump kann gar nicht mehr zurück
Wer das KI-Wettrüsten gewinnt, gewinnt die Weltherrschaft

Donald Trump will China mit aller Macht bei KI auf Abstand halten. Doch Pekings Gegenoffensive läuft längst. Ein neuer Kalter Krieg um Chips, Modelle und globale Vorherrschaft beginnt – und ausgerechnet jetzt müsste Washington mit seinem Rivalen kooperieren.
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Unter der US-Flagge treibt Donald Trump Amerikas KI-Offensive voran – und macht den technologischen Wettlauf mit China zur Machtfrage.
Foto: IMAGO/Newscom World

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Trump will KI-Rennen gegen China gewinnen, lehnt Entwicklungsbremsen ab
  • US-Strategie: Schneller Fortschritt bei KI, China durch Exportkontrollen ausbremsen
  • Am 24. September Treffen Trump-Xi, Thema: gemeinsame KI-Leitplanken
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Chiara SchlenzAusland-Redaktorin

Plötzlich wollen ausgerechnet jene Männer langsamer machen, die das KI-Wettrüsten überhaupt erst entfesselt haben. Anthropic-Chef Dario Amodei (43) fordert, die Entwicklung der mächtigsten KI-Modelle zu bremsen. OpenAI-Chef Sam Altman (41) unterstützt ihn, Elon Musk (55) schreibt: «Dario hat recht.» Die Botschaft aus dem Silicon Valley ist ungewöhnlich deutlich: Das KI-Wettrüsten könnte die Menschheit auslöschen.

Nur einer will vom Bremsen nichts wissen: Donald Trump (80). Schon lange bevor die jetzigen Warnrufe laut wurden, hatte der US-Präsident den KI-Turbo politisch durchgedrückt. Bereits im Wahlkampf machte er die Technologie zur Machtfrage: Amerika soll führen, China darf nicht vorbeiziehen. Genau damit hat Trump sich nun in eine Falle manövriert.

Für Trump geht es um die Weltherrschaft

Wer künftig die leistungsfähigsten Modelle besitzt, verschafft sich Vorteile in Wirtschaft, Cyberabwehr, Geheimdiensten und Militär. Wer Chips, Rechenzentren und Standards kontrolliert, kann zudem bestimmen, welche Länder Zugang zu dieser Technologie bekommen. Entsprechend gigantisch sind die Summen: Laut UBS dürften weltweit allein 2026 rund 900 Milliarden Dollar in KI fliessen, 2027 bereits 1,2 Billionen Dollar.

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Donald Trump und Xi Jinping stehen sich im Kampf um die technologische Vorherrschaft gegenüber – KI wird dabei immer mehr zur geopolitischen Machtfrage.
Foto: Evan Vucci/Pool Reuters via AP

Trump bringt diese Vorstellung auf einen einfachen Punkt: «Whoever wins AI, wins.» Wer bei KI gewinnt, gewinnt. Amerika liege vor China, sagte er am Wochenende, und das müsse so bleiben. Die Warnungen der KI-Chefs scheint er nicht ernst zu nehmen.

Washington beschränkt den Export der modernsten Chips und versucht, Verbündete in seine Technologiesphäre zu ziehen. Mit «Pax Silica» organisieren die USA eine Allianz rund um Halbleiter, Rohstoffe und KI-Infrastruktur. China reagiert seinerseits mit eigenen Chips, eigenen Modellen und Partnerschaften vor allem im globalen Süden. Aus dem Wettlauf zweier Grossmächte entstehen damit zunehmend zwei technologische Lager – ein Kalter Krieg um KI.

Ausgerechnet jetzt wollen die Amerikaner bremsen

Genau in diesen Kalten Krieg platzt Amodeis Warnung. Seine Sorge ist nicht völlig abstrakt. Im Juli sollen noch unveröffentlichte OpenAI-Systeme miteinander kommuniziert, abgeschottete Testumgebungen verlassen und selbstständig andere Computersysteme angegriffen haben. Entwickler bemerkten den Vorgang zunächst nicht.

Amodei fordert: Sicherheitsmechanismen sollen aufholen können, bevor Systeme noch mächtiger werden. Der entscheidende Zusatz: Amodei will gleichzeitig die Exportkontrollen gegen China verschärfen. Peking soll von den besten Chips abgeschnitten und daran gehindert werden, amerikanische Modelle nachzuahmen. Vereinfacht gesagt: Amerika soll bremsen – aber erst, wenn China weit genug zurückliegt. Selbst die KI-Pioniere, die vor dem Tempo warnen, kommen also aus der Logik des Wettrüstens nicht mehr heraus.

Keiner will als Erster vom Gas

Was passiert, wenn Amerika tatsächlich langsamer entwickelt – China aber nicht? Im schlimmsten Fall nutzt Peking die Pause, um den amerikanischen Vorsprung aufzuholen. Und dabei geht es um weit mehr als den besseren Chatbot: KI verspricht wirtschaftliche Produktivität, militärische Vorteile und neue Möglichkeiten für Cyberangriffe. Wer seine Modelle zudem weltweit etabliert, bestimmt mit, welche Technologie und Standards andere Länder nutzen. Für Trump wäre eine einseitige US-Bremse deshalb ein möglicher Machtgewinn für China.

Ein gemeinsames Bremsmanöver funktioniert nur, wenn Washington und Peking einander vertrauen. Trump vertraut China nicht. Warum sollte Xi Jinping (73) also darauf vertrauen, dass die USA eine vereinbarte Pause nicht nutzen, um ihren Vorsprung auszubauen?

Die harte Linie des US-Präsidenten hat noch einen Haken: Sie zwingt China, unabhängiger zu werden. Je stärker Washington Peking von amerikanischen Chips und Modellen abschneidet, desto grösser wird Chinas Anreiz, eigene Alternativen zu entwickeln. Gleichzeitig sind chinesische Modelle oft günstiger und offener. Der belgische Think-Tank Bruegel warnt deshalb: Drängen die USA andere Staaten zu einer Entscheidung zwischen Washington und Peking, könnten sich gerade Länder ausserhalb des Westens für chinesische Technologie entscheiden.

Kurzum: Trump will Chinas Aufstieg verhindern – und könnte damit den Aufbau eines chinesischen KI-Gegenpols beschleunigen. Am 24. September trifft er Xi in Washington. KI-Sicherheit dürfte auf dem Tisch liegen. Ausgerechnet Trump müsste dann mit seinem grössten Rivalen über gemeinsame Leitplanken sprechen. Das ist die Falle seines KI-Turbos: Trump hat KI zu einem Rennen erklärt, das Amerika unbedingt gewinnen muss. Bremsen kann Trump aber nur gemeinsam mit China.

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