Diese Schocknachricht aus dem Vatikan hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt: Papst Leo XIV. (71) leidet an Lungenkrebs. Konkret handelt es sich um ein sogenanntes Adenokarzinom in der Lunge. Diese Krebsart entsteht in Drüsenzellen – spezialisierten Zellen, die normalerweise schützende Sekrete oder Proteine in der Lunge produzieren. Es handelt sich dabei um die häufigste Form von Lungenkrebs.
Blick hat bei Maurice Roeder, Facharzt für Pneumologie und Allgemeine Innere Medizin im Lungenzentrum Hirslanden an der Klinik Hirslanden in Zürich, nachgefragt, welche Risikofaktoren es für Lungenkrebs gibt. Einer davon ist vielen Menschen kaum bekannt.
Rauchen bleibt der grösste Risikofaktor
Allen voran steht ein Faktor: «Der grösste Risikofaktor für die Entstehung eines Bronchialkarzinoms bleibt weiterhin das Rauchen mit einem bis zu 30-fach erhöhten Risiko im Vergleich zu Nichtrauchern. Auch das passive Rauchen erhöht das Lungenkrebsrisiko um etwa 25 Prozent», sagt Roeder zu Blick.
Ein weiterer grosser Risikofaktor, der vielen Menschen in der Schweiz oft nicht bewusst sei, ist die Exposition gegenüber Radon. Das natürlich vorkommende Edelgas entsteht im Boden und sammelt sich in Kellern und im Erdgeschoss an. «Etwa 6 bis 9 Prozent der Todesfälle durch Bronchial-Karzinome gehen in der Schweiz laut BAG auf Radonexposition zurück. Es ist damit der zweitgrösste Risikofaktor für Lungenkrebs in der Schweiz nach Zigarettenrauch!», erklärt der Mediziner.
Feinstaubbelastung als Risikofaktor
Als dritten zentralen Risikofaktor für Lungenkrebs nennt Roeder die Feinstaubbelastung in den Städten. Mit einem Durchmesser von 2,5 Mikrometern oder weniger gelangen die feinen Partikel beim Atmen in das Lungengewebe und können sogar bis in den Blutkreislauf eindringen. Feinstaub entsteht etwa im Verkehr durch Abgase, Reifen und Bremsabrieb.
«Feinstaubpartikel können Lungenkrebs fördern, indem sie Entzündungen und oxidativen Stress auslösen, die Zellregulation beeinflussen und möglicherweise bereits mutierte Zellen in ihrem Wachstum begünstigen», erläutert der Facharzt. Studien zeigten dabei einen deutlichen Zusammenhang von Feinstaubbelastung und der Entstehung von Lungenkrebs, vor allem beim Adeno-Lungenkarzinom, führt der Experte aus.
Prägende Rolle von Genetik bei Lungenkrebs
Bestimmte Vorerkrankungen können das Risiko für Lungenkrebs ebenfalls deutlich erhöhen. Dazu zählen laut dem Mediziner chronische Lungenerkrankungen wie COPD, Lungenfibrosen, pulmonale Tuberkulose oder Pneumokoniosen (sogenannte Staublungen).
Auch die Genetik spielt eine Rolle. «Lungenkrebs hat eine starke genetische Komponente. So wissen wir, dass Menschen mit Verwandten ersten Grades mit einem Bronchialkarzinom ein mindestens doppelt so hohes Risiko haben, ebenfalls an Lungenkrebs zu erkranken», erklärt Roeder.
Mit dem Alter steigt das Risiko ebenfalls. «Mit zunehmendem Alter steigt die Expositionsdauer gegenüber Risikofaktoren wie Zigarettenrauch, Radon und Feinstaub an. Es sammeln sich Zellen mit genetischen Veränderungen an. Gleichzeitig können DNA-Reparaturmechanismen und Immunabwehr weniger effizient werden», so der Experte. In der Schweiz liegt das mittlere Erkrankungsalter für Lungenkrebs bei etwa 70 Jahren.
So senkst du das Risiko
Auch der persönliche Lebensstil spielt eine Rolle. Wer hier anknüpft, kann das Risiko erheblich senken. «Der wichtigste Faktor für die Risikoreduktion von Lungenkrebs ist der absolute Rauchstopp. Nach 10 bis 15 Jahren reduziert sich das Lungenkrebsrisiko um circa die Hälfte», so Roeder. Das heisst: Ein Rauchstopp lohnt sich zu jeder Zeit und in jedem Alter. Der Experte empfiehlt Patienten über 50 Jahren mit einer signifikanten Vorgeschichte als Raucher zudem Lungenkrebs-Screenings. Hierzu betreibt etwa die Stiftung zur Früherkennung von Lungenkrebs ein nationales Früherkennungsprogramm.
Gesunde Ernährung und sportliche Aktivität reduzieren ebenfalls das Risiko. Darüber hinaus sollte die Radonexposition zu Hause untersucht werden, empfiehlt der Experte. Auf der Seite des BAG lässt sich diese für die eigene Wohnadresse einfach abschätzen. Je nach Radonmessung zu Hause könnten dann bauliche Massnahmen ergriffen werden.