Es geht um junge Russinnen
Schmutzige Epstein-Mails belasten Bill Gates und Ex-Prinz Andrew

Neue Epstein-Akten bringen Bill Gates und Ex-Prinz Andrew in weitere Bedrängnis. E-Mails zeigen angebliche Kontakte zu jungen russischen Frauen. Dies gibt Einblick in die Denkweise des verurteilten Sexualstraftäters. Gates und Andrew sind Puzzleteile in dessen Netzwerk.
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Aufgenommen 2011 in Jeffrey Epsteins New Yorker Villa: neben Epstein (l.) Bill Gates (m.) und Boris Nikolic, der wissenschaftliche Berater der Bill & Melinda Gates Stiftung.
Foto: Screenshot New York Times

Darum gehts

  • Epstein-Files enthüllen nie gesendete E-Mails über Bill Gates
  • Epstein behauptet, Gates habe ihn um Hilfe bei Skandal gebeten
  • Für Ex-Prinz Andrew habe er eine junge Russin in London vermittelt
  • Datenpaket umfasst über drei Millionen Seiten, 2000 Videos, 180'000 Bilder
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Bill Gates (70), russische Frauen und der Vorwurf einer heimlich behandelten Geschlechtskrankheit: Die jüngste Aktenfreigabe im Epstein-Komplex sorgt für neue Schlagzeilen – und wirft erneut die Frage auf, wie nah der Microsoft-Gründer dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (†66) tatsächlich stand. Es geht nicht um Beweise, sondern um Dokumente, die zeigen, wie Epstein über mächtige Kontakte dachte – und was er über sie zu wissen glaubte. 

Im Zentrum der Debatte steht ein nicht versandter E-Mail-Entwurf aus dem Jahr 2013, der nun in den neu veröffentlichten Epstein-Files auftauchte. Gates habe seiner Frau eine Geschlechtskrankheit nach Sex mit jungen Russinnen verschwiegen. Der Text wurde von Epstein selbst verfasst und an sein eigenes Konto geschickt. Inhaltlich schrieb er so, als formuliere er im Namen eines engen Gates-Vertrauten: Boris Nikolic, eines früheren Top-Managers von Microsoft.

Nikolic galt über Jahre als wichtige Figur im Umfeld von Gates und war unter anderem als Leiter von Cascade Investment tätig – jener Investmentgesellschaft, die das private Vermögen von Bill Gates verwaltet. Belegt ist jedoch nicht, dass Nikolic den Text kannte oder autorisierte.

Intime Details

Der Vorwurf im Entwurf ist brisant: Gates soll sich laut Epsteins Darstellung bei Treffen mit «russischen Mädchen» eine sexuell übertragbare Krankheit zugezogen haben. Weiter behauptet Epstein, Gates habe ihn um Hilfe gebeten, um die Angelegenheit vor seiner damaligen Ehefrau Melinda zu verbergen – inklusive der Beschaffung von Medikamenten.

In einem weiteren Entwurf heisst es zudem, Gates habe verlangt, bestimmte E-Mails zu löschen, die sich nicht nur auf die angebliche Krankheit und Medikamente bezogen hätten, sondern auch auf private, intime Beschreibungen seines Körpers, darunter Hinweise auf seinen Penis. Auch diese Aussagen bleiben unbelegt.

Die Mails wurden nie verschickt, unabhängige Beweise existieren nicht. Für Ermittler sind solche Texte kein Beweis, sondern allenfalls ein Einblick in Epsteins Denkweise. Weitere Entwürfe zeichnen das Bild eines Mannes, der intime Informationen über einflussreiche Personen sammelte und sich selbst als diskreten Mittler inszenierte. Der Ton ist teils anklagend, teils selbstmitleidig – und legt nahe, dass sich Epstein zu diesem Zeitpunkt von Gates zurückgesetzt fühlte.

E-Mails mit Andrew und Musk

Die jüngst veröffentlichten Akten geben offenbar auch Einblick in Epsteins Korrespondenz mit Ex-Prinz Andrew (65). So soll Epstein 2010 für Andrew ein Dinner mit einer 26-jährigen Russin in London vermittelt haben – kurz nachdem Epstein seine Strafe wegen Prostitution Minderjähriger verbüsst hatte. «Ich habe eine Freundin, mit der du vielleicht gerne mal zu Abend essen würdest», schrieb Epstein. Er fügte an, dass die Frau 26 Jahre alt, Russin, klug, schön und vertrauenswürdig sei. In einer Antwort, signiert «HRH The Duke of York KG» und mit «A» unterzeichnet, schrieb Andrew, der gerade «in Genf» sei: «Ich wäre entzückt, sie zu sehen». Weitere E-Mails deuten auf ein Abendessen mit prominenten Teilnehmern hin, das Epstein organisierte.

Auch Andrews Ex-Frau Sarah Ferguson (66) taucht offenbar in den Unterlagen auf. Ein Mail-Verlauf von 2009 deutet darauf hin, dass sie Epstein darin als «Legende» und «Bruder, den ich mir immer gewünscht habe», bezeichnete. Ferguson hatte bereits 2011 zugegeben, von Epstein 15'000 Pfund (etwa 15’900 Franken) angenommen zu haben, und die Verbindung zu dem Sexualstraftäter später bedauert.

Diese letzte Sammlung von freigegebenen Epstein-Dokumenten zeigt auch einen Austausch zwischen Epstein und Elon Musk (54). Dieser schrieb im Dezember 2013, er sei in der Gegend von BVI/St. Barts und frage nach einem guten Zeitpunkt. Epstein schlug den Jahreswechsel vor und bot an, Musk abzuholen. Musk reagierte positiv auf Terminvorschläge – «Klingt gut, ich werde versuchen, es zu schaffen», schrieb Musk. Er erkundigte sich aber letztlich nicht nach einem konkreten Inselbesuch in der Form «Wann gehen wir auf deine Insel?» – das ist eine Übertreibung in manchen Medienberichten.

Puzzleteile im Epstein-Netz

Die brisanten Passagen sind Teil eines riesigen Datenpakets: Das amerikanische Justizministerium hat offiziell mehr als drei Millionen Seiten an bisher geheimen Akten im Fall des verstorbenen verurteilten Sexualstraftäters Epstein veröffentlicht. Die gigantische Dokumenten- und Multimedia-Sammlung enthält 2000 Videos und rund 180'000 Bilder, darunter E-Mails, Fotos, Finanzunterlagen und sonstige Ermittlungsergebnisse aus Jahrzehnten von FBI- und Staatsanwalts-Untersuchungen. Viele Namen sind geschwärzt, mutmassliche Opfer geschützt. Die Behörden warnen ausdrücklich davor, jede Erwähnung prominenter Personen als Hinweis auf strafbares Verhalten zu deuten.

Gates hatte früher eingeräumt, dass Treffen mit Epstein ein Fehler gewesen seien. Er betonte stets, diese hätten im Zusammenhang mit philanthropischen Projekten gestanden. Bekannt ist auch, dass Melinda French (61) Gates die Verbindung ihres Mannes zu Epstein kritisch sah.

Juristisch haben die nun veröffentlichten Entwürfe kaum Gewicht. Reputativ jedoch entfalten sie Wirkung. Sie zeigen, wie Epstein Nähe, Andeutung und intime Details als Machtinstrument verstand – und warum sein Name bis heute als Synonym für den Albtraum der globalen Elite gilt.

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