Darum gehts
- Grossbritannien und Frankreich vereinbaren 700-Millionen-Franken-Deal gegen Ärmelkanal-Migration
- 160 Millionen Franken Erfolgsbonus für Frankreich nur bei messbarem Rückgang der Überfahrten
- 2025 erreichten 41'472 Migranten England, 2026 bisher 6'000, minus 36 Prozent
Der Ärmelkanal ist zum Massengrab geworden. Allein im Jahr 2025 starben mindestens 29 Menschen beim verzweifelten Versuch, England zu erreichen. Doch der Ansturm reisst nicht ab. Jetzt greift London zum Äussersten.
Am Mittwoch besiegelten die britische Innenministerin Shabana Mahmood (45) und ihr französischer Amtskollege Laurent Nuñez (62) einen Deal, den Premierminister Keir Starmer (63) laut «Daily Telegraph» als «historisch» feiert. Es geht um Hunderte Millionen für eine massive Aufrüstung. Blick beantwortet die wichtigsten Fragen zum Migrationspakt.
Wie sollen die Schlauchboote gestoppt werden?
Die Ruanda-Pläne sind längst Geschichte, stattdessen will man jetzt knallharte Präsenz im Ärmelkanal zeigen und die Schmuggler dort packen, wo es wehtut – bevor die Boote überhaupt nass werden.
Die neue Grenzoffensive soll vor allem mit mehr Manpower umgesetzt werden. Die Zahl der französischen Einsatzkräfte wird in Nordfrankreich um rund 42 Prozent hochgefahren – von 700 auf bis zu 1400 Beamte. Das berichtet die BBC. Fünf neue Spezialeinheiten sollen die Strände lückenlos überwachen, darunter eine 50-köpfige Bereitschaftspolizei, die speziell für die Bekämpfung der zunehmenden Gewalt durch Migranten und Schleuser ausgebildet wurde. Eine spezialisierte französische Einheit für Nachrichtendienst und Justiz, die laut «Daily Telegraph» im vergangenen Jahr an der Festnahme von 480 Schleusern beteiligt war, wird zudem von 18 auf 30 Mitarbeiter aufgestockt.
Auch beim Equipment wird aufgerüstet. Zwei neue Helikopter, Drohnen-Flotten, KI-Kamerasysteme und ein neues Abfangschiff sollen den Zufluss illegaler Migranten stoppen.
Wie viel Geld fliesst?
Die britische Regierung legt für das neue Drei-Jahres-Abkommen insgesamt satte 662 Millionen Pfund auf den Tisch – das sind umgerechnet rund 700 Millionen Franken.
Aber Achtung, es gibt einen entscheidenden Haken für die Franzosen, denn das Geld fliesst nicht bedingungslos: Fix zugesichert ist ein Basis-Paket von rund 500 Millionen Pfund (etwa 530 Millionen Franken). Damit sollen ganz konkret die neuen Polizeieinheiten, Helikopter, Drohnen und Kamerasysteme für die Überwachung der Strände in Nordfrankreich bezahlt werden.
Der eigentliche Clou des Deals ist jedoch ein saftiger Erfolgsbonus: Weitere 160 Millionen Pfund (ca. 170 Millionen Franken) überweisen die Briten nur dann, wenn die Zahl der Bootsüberfahrten auch wirklich messbar sinkt. Dieses an Resultate geknüpfte Bezahlmodell ist laut dem britischen Innenministerium ein absolutes Novum im Ärmelkanal. Die Ansage aus London ist knallhart: Sollten die Franzosen nicht liefern und die Taktik scheitern, können die Briten nach einem Jahr einfach den Geldhahn zudrehen und die restlichen Millionen wieder einkassieren.
Brisantes Detail für die Steuerzahler: Nimmt man das Geld aus den gescheiterten Deals der vergangenen Jahre dazu, knackt Grossbritannien bei den Zahlungen an Frankreich für den Grenzschutz nun die astronomische Marke von über einer Milliarde Pfund.
Wie sahen die Zahlen zuletzt aus?
Im Jahr 2025 erreichten 41'472 Menschen in kleinen Booten die englische Küste – die zweithöchste Zahl der Geschichte. Und: Laut Angaben des britischen Innenministeriums überquerten in diesem Jahr bereits über 6000 Menschen in kleinen Booten den Ärmelkanal, um das Vereinigte Königreich zu erreichen. Das berichtete die Nachrichtenagentur PA. Was einem Rückgang von 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht.
Den Briten ist das aber noch nicht genug. Denn: Der Anteil der von den Franzosen gestoppten Überfahrten ist von einem Höchststand von 46,9 Prozent im Jahr 2023 auf bisher 33,9 Prozent in diesem Jahr gesunken – niedriger als in jedem anderen vollen Kalenderjahr seit der Ankunft der ersten Boote im Jahr 2018.
Welche Kritik gibt es?
Die Rechtsaussenpartei Reform UK warf der Starmer-Regierung vor, Frankreich mehr Geld «für ein System zu geben, das bereits gescheitert ist». Der Tory-Politiker Chris Philp (49) forderte: «Frankreich sollte keinen einzigen Penny bekommen, es sei denn, sie stoppen die überwiegende Mehrheit der Boote.»
Organisationen, die Geflüchtete vertreten, warnten laut «Guardian» vor einer «Brutalisierung». Sile Reynolds, Leiterin der Asylrechtsabteilung der Wohltätigkeitsorganisation Freedom from Torture, bezeichnete die Eskalation als «zutiefst beunruhigend» und fügte hinzu: «Jetzt werden wir dafür bezahlen, dass Polizeistiefel und Schlagstöcke wahllos gegen Männer, Frauen und Kinder an den Stränden Nordfrankreichs eingesetzt werden, weil sie das Verbrechen begangen haben, Schutz zu suchen.»