Darum gehts
- Bologna: Hunderte protestieren nach Tod von Abderrahim Fakir bei Verhaftung
- Handyvideo zeigt tödlichen Polizeieinsatz, Parallelen zu George Floyds Tod 2020
- Staatsanwaltschaft ermittelt, Polizei plant Veröffentlichung von Körperkamera-Aufnahmen
In Bologna kocht die Wut. Hunderte Demonstranten protestierten lautstark gegen Polizeigewalt. Der Auslöser: Abderrahim Fakir (42) starb am Sonntagmittag bei einer dramatischen Verhaftung im Stadtteil Pilastro. Der Marokkaner betrieb ein kleines Umzugsunternehmen. Die Polizei war ausgerückt, weil er angeblich aggressiv randaliert haben soll.
Ein Handyvideo zeigt die fatalen Minuten: Bei über 35 Grad Hitze liegt Fakir bäuchlings auf dem Asphalt. Zwei Beamte drücken ihn nieder. Er ruft immer wieder um Hilfe und ringt nach Luft – bis er sich schliesslich gar nicht mehr bewegt. Zuvor hatten die Polizisten Pfefferspray gegen den 42-Jährigen eingesetzt.
Erinnerungen an Tod von George Floyd
«Sie haben meinen Bruder kaltblütig getötet, ich will Gerechtigkeit», sagt seine Schwester Khadija. Die schockierenden Bilder erinnern an den Tod des US-Amerikaners George Floyd (1973-2020) in Minneapolis im Jahr 2020. Auch er starb, weil er keine Luft mehr bekam, nachdem er von der Polizei auf den Boden gedrückt wurde. In den USA entbrannten damals landesweite Proteste.
Nun rufen auch die Menschen in Italien auf den Strassen «Staatsmörder» und recken die Fäuste in die Luft – das Symbol der Black-Lives-Matter-Bewegung.
Die Proteste eskalieren zunehmend. Aktivisten werfen Feuerwerkskörper auf Polizeigebäude. Die Beamten kontern mit Tränengas und Wasserwerfern. Italiens Premierministerin Giorgia Meloni verurteilt die Gewalt, verspricht aber eine Untersuchung. Mittlerweile hat sich auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und Ermittlungen aufgenommen – die Polizei will zudem die Aufnahmen der Körperkameras der betroffenen Beamten freigeben.