Darum gehts
- Schweizer schlägt 2024 in Ottawa Pro-Palästina-Demonstrantin, steht jetzt vor Gericht
- David H. rechtfertigt Tat mit niedrigem Blutzucker und posttraumatischer Belastungsstörung
- Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafe, Verteidiger beantragt Freispruch vor kanadischem Gericht
Er würde «aktiv einen Völkermord unterstützen». Diese Anschuldigung warf eine Pro-Palästina-Demonstrantin Stefan M.* an den Kopf, bevor der Schweizer der jungen Frau einen Faustschlag verpasste. Für diese Tätlichkeit muss sich der ehemalige Angestellte des Rüstungskonzerns Rheinmetall nun in Kanada vor Gericht verantworten.
Der Vorfall ereignete sich im Juni 2024. M. war auf dem Weg an eine Verteidigungskonferenz in der kanadischen Hauptstadt Ottawa. Dabei stellten sich ihm mehrere Pro-Palästina-Aktivisten in den Weg, die ihm Vorwürfe wegen seiner Teilnahme an der Konferenz machten. An dem Event nahmen mehrere kanadische Rüstungsfirmen teil.
M. holte laut eigener Aussage mit dem Arm aus und traf eine 21-jährige Demonstrantin absichtlich mit der Faust ins Gesicht. Die Frau ging zu Boden und der Schweizer ging weiter in Richtung Konferenz, wobei er eine weitere Demonstrantin schubste. Er wurde daraufhin festgenommen.
Niedriger Blutzuckerspiegel als Erklärung
M. hatte sich vor seiner aktuellen Gerichtsverhandlung bereits schuldig bekannt. Er selbst erklärt sein Verhalten mit seinem niedrigen Blutzuckerspiegel zum Zeitpunkt des Angriffs. Dies habe bei ihm «Reizbarkeit hervorgerufen», wie M. in seinem Plädoyer vor Gericht erläutert.
Ausserdem leide der Schweizer aufgrund seiner früheren Militärerfahrungen an einer posttraumatischen Belastungsstörung, was zu einer Angst vor Menschenmengen führen würde. Die Staatsanwaltschaft beantragte Anfang des Monats, dass M. für die Straftat eine Haftstrafe verbüssen soll, wie der kanadische Fernsehsender CBC berichtet. Der Anwalt des Schweizers hingegen plädiert für einen bedingungslosen Freispruch. Das Urteil soll Mitte Juli verkündet werden.