Es war einer der freudigsten Feiertage im jüdischen Kalender. Am 7. Oktober 2023 feierten die Menschen in ganz Israel Simchat Tora – den Abschluss des jährlichen Lesezyklus der Tora und den Beginn eines neuen Zyklus. Ein Tag, der normalerweise von Gesang und Freude und der Zusammenkunft in Synagogen begleitet wird – doch an diesem Oktobertag in einem blutigen Massaker endete.
In den frühen Morgenstunden flogen die ersten Raketen gegen 6.30 Uhr aus dem Gazastreifen in Richtung Israel. Tausende weitere folgten. Zusätzlich drang die Terrormiliz Hamas mittels einer gross angelegten Bodeninvasion ins Land, durchbrach den Grenzzaun zwischen Israel und dem Gazastreifen an mehreren Stellen. Bis zu 3000 schwer bewaffnete Hamas-Kämpfer drangen von allen Seiten ein – mit Pickups, auf Töffs, zu Fuss, mit Booten über das Meer und sogar mit Paraglidern aus der Luft.
Sie griffen an 30 verschiedenen Orten gleichzeitig an. Darunter die Kollektivsiedlung Kibbuz Re'im, das nahegelegene Nova-Musikfestival, mehrere Städte, Militärstützpunkte und Strassen. Auf ihrem Weg schossen die Hamas-Kämpfer alles nieder, das sich bewegte. Mehr als 1200 Menschen wurden getötet, Tausende verletzt und über 200 Menschen als Geiseln verschleppt. Es ist das schlimmste Pogrom an Juden seit dem Ende des Holocausts. Das Grauen trifft Israel mitten ins Herz.
Nun liegt der Hamas-Überfall auf Israel drei Jahre zurück. Die Spuren des Schreckens und der Trauer haben sich weltweit in das Gedächtnis der Menschen gegraben.
Brutaler Überraschungsangriff
Der Überfall der Hamas war überraschend und brutal und traf Israel zu einem Zeitpunkt, an dem zahlreiche Soldaten wegen des Feiertags nicht auf ihren Posten waren.
Tausende Raketen flogen von Gaza in Richtung Israel. Gegen 6.30 Uhr heulten landesweit die Sirenen.
Die Angriffe zogen sich über den gesamten Tag, die Nacht und über mehrere Wochen hinweg. Israel rief den Kriegszustand aus und schlug zurück.
Hunderte Feiernde sterben
Nahe der Kollektivsiedlung Kibbuz Re'im feierten über 3500 Besucher des Nova-Musikfestivals den Beginn des neuen Tages. Der Tanz in den Sonnenaufgang war der Höhepunkt der mehrtägigen Veranstaltung.
Dann zogen Raketen über den Himmel. Die Besucher flohen vom Festivalgelände und liefen den Hamas-Kämpfern direkt in die Arme. Denn diese waren auf der nahegelegenen Nationalstrasse 232 bereits in ihren Pickups und auf ihren Töffs unterwegs. Sofort eröffneten sie das Feuer auf die flüchtenden Festivalbesucher.
Die Terroristen filmten das Massaker und teilten die Gräueltaten im Internet. Wo kurz zuvor noch Tausende Menschen auf dem Festival ausgelassen tanzten, drangen kurz darauf die Hamas-Kämpfer ein. 378 Menschen (darunter 344 Zivilisten und 34 Sicherheitskräfte) werden nach offiziellen Angaben auf dem Festival getötet.
Einige Besucher versuchten, in ihren Autos zu entkommen. Doch im Stau und Chaos schossen die Hamas-Kämpfer auch auf die Autofahrer.
Die Spur des Grauen
Die Spur des Grauens ist verheerend. Gebäude und Strassen wurden zerstört und überall lagen Hunderte Leichen, wie hier im Kibbuz Be'eri.
Die Bewohner der Kollektivsiedlung Kibbuz Be'eri hatten keine Chance. Hunderte Familien wurden auseinandergerissen. Familienmitglieder wurden getötet oder als Geiseln verschleppt.
Israelische Soldaten suchten in den Gebieten nahe des Gazastreifens nach den Überresten getöteter Menschen.
Getötete Bewohner der Siedlung Kibbuz Be'eri wurden im November 2023 in provisorischen Gräbern in der Siedlung Revivim beerdigt. Denn der eigentliche Friedhof war unerreichbar geworden und lag nun in einer militärischen Sperrzone.
Das Bangen um die Geiseln
Familien getöteter oder in Geiselhaft verstorbener Geiseln versammeln sich am Mittwoch zu einem Marsch durch Tel Aviv.
251 Geiseln wurden nach Gaza verschleppt. 166 der Geiseln wurden über die Jahre befreit, 85 getötet – teilweise bereits während des Überfalls. Immer wieder gingen Angehörige und Menschen auf der ganzen Welt auf die Strasse, um die Freilassung der Geiseln oder die Überführung der menschlichen Überreste zu fordern, wie hier in Jerusalem im März 2025.
Im Februar 2025 begann die Hamas, nach einer zeitweisen Waffenruhevereinbarung, die ersten Leichen verschleppter Geiseln an Israel zu übergeben. Unter den ersten übergebenen getöteten Geiseln befanden sich auch die 32-jährige Shiri Bibas, ihre Söhne Ariel (†4) und Kfir (†9 Monate) sowie der 83-jährige Oded Lifshitz.
Über mehr als zwei Jahre hinweg wurden die Geiseln schrittweise freigelassen. Am 13. Oktober 2025 wurden im Rahmen eines von den USA vermittelten Abkommens zur Waffenruhe auch die letzten 20 noch verbleibenden lebenden Geiseln freigelassen. Darunter Avinatan Or und seine Freundin Noa Argamani. Beide wurden auf dem Nova-Musikfestival entführt und fallen sich nach zwei Jahren Hamas-Haft wieder in die Arme.
Ein nicht endender Schmerz
Drei Jahre nach dem Massaker sitzt der Schmerz tief. Am Mittwoch versammeln sich zahlreiche Angehörige an der Gedenkstätte des Nova-Musikfestivals.
Raz Zarfati umarmt das Foto ihres Bruders Ron Zarfati, der vor drei Jahren auf dem Musikfestival getötet wurde.
Trauernde kommen im ganzen Land zusammen, wie hier an einem Strassenbunker nahe der Kollektivsiedlung Kibbuz Re'im. Auch hier töteten die Hamas-Kämpfer mehrere Menschen, die Schutz gesucht hatten.