Darum gehts
- Jeffrey Epsteins mutmasslicher Abschiedsbrief seit 2019 in New York versiegelt
- Zellengenosse fand Brief in einem Comic, übergab ihn Anwälten
- Mindestens sechs geheime Epstein-Lagerräume in den USA bleiben unentdeckt
Wo ist der Abschiedsbrief von Jeffrey Epstein (1953–2019)? Nach dem mutmasslichen Suizid des verurteilten Sexualstraftäters gab sein Zellengenosse an, das Dokument gefunden zu haben. In den Epstein-Akten tauchten Epsteins letzte Worte bislang allerdings nicht auf.
Jetzt berichtet die «New York Times», dass ein New Yorker Gericht seit 2019 ein Dokument unter Verschluss halte, das ein von Epstein geschriebener Abschiedsbrief sein soll. Die Zeitung hat Einsicht in das Dokument verlangt.
Brief in Comic gefunden
Das Beweisstück sei durch einen Bundesrichter versiegelt worden. Epsteins Mitinsasse Nicholas Tartaglione fand den Brief laut eigener Aussage in einem Comic und übergab diesen seinen Anwälten. Damit wollte er demnach den Vorwurf entkräften, dass er Epstein angegriffen habe.
Laut Tartaglione soll Epstein in dem Brief seine persönliche Verzweiflung zu Papier gebracht haben. Etwas in der Art von: «Was soll ich denn machen, in Tränen ausbrechen? Es ist Zeit, Abschied zu nehmen», soll laut dem «Spiegel» darin zu lesen gewesen sein.
Die Behörden rund um die Epstein-Akten haben laut eigenen Angaben keine Kenntnis von dem Schreiben. Sollte es sich bei dem Dokument im New Yorker Gericht also tatsächlich um Epsteins Abschiedsbrief handeln, würde den Ermittlern ein wichtiges Beweisstück fehlen.
Epsteins Lagerraum-Netzwerk
Es wäre nicht das erste Mal, dass den Ermittlern rund um Epstein wichtige Beweisstücke durch die Lappen gehen. Im Februar wurden in einem geheimen Lagerraum etwa Handbücher für Sex-Sklaverei, Nacktfotos von Teenagern und Dutzende Porno-Heftli des Straftäters entdeckt. Auch Computer, Videobänder und Adressbücher wurden in dem Lagerraum gebunkert.
Epstein unterhielt wohl ein grosses Netzwerk solcher Lagerräume in den ganzen USA. Mindestens sechs weitere soll es geben. Die meisten davon bleiben nach wie vor unentdeckt.
FBI-Akten zurückgehalten
Auch wurde dem Justizdepartement der USA mehrmals vorgeworfen, wichtige Dokumente der Epstein-Akten zurückzubehalten, um mächtige Personen zu schützen. So waren etwa gewisse FBI-Dokumente, in denen US-Präsident Donald Trump (79) belastet wird, in den Akten über längere Zeit nicht zugänglich. Der offizielle Grund dafür war ein Fehler bei der Kennzeichnung.
Zwar gab das Justizdepartement die FBI-Akten Anfang März frei, einige US-Politiker sind sich jedoch sicher, dass noch immer Dokumente fehlen. Der demokratische Senator Sheldon Whitehouse warf dem Departement vor, weiterhin Ermittlungsmaterialien zurückzuhalten, die mehr darüber enthüllen würden, «was wirklich passiert ist». Darüber berichtete die «New York Post».