Blick-Reporterin Helena Graf trifft Latinos in Texas
«Trump ist unser Kapitän, er fliegt unser Flugzeug»

Der US-Präsident steht mit der Behörde ICE für eine scharfe Abschiebepolitik. Trotzdem wählte 2024 fast die Hälfte der Latinos Donald Trump. In Texas haben sich viele von den Demokraten abgewandt. Was überzeugt sie am US-Präsidenten? Und wie lange halten sie noch zu ihm? Drei Begegnungen in San Antonio.
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Latinos machen fast 65 Prozent der Bevölkerung von San Antonio aus.
Foto: AP Photo/Eric Gay
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Helena GrafReporterin

Marcus Cadenas (39) kennt das Leben der Arbeiterfamilien im Süden von San Antonio, Texas. Sein Vater war Sanitärinstallateur. Als kleiner Junge fuhr er in dessen Lieferwagen zur Schule, in den Ferien half er auf Baustellen. «Mein Vater sagte immer: Bring mir ja nicht die Polizei nach Hause», erinnert sich Cadenas. Und er gehorchte.

Die Familie war katholisch, konservativ – und demokratisch. So war das hier über Generationen.

Marcus Cadenas (39) war früher Demokrat. Heute kandidiert der Unternehmer mit Latino-Hintergrund für die Republikaner fürs Parlament von Texas.
Foto: Helena Graf

Auch Cadenas unterstützte früher die Demokraten. Heute kandidiert er für die Republikaner fürs Parlament von Texas. Gewählt wird an den Midterms.

Von seiner früheren Partei fühlt sich der Unternehmer nicht mehr vertreten. Statt über Arbeitsplätze, Löhne und kaputte Strassen zu sprechen, beschäftige sie sich lieber mit gesellschaftspolitischen Symbolen, kritisiert er.

«Wir sind Arbeiter, Installateure»

Als Beispiel nennt er die Regenbogen-Fussgängerstreifen in San Antonio. Während im Süden der Stadt die Trottoirs zerfallen, werde Geld für Pride-Symbole ausgegeben. Dabei treiben beide Seiten den Streit an: Die Republikaner liessen die Regenbogen-Streifen entfernen, die Stadt reagierte mit neuen bunten Trottoirs.

Cadenas will lieber über Jobs und Aufstiegschancen reden. Er selbst brach nach dem Tod seines Bruders das College ab, stieg ins Sanitärgeschäft der Familie ein und gründete später eigene Unternehmen.

«Wir sind Arbeiter. Wir sind Bauern, Mechaniker, Installateure», sagt er. Für Menschen wie ihn werde zu wenig getan. Für ein Studium etwa könne man einen Kredit über 100'000 Dollar aufnehmen. Wer dagegen 20'000 Dollar für ein Schweissgerät brauche, habe schlechte Karten.

Cadenas hofft auf grosse Firmen wie Tesla, die sich im Süden von San Antonio ansiedeln und Jobs für Menschen ohne Uni-Abschluss schaffen.

Kritik an Trumps Politik

Trumps Krieg gegen den Iran sieht er dagegen kritisch. «Wir müssen das Geld hier investieren – nicht dort.» Steigende Preise könnten die Wähler wieder zu den Demokraten treiben, fürchtet er.

Auch die republikanische Latino-Aktivistin Katherine Herrera (39) ist längst nicht mit allem einverstanden, was Trump tut. «Doch er ist unser Kapitän, er fliegt unser Flugzeug. Und ich will nicht, dass er es zum Absturz bringt», sagt sie.

Auch Katherine Herrera (39) wählt inzwischen republikanisch.
Foto: Helena Graf

Früher war auch Herrera Demokratin. Doch irgendwann hatte sie genug davon, dass ihre Partei sie als Opfer darstellte. Weil sie eine Frau ist. Weil sie Latina ist. «Wir wollen keine Almosen», sagt sie. «Wir wollen, dass man uns den Weg ebnet. Den Rest schaffen wir selbst.»

Das Amerika, das Trump versprach – und was daraus geworden ist

Vor zwei Jahren versprach Donald Trump den Amerikanern mehr Wohlstand, sichere Grenzen, neue Jobs und ein Ende der Kriege. Was ist daraus geworden?

Kurz vor den Midterms am 3. November reist Blick durch die USA. Neben dem Repräsentantenhaus werden in einigen Staaten auch Senatoren neu gewählt. Die Republikaner haben derzeit die Mehrheit in beiden Kammern. Das dürfte sich ändern.

Wir besuchen Bundesstaaten und Wähler, die besonders umkämpft sind – und wollen wissen: Wie zufrieden sind die Amerikaner mit ihrem Präsidenten – und was ist von seinen Versprechen geblieben?

Vor zwei Jahren versprach Donald Trump den Amerikanern mehr Wohlstand, sichere Grenzen, neue Jobs und ein Ende der Kriege. Was ist daraus geworden?

Kurz vor den Midterms am 3. November reist Blick durch die USA. Neben dem Repräsentantenhaus werden in einigen Staaten auch Senatoren neu gewählt. Die Republikaner haben derzeit die Mehrheit in beiden Kammern. Das dürfte sich ändern.

Wir besuchen Bundesstaaten und Wähler, die besonders umkämpft sind – und wollen wissen: Wie zufrieden sind die Amerikaner mit ihrem Präsidenten – und was ist von seinen Versprechen geblieben?

Bei den Republikanern fühlt sie sich besser aufgehoben. Sie wolle nicht über ihre Hautfarbe definiert werden, sondern über ihre Leistungen.

«Latinos wollen Recht und Ordnung»

Wie weit sich die politischen Verhältnisse im Süden von San Antonio verschoben haben, zeigt John Lujan (64). Der Republikaner gewann einen Wahlkreis, der jahrzehntelang fest in demokratischer Hand war.

Der republikanische Abgeordnete John Lujan (64) eroberte in San Antonio einen einst demokratischen Wahlkreis.
Foto: Helena Graf

Lujan sitzt im Repräsentantenhaus von Texas. Der frühere Polizist und Feuerwehrmann wuchs im Süden von San Antonio auf, engagierte sich in der Kirche und trainierte Kinder beim Sport. Viele kennen ihn persönlich.

Latinos wollten sichere Strassen, kontrollierte Grenzen und Politiker, die sich um ihre Nachbarschaft kümmern, sagt Lujan. 2024 gewann auch Trump seinen Wahlkreis. «Latinos wollen Recht und Ordnung», sagt er.

Landesweit stimmten laut Pew Research Center 48 Prozent der Latino-Wähler für Trump, nach 36 Prozent im Jahr 2020. Viele hofften auf eine bessere Wirtschaft, tiefere Preise und mehr Sicherheit.

«Das ist nicht richtig»

Inzwischen ist die Zustimmung gesunken. Nur noch 24 Prozent der registrierten Latino-Wähler sind mit Trumps Arbeit zufrieden. Selbst unter seinen Wählern von 2024 sank die Zustimmung von 93 auf 57 Prozent.

Ein Grund ist die Abschiebepolitik. Die Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE treffen nicht nur Kriminelle, sondern auch Menschen, die seit Jahren in den USA leben.

Lujan erzählt von einem Freund ohne gültige Papiere. Der Mann führt ein eigenes Geschäft. Seine Tochter arbeitet bei der Polizei von San Antonio, sein Sohn dient bei den Marines. Trotzdem fürchtet er, abgeschoben zu werden.

«Das ist nicht richtig», sagt Lujan. «Das müssen wir ändern.»

51 Prozent für Demokraten

An Trump hält er dennoch fest. Für die Probleme an der Grenze macht er dessen Vorgänger Joe Biden verantwortlich.

Laut neusten Umfragen müssen die Republikaner bei den Latinos hohe Verluste einstecken. Landesweit wollen nur noch 24 Prozent republikanische Kandidaten fürs US-Repräsentantenhaus unterstützen. 51 Prozent bevorzugen die Demokraten.

Trump versprach, die Grenze dichtzumachen. Viele Latinos fanden das gut. Nun merken manche, dass seine Politik nicht an der Grenze haltmacht. Sondern bis in ihre eigene Nachbarschaft reicht.

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