Das Ziel der Ceuta-Migranten
«Meine Zeit in der Schweiz war wie Sommerferien»

Immer noch harren Tausende Migranten in Ceuta aus. Blick konnte mit einigen von ihnen sprechen. Darunter auch mit dem 19-jährigen Adam aus Marokko. Sie erzählen, wo sie jetzt am liebsten hinwollen.
In Ceuta geblieben sind vorwiegend Schwarzafrikaner, die sich vor der Rückkehr nach Marokko fürchten.
Foto: Samuel Schumacher

Darum gehts

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Adam (19) hat genug von Ceuta. Sechs Tage war der junge Marokkaner hier, kam herübergeschwommen mit seinen beiden Schwestern, wie die meisten der über 50'000 Migranten, die die spanische Exklave an Marokkos Nordküste vergangene Woche regelrecht überfielen.

«Statt einer Unterkunft kriegten wir nur Schläge», erzählt er. Ganz anders war es für Migrant Adam damals in der Schweiz. «Wie Sommerferien» sei ihm seine Zeit als Illegaler in Thun, Bern und Basel vorgekommen, sagt der 19-Jährige. Zurück in die Schweiz aber will er nicht – genauso wenig wie alle anderen Migranten, mit denen Blick in Ceuta sprechen konnte. Der Grund dafür ist einfach.

«Es ist verdammt schwierig, bei euch überhaupt reinzukommen», sagt Adam. Einen Monat lang schlug er sich 2021 auf den Schweizer Strassen durch. Danach sass er laut eigenen Angaben acht Monate in Ausschaffungshaft. «Jetzt will ich nach Italien. Da ist das Leben für uns viel entspannter als bei euch.»

«Ich war mit 14 schon in Bern, Thun und Basel»
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Auch Adam (19) kam nach Ceuta:«Ich war mit 14 schon in Bern, Thun und Basel»

Adam ist einer von Hunderten marokkanischen Migranten, die von der spanischen Grenzwache am Wochenende zurück an die Grenze begleitet und nach Hause geschickt wurden. Die Ausfallstrassen raus aus Ceuta sind gesäumt mit Soldaten, die schweigend dem Umzug der Unwillkommenen zuschauen, die sich nach Tagen auf der Strasse zurück Richtung Grenze schleppen.

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Blick-Reporter Samuel Schumacher trifft am Grenzübergang den Marokkaner Adam, der die Schweiz gut kennt.
Foto: Samuel Schumacher

Viele fürchten sich vor der Rückkehr nach Marokko

Viele wirken abgekämpft, ihre Blicke sind leer. Einige aber tragen neue Kleidung und Plastiksäcke voller Ware über die Grenze. Woher sie die Kleider haben? Kein Kommentar.

Im Stadtzentrum von Ceuta ist derweil wieder Ruhe eingekehrt. Auf einer Wiese steht ein Schild, das horrende Bussen für Hundekot-Sünder androht: 750 bis 1500 Euro, je nachdem, wo die Hunde hinkacken. Erste-Welt-Probleme.

Währenddessen sind die Strände und Strassen im Norden der Exklave noch immer voller Migranten, die meisten von ihnen Schwarzafrikaner. «Wir gehen nicht zurück nach Marokko, unter keinen Umständen», erzählt Rahmatallah (23) aus dem Sudan. «Die Marokkaner sind Diebe, auch die Polizisten. Sie nahmen uns alles weg.»

Sein Ziel ist Europa, aber nicht die Schweiz: «Da kommen wir nicht rein, niemals.» Viel lieber gingen er und seine sudanesischen Freunde nach Spanien. «Da können wir leicht Arbeit finden und kriegen schnell Papiere.» Masil (22), der gleich neben Rahmatallah auf dem staubigen Boden sitzt, sagt: «Und wir können in Spanien sogar unsere Familien nachziehen.»

Drei Jahre sind die beiden bereits auf der Flucht. Raus aus dem Sudan, über Ägypten, Libyen, Algerien und Marokko bis nach Ceuta. Zurück können sie nicht. Stattdessen folgen sie weiter falschen Hoffnungen. Vor ihnen liegt die gefährliche Passage über das Mittelmeer, die «harka», wie die Flüchtlinge die oft tödliche Schiffsfahrt nennen.

Doch daran mag Rahmatallah jetzt nicht denken. Erstmal muss er etwas zu essen finden. Zuletzt gegessen hat er, bevor er am Donnerstag in Marokko ins Meer gestiegen war.

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