Darum gehts
- Vier Jugendliche kehren am 14. September ins Mailänder Gymnasium zurück
- Francesca verlor nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana 15 bis 16 Kilo
- Kanton Waadt verweigert Abschlusszeugnisse ohne Prüfungen, bietet Nachhilfe an
Vier Jugendliche, die die Brandkatastrophe von Crans-Montana überlebt haben, kehrten an diesem Montag gemeinsam in ihren Alltag zurück. Sofia, Kean, Leonardo (17) und Francesca betraten das Virgilio-Gymnasium in Mailand durch einen Seiteneingang – fernab vom Trubel am Haupteingang. Nach Monaten im Spital war es ihr erster Schultag zurück im Klassenzimmer, wie es in einem TV-Beitrag von Tg3 heisst.
Für die Jugendlichen ist dieser Moment ein wichtiger Schritt zurück ins normale Leben. Die vier sind sichtlich erleichtert und glücklich, wieder gemeinsam in die Schule gehen zu können: «Es ist sehr schön, dass wir zusammen zurückkehren können.»
Langer Weg zurück
Sie seien von ihren Klassenkameraden, Lehrern und allen Schulangehörigen sehr herzlich begrüsst worden. «Ich bin glücklich und danke allen, aber ich bin jetzt etwas müde», sagte Kean über seinen ersten Schultag. Leonardo fügt hinzu: «Wir sind überglücklich.»
Hinter ihnen liegen Monate voller Angst, Schmerzen und Ungewissheit. Nun versuchen sie, Stück für Stück wieder an ihr früheres Leben anzuknüpfen. Doch die Erinnerungen an die Katastrophe werden bleiben.
Eltern staunen
Dass Francesca bereits zurück in der Schule ist, grenzt für ihre Eltern an ein Wunder. «Als sie das Spital verliess, waren ihr Rücken, ihre Brust und ihr linker Oberschenkel noch stark geöffnet, da ihr Blut abgenommen worden war. Ausserdem war sie sehr abgemagert, sie hatte 15 bis 16 Kilo abgenommen», berichten ihre Eltern dem «Corriere della Sera».
Da sie immer noch unter ihren Verbrennungen leiden, sitzen sie auf speziellen, bequemen Bürostühlen. Weiter stellt die Schule Ventilatoren bereit, denn die Hitze macht den Jugendlichen noch zu schaffen. Sie müssen nach wie vor Stützgürtel und Verbände tragen.
Schweizer müssen Schuljahr wiederholen
Leonardo verfolgt die Untersuchungen im Fall Crans-Montana besonders intensiv. Im August wurde Jacques Moretti (50) wegen häuslicher Gewalt festgenommen. Nicht die Festnahme an sich beschäftigt den Jugendlichen, sondern die unterschiedliche Behandlung der beiden Fälle: Wegen der mutmasslichen Taten gegen seine Frau sitzt Moretti in Untersuchungshaft, im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe wurde er hingegen wieder freigelassen.
Auch Schweizer Schüler kämpfen sich nach dem Brand wieder zurück in ihren Alltag. Viele Betroffene mussten das Schuljahr wiederholen. Die schulische Zukunft der verletzten Crans-Montana-Opfer ist umstritten. Der Kanton Waadt stellte Ende April klar, dass betroffene Schüler ihr Abschlusszeugnis ohne absolvierte Prüfungen nicht erhalten können. Trotz Gesprächen mit zuständigen Stellen lasse der gesetzliche Rahmen keine Ausnahmen zu. Gleichzeitig versprach der Kanton Unterstützung, etwa durch individuelle Nachhilfe oder verschobene Semester.