Darum gehts
- Offene Drogenszene am Zürcher HB sorgt für Ärger bei Anwohnern
- Amsterdam, Lissabon und Wien zeigten in der Vergangenheit kombinierte Massnahmen wirken gegen Drogenkrise
- 2014-Studie: Kombination aus Gesundheits- und Sicherheitsmassnahmen brachte Erfolg
Crack-Konsum auf offener Strasse, Spritzen werden achtlos in die Gegend geworfen und Drögeler hängen von morgens bis abends vor Geschäften herum: Die Gessnerallee in Zürich hat ein massives Problem, wie TeleZüri in dieser Woche berichtete. Eine offene Drogenszene direkt am Hauptbahnhof.
Die Stadt betont, sie verfolge eine Nulltoleranzpolitik bei Drogenkonsum und -handel im öffentlichen Raum. Glaubt man den Erzählungen von Anwohnern, ist das Problem aber alles andere als gelöst.
Wie könnte die Stadt wieder Herr der Lage werden? Dafür lohnt ein Blick in andere europäische Städte, die das Problem mit gezielten Massnahmen in den Griff bekommen haben.
Amsterdam
Heroin-Junkies belagerten in den 1970er- und 1980er-Jahren das Quartier Zeedijk nahe dem Hauptbahnhof der niederländischen Hauptstadt. Die Stadt reagierte zunächst mit Repression. Als das nichts brachte, wechselte man zu einer Kombination verschiedenster Massnahmen. Es gab mehr Methadonprogramme und Streetworker, Konsumräume wurden geschaffen. Gleichzeitig ging die Polizei konsequenter gegen den offenen Drogenhandel vor.
Laut einer europäischen Vergleichsstudie aus dem Jahr 2014 verschwanden die grossen offenen Drogenszenen weitestgehend. Der Erfolg beruhte laut den Studienmachern ausdrücklich nicht auf einer einzelnen Massnahme, sondern auf der Kombination von Gesundheits- und Sicherheitsmassnahmen.
Lissabon
Portugal befand sich in den 1990er-Jahren in einer schweren Drogenkrise. Offene Drogenszenen gehörten in Lissabon und Porto zum Stadtbild. Um den Kampf gegen die Drogen nicht endgültig zu verlieren, wurde 1999 eine nationale Drogenstrategie entwickelt.
Ab 2001 wurde diese Strategie mit erheblichen Investitionen in Prävention, Behandlung und Schadensminderung umgesetzt. Die Zugänge zu Entzug und Therapie wurden verbessert, Methadon- und andere Substitutionsprogramme ausgebaut und mobile Streetwork-Teams zu den Brennpunkten geschickt. Polizei und Justiz konzentrierten ihre Ressourcen zeitgleich stärker auf Dealer und organisierte Kriminalität. Konsumräume gibt es in dem südeuropäischen Land erst seit 2019.
Wien
Der Schlüssel, um das Drogenproblem zu lösen, scheint immer ähnlich zu sein. Denn auch Wien wird in der Studie, die im Fachblatt «BMC Public Health» veröffentlicht wurde, lobend erwähnt. In den 1980er- und frühen 1990er-Jahren hatten sich in der österreichischen Hauptstadt offene Szenen rund um den Karlsplatz und den Westbahnhof gebildet. Die Stadt reagierte mit niederschwelliger Suchthilfe, Methadonprogrammen und gleichzeitig härterem Vorgehen gegen offenen Drogenhandel und Szenebildung.