Darum gehts
- Christine B. erkrankte 2007 an Mundkrebs nach jahrzehntelangem Rauchen
- Ärzte entfernten 2009 die Hälfte ihres Kiefers wegen erneutem Krebs
- In der Schweiz sterben jährlich 9500 bis 10'600 Menschen an Rauchen
Christine B. wollte als Teenager einfach dazugehören. Mit 16 griff sie zur ersten Zigarette, vor der Schule, zusammen mit ihren Mitschülern. Was harmlos begann, wurde zur Gewohnheit – und später zur Sucht. Fast drei Jahrzehnte lang rauchte die US-Amerikanerin Menthol-Zigaretten. Die Rechnung kam brutal.
Im Jahr 2007, Christine war 44 Jahre alt, entdeckte sie eine wunde Stelle an der Innenseite ihrer Wange. Die Diagnose nach der Biopsie: Mundkrebs. Es folgten 35 Bestrahlungen und eine Chemotherapie, wie sie auf der Webseite des U.S. Centers for Disease Control and Prevention (CDC) schilderte. Der Tumor verschwand – vorerst. Doch der Krebs kam zurück. Ein Jahr später musste sich Christine erneut einer schweren Operation unterziehen.
Abschiedsbriefe blieben ungeöffnet
2009 folgte der dritte Rückschlag. Der Krebs hatte sich bis in den Kieferknochen ausgebreitet. Die Ärzte entfernten schliesslich die Hälfte ihres Kiefers. Den OP-Termin legte Christine selbst fest – zwei Tage nach dem Geburtstag ihres Sohnes. Zuvor organisierte sie ein grosses Familienfest. «Ich wollte, dass meine Kinder von Liebe umgeben sind, falls ich es nicht schaffe», sagte sie. Für diesen Fall schrieb sie Abschiedsbriefe. Sie blieben ungeöffnet – Christine überlebte damals.
Nach mehreren Rekonstruktionen ihres Kiefers engagierte sie sich jahrelang in der Präventionsarbeit und warnte eindringlich vor den Folgen des Rauchens. Ihre Botschaft war klar: «Rauchen schadet nicht nur dir – es trifft alle, die dich lieben.»
Christine B. ist am 8. Juli 2025 im Alter von 62 Jahren gestorben.
Rauchen: Eines der grössten Krebsrisiken überhaupt
Tabakkonsum gilt als Hauptursache vieler Krebserkrankungen. Bis zu 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle sind auf das Rauchen zurückzuführen. Raucher haben ein 20- bis 25-fach erhöhtes Risiko gegenüber Nichtrauchern. Auch das Risiko für Tumore im Mund-, Rachen- und Kehlkopfbereich ist deutlich erhöht: Bis zu 90 Prozent der Kehlkopfkrebse bei Frauen und rund 80 Prozent bei Männern entstehen durch Rauchen.
Darüber hinaus fördert Tabak mindestens 16 weitere Krebsarten, darunter Blasen-, Leber-, Bauchspeicheldrüsen-, Nieren-, Magen- und Darmkrebs sowie Brust- und Gebärmutterhalskrebs. In Europa ist rund jede fünfte Krebsdiagnose rauchbedingt, wie der deutsche Krebsinformationsdienst schreibt.
Wie sind die Zahlen in der Schweiz?
Auch hierzulande ist Tabakkonsum eines der wichtigsten vermeidbaren Gesundheitsrisiken. Jährlich sterben laut Bundesamt für Gesundheit rund 9500 bis 10'600 Menschen an tabakbedingten Krankheiten – das sind etwa 14 bis 15 Prozent aller Todesfälle. Besonders häufig sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrebs, andere Krebsarten sowie chronische Atemwegserkrankungen wie COPD.
In der Krankheitslast machen tabakbedingte Erkrankungen rund 12 Prozent der verlorenen gesunden Lebensjahre aus. Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm: Die direkten Gesundheitskosten belaufen sich auf etwa drei Milliarden Franken pro Jahr, die gesamten volkswirtschaftlichen Kosten werden inzwischen auf über sechs Milliarden Franken jährlich geschätzt.