Darum gehts
- Der Markt für Zigarettenalternativen wächst rasant und beschäftigt die Politik
- In Schweden ist der Tabakkonsum seit 2012 um 54 Prozent gesunken
- Ein Zigarettenpäckli könnte durch Steuererhöhungen bis zu 15.30 Franken kosten
Wer sich fürs neue Jahr vornimmt, mit dem Rauchen aufzuhören, greift heute oft nicht mehr zur letzten Zigarette, sondern zu Alternativen wie E-Zigaretten, Snus oder Nikotinbeuteln. Der Markt wächst rasant – und setzt auch die Politik unter Druck.
«Tabakprodukte, bei welchen kein Tabak verbrannt wird, sind für Konsumenten eine bessere Alternative», so Mitte-Nationalrat Christian Lohr (63, TG) in einem Vorstoss. Die Risiken, die durch das Verbrennen von Tabak entstehen, würden erheblich reduziert. Als Beispiel nennt er Schweden. Dort wurden Alternativen zu Zigaretten wie Snus, E-Zigaretten und Nikotinbeutel gefördert. In der Folge ist der Tabakkonsum in den letzten 13 Jahren um 54 Prozent gesunken. Die Todesfälle bei Männern durch Lungenkrebs haben um 61 Prozent abgenommen.
Der Markt für Zigarettenalternativen boomt
Auch der Bundesrat beschäftigt sich zunehmend mit dem boomenden Markt. In seiner Sitzung Mitte Dezember hiess er einen Bericht zur «Gesamtschau des Tabak- und Tabakersatzmarkts» gut. Darin wird unter anderem analysiert, wie sich der Markt für Zigarettenalternativen entwickelt. Doch was beinhaltet dieser Tabakersatzmarkt überhaupt?
«Während der Absatz traditioneller Produkte wie Zigaretten oder Feinschnitt in den letzten zehn Jahren rückläufig war, nehmen die Marktanteile von neuartigen Tabak- und Nikotinprodukten stark zu», erklärt das Eidgenössische Finanzdepartement.
Bei E-Zigaretten wird eine Flüssigkeit erhitzt, der Dampf wird dann inhaliert. Ein landesweites Verbot von elektronischen Einwegzigaretten, auch Vapes genannt, hat das Parlament im Sommer angenommen. Der Bundesrat muss nun das Tabakprodukt-Gesetz entsprechend anpassen.
Profisportler greifen zu Snus
Snus und Nikotinbeutel werden hingegen nicht geraucht. Bei Snus handelt es sich um eine Form von Oraltabak: Die Beutel werden zwischen Zahnfleisch und Oberlippe platziert, das Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen. Nikotinbeutel funktionieren nach demselben Prinzip, enthalten aber keinen Tabak. In der Schweiz ist Snus legal. In den meisten EU-Ländern herrscht hingegen ein Verkaufsverbot.
Besonders unter Profisportlern ist Snus beliebt. Im Video erklärt Zahnärztin Sabrina Bensland gegenüber Blick, dass Snus die Zähne verfärben kann. Sie warnt zudem vor Zahnfleischerkrankungen. Das Zahnfleisch ziehe sich durch den Konsum zurück, was beispielsweise eine Sensibilität gegenüber Kälte verursacht. Ausserdem erhöhe Snus das Risiko von Krebs.
Die Folgen höherer Tabakpreise
Der Bericht des Finanzdepartements analysiert diese Produktlandschaft ebenso wie deren Besteuerung sowie die wirtschaftlichen und gesundheitspolitischen Auswirkungen. Dabei stellt sich auch die Frage, ob Tabakprodukte stärker besteuert werden sollen. Die WHO hält fest, dass hohe Tabakpreise vor allem Jugendliche vom Rauchen abhalten. Zudem fliessen die Einnahmen aus der Tabaksteuer in die Finanzierung von AHV und IV.
Der Bundesrat warnt jedoch vor den Nebenwirkungen höherer Steuern. Er befürchtet, dass dann der Einkaufstourismus und der Schwarzmarkt wachsen könnten. Mit der in einem Vorstoss geforderten Erhöhung würde ein Zigarettenpäckli bis zu 15.30 Franken kosten. Internationale Vergleiche zeigen laut Regierung, dass in solchen Fällen nicht zwingend weniger geraucht, sondern vermehrt auf geschmuggelte Ware ausgewichen wird.
Vorerst keine grossen Einschränkungen
Gleichzeitig stösst die Regierung mit den heutigen Tabaksteuern an Grenzen. Für viele neue Nikotinprodukte wie E-Zigaretten fehlen dem Bund bislang die nötigen Befugnisse, um die Abgaben zu erhöhen. Deshalb möchte er dem Bundesrat mehr Spielraum geben, um schneller auf neue Entwicklungen im Markt reagieren zu können. Vorerst bedeutet das: Die Preise für Tabak- und Nikotinprodukte steigen nicht – zumindest nicht aus politischen Gründen.
Auch der Tabakpräventionsfonds steht auf dem Prüfstand. Heute wird er ausschliesslich über Abgaben auf Zigaretten und Feinschnitt finanziert. Künftig könnten auch andere Produkte, etwa E-Zigaretten, in den Fonds einzahlen. Dafür wären jedoch Gesetzesänderungen und möglicherweise sogar eine Anpassung der Verfassung nötig.
Dem Griff zur Alternative steht die Politik damit grundsätzlich nicht im Weg. Snus, Nikotinbeutel, E-Zigaretten und Co. werden vorerst weder verboten noch eingeschränkt. Auch die Tabaksteuer steigt erst mal nicht an. Einzig elektronische Einwegzigaretten werden vom Bundesrat künftig verboten.