Darum gehts
- Schweizer Auswanderer in Kolumbien von Anwalt betrogen und in Liebe enttäuscht
- Eric Alain B. zog mit 65 der Liebe wegen nach Kolumbien, wurde jedoch um sein Vermögen gebracht
- Anwalt ergaunerte sich fast 15'000 Franken und erhielt 72 Monate Haftstrafe
Mit 65 Jahren zog es den Genfer Eric Alain B.* (†73) der Liebe wegen nach Kolumbien. Sein Sohn hatte eine Frau aus der kolumbianischen Region Antioquia geheiratet. Der verwitwete B. lernte die Cousine seiner Schwiegertochter kennen und begann eine Beziehung mit der 30 Jahre jüngeren Frau, wie die kolumbianische Regionalzeitung «Vanguardia Liberal» berichtet.
2015 kam der Schweizer daher in die kolumbianische Gemeinde Bucaramanga und wollte dort zwei Wohnungen mieten – eine für sich und seine Freundin und eine für deren Eltern. Doch die Immobilienagentur vermietete keine Wohnungen an ausländische Staatsbürger.
Anwalt sah im Auswanderer ein leichtes Opfer
B. beauftragte daher den Anwalt Leonardo Herrera A.* als Mieter aufzutreten. Als Mietkaution liess der Schweizer 17 Millionen kolumbianische Pesos auf zwei Konten hinterlegen, umgerechnet rund 3412 Franken. Der windige Anwalt witterte beim Schweizer Auswanderer ein leichtes Spiel, denn dieser kannte sich mit den Vorschriften in Kolumbien nicht aus.
Für die zwei Wohnungen sowie für den Aufwand verlangte der Anwalt 10 Millionen Pesos (rund 2007 Franken). Zudem bereicherte er sich, als er vorgab, B. einen Ausländerausweis besorgen zu wollen. Er behauptete, dass dafür 25 Millionen Pesos (rund 5017 Franken) nötig seien. 8 Millionen Pesos (rund 1605 Franken) gab ihm der vertrauensvolle Schweizer auch direkt. Tatsächlich kostet der Antrag 280'000 Pesos (rund 56 Franken), gibt die kolumbianische Zeitung an. Um den Antrag kümmerte sich der Anwalt tatsächlich nie.
Auch in der Liebe enttäuscht worden
Weiter verlangte der Advokat insgesamt 36 Millionen Pesos (rund 7225 Franken) für verschiedene vorgebliche Aufträge. Der Schwindel flog erst auf, als die Mietverträge für die Wohnungen ausliefen, und auffiel, dass der Anwalt die Kautionskosten veruntreut hatte. Tragisch: B. hatte keine Belege für die Summen, die er dem Anwalt bereits gezahlt hatte, da ihm dieser nie eine Quittung ausgestellt hatte.
2023 verstarb Eric Alain B. Auch in der Liebe war er enttäuscht worden. Seine Ehe mit der Kolumbianerin endete nach wenigen Monaten. Nach seiner Scheidung umgarnte ihn seine Haushälterin, um sich ebenfalls finanziell zu bereichern.
Erst 2021 folgte die Suspension des Anwalts für ein Jahr, 2022 verkündete der oberste Gerichtshof sein Urteil: 72 Monate Haft wegen Verfahrensbetrugs. Nun ist der Fall nach dem Tod des Schweizers juristisch definitiv durch. An B.s tragischem Schicksal ändert dies jedoch nichts mehr.
Wenn der Traum vom Auswandern scheitert
Der Traum vom Auswandern verspricht vieles, doch immer wieder endet er auch im Alptraum. So auch für Ralph Kocan (73), der sich Ende Juli mit seinem Schicksal an Blick wandte. Vor rund 28 Jahren zog es ihn auf die Philippinen. Doch statt den Ruhestand im erhofften Paradies zu geniessen, sieht sich der Auslandschweizer jetzt mit einem Schuldenberg konfrontiert.
Er hat gesundheitliche Probleme und fast kein Geld. Letzteres habe er selbst verschuldet, sagt er. Denn er verpasste den Zeitraum, um im Nachhinein fehlende AHV-Beiträge zu begleichen. In die Schweiz will er jedoch nicht mehr zurück, denn dort habe er niemanden mehr. Zudem könne er seine vier alten Büsis nicht zurücklassen.
Plötzlich pleite im Ausland
Ein tragisches Schicksal erlebte auch Rita S.*, als sie 2023 auf die Philippinen auswanderte. Wenige Monate nach ihrer Ankunft folgte der Schock: Ihr Konto war plötzlich gesperrt. Fast ein halbes Jahr lang musste die Rentnerin um ihr Erspartes und ihre AHV-Rente kämpfen.
Weder die Bank, die Schweizer Botschaft noch das EDA konnten ihr helfen. Ihr Konto blieb gesperrt und Rita S. weiterhin bitter enttäuscht. Obwohl die Rentnerin extra die Adresse ihres Sohnes in der Schweiz angegeben hatte, waren die Bankbriefe auf die Philippinen geschickt worden. Irgendwo zwischen Langenthal BE und dem Briefkasten von Rita S. in Südostasien waren die Schreiben allesamt verloren gegangen.
Erst als sich die Rentnerin an Blick wandte, ging es mit der Lösung plötzlich schnell. Auf Blick-Anfrage an die Bank konnten die fehlenden Dokumente endlich benannt werden und Rita S. gelangte wieder an ihr Konto und damit zu ihrem wohlverdienten Auswanderertraum.
*Name bekannt