Darum gehts
- Jacques Leveugle missbrauchte zwischen 1967 und 2022 89 Jugendliche weltweit
- Seine «Memoiren» deckten 2023 die mutmasslichen Missbrauchsfälle und Morde an Angehörigen auf
- Seit April 2025 in Haft, 40 Opfer bereits durch Ermittler identifiziert
Über Jahrzehnte soll er Dutzende Jugendliche missbraucht haben und blieb dennoch fast 60 Jahre unbemerkt. Die Staatsanwaltschaft im französischen Grenoble wirft Jacques Leveugle (79) vor, zwischen 1967 und 2022 89 Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren sexuell missbraucht zu haben. Leveugle hat bereits ein Geständnis abgelegt.
Die mutmasslichen Taten erstrecken sich dabei über mehrere Länder und Kontinente. Der Staatsanwalt von Grenoble, Étienne Manteaux, gab am Dienstag auf einer Pressekonferenz bekannt, dass Leveugle ohne offizielle Lehrbefugnis in verschiedenen Ländern etwa als Lehrer, Privatlehrer, Erzieher, Sportlehrer für Canyoning und Höhlenforschung sowie in Jugendcamps gearbeitet hatte.
Auch Kontakt mit Kindern in der Schweiz
Über seine Arbeit sei der Franzose aus Annecy in Kontakt mit Kindern in Frankreich, Deutschland, Marokko, Niger, Algerien, den Philippinen, Indien, Kolumbien und dem französischen Überseegebiet Neukaledonien gekommen.
Auch in der Schweiz habe Leveugle mit Kindern zusammengearbeitet, unter denen es mutmassliche Missbrauchsopfer gebe. Nach Polizeiermittlungen hielt sich der Franzose zwischen 1965 und 1980 und im Zeitraum von 1985 bis 1996 in der Schweiz auf. Da sein Tun jahrzehntelang unbemerkt blieb und aus Datenschutzgründen keine Informationen zu bereits identifizierten Opfern gegeben werden, ist über mutmassliche Einzelfälle noch nichts bekannt.
In «Memoiren» hielt er den Missbrauch fest
Erst 2023 brachten seine «Memoiren» Licht in seine Machenschaften. Hier dokumentierte er akribisch die mutmasslichen Missbrauchsfälle.
Im Oktober 2023 soll ein Neffe Leveugles in dessen Habseligkeiten auf einen USB-Stick mit zahlreichen Dateien und Fotos von Teenagern sowie 15-bändigen «Memoiren» gestossen sein, in denen sein Onkel unter anderem sexuelle Beziehungen zu Buben im Alter von 13 bis 17 Jahren beschrieb, berichtet der Sender BFMTV. Er übergab die gefundenen Gegenstände der Polizei.
Mutter und Tante mit Kissen erstickt
Auf Grundlage dieser «Memoiren» dokumentierten die Ermittler sexuelle Beziehungen des 79-Jährigen zu 89 Minderjährigen. Rund 40 der Betroffenen seien bereits identifiziert worden, so die Staatsanwaltschaft. Zwei Drittel der Opfer leben in Frankreich.
Doch die Ermittler konnten noch nicht alle Betroffenen finden. Die Staatsanwaltschaft Grenoble und die französische Polizei haben daher am Dienstag einen internationalen Zeugenaufruf gestartet. Seit April 2025 sitzt Jacques Leveugle in Frankreich in Untersuchungshaft. Er wird wegen «Vergewaltigung und sexueller Nötigung» von Minderjährigen angeklagt.
Zudem laufen weitere Ermittlungen gegen den 79-Jährigen. In seinen «Memoiren» erklärte Leveugle, seine todkranke Mutter und später seine ältere Tante jeweils mit einem Kissen erstickt zu haben, so die Staatsanwaltschaft.