Darum gehts
- Indien plant Bergung von «Green Boots» am Mount Everest im Sommer
- Todeszone über 8000 Meter erfordert erfahrene Sherpas für riskante Mission
- ITBP sucht spezialisiertes Unternehmen für Bergung zwischen Juni und September
Er ist das wohl bekannteste und bedrückendste Mahnmal am höchsten Berg der Erde: Seit fast drei Jahrzehnten liegt der Leichnam des Bergsteigers «Green Boots» in der Todeszone des Mount Everest. Für unzählige Alpinisten galt die Stelle auf der Nordroute als markante Orientierungsmarke. Nun, im Sommer 2026, planen indische Behörden die Bergung der sterblichen Überreste. Die Aktion gilt als sehr riskant. Blick beantwortet die wichtigsten Fragen.
Welche Bedingungen herrschen in der Todeszone?
Das gefährliche Gebiet befindet sich auf über 8000 Metern über Meer. Der Sauerstoffmangel ist extrem. Deshalb muss die Bergung von Spezialisten durchgeführt werden. Die Indo-Tibetan Border Police (ITBP) – eine paramilitärische Einheit – sucht nun ein auf Höhenbergungen spezialisiertes Unternehmen. Erfahrene Sherpas sollen die Leiche anschliessend auf tibetischer Seite ins Tal bringen, wie «The Tribune» berichtet. Die Aktion soll zwischen Juni und September durchgeführt werden.
In welchem Zustand befindet sich die Leiche?
Aufgrund der Witterungsbedingungen in solchen Höhen blieb der Körper von «Green Boots» jahrzehntelang durch Schnee und Eis erhalten. Die Bekanntheit des Bergsteigers geht auf ein Unglück im Jahr 1996 zurück. Da Bergungen in Höhen von über 8000 Metern als äusserst gefährlich gelten, verblieb sein Leichnam bis heute am Berg.
Wer war «Green Boots»?
Das ist bis heute nicht abschliessend geklärt. Es gibt zwei Theorien. Nach Einschätzung der ITBP stammen die sterblichen Überreste von Dorje Morup (†47). Andere Bergsteiger vertreten hingegen die Ansicht, dass es sich um den Inder Tsewang Paljor (†28) handelt. Beide Männer waren bei der Indo-Tibetischen Grenzpolizei tätig.
Was passierte beim Unglück 1996?
Morup, Paljor und ein dritter Mann, Tsewang Samanla, setzten am 10. Mai 1996 trotz sich verschlechternder Wetterbedingungen ihren Gipfelversuch fort. Drei weitere Mitglieder ihrer sechsköpfigen Gruppe kehrten um. Nachdem die Expedition in Gipfelnähe von einem schweren Sturm erfasst worden war, verloren die Männer ihr Leben am Berg.
Welche bürokratischen Hürden müssen überwunden werden?
Die Bergung ist ein internationales Grossprojekt. Bevor der Tote überhaupt bewegt werden darf, sind umfangreiche Genehmigungen der chinesischen Behörden in Tibet nötig, schreibt «The Tribune». Anschliessend müssen die sterblichen Überreste über die Grenze nach Nepal transportiert werden, von wo aus die finale Rückführung zu den Angehörigen nach Indien organisiert wird.