Mit dem Schlitten durch Schwedisch Lappland So weit die Pfoten tragen

Klirrende Kälte und herzige Augen: eine Hundeschlitten-Tour durch das Schwedische Lappland ist ein Abenteuer der besonderen Art. Fünf Tage im Nirgendwo am Polarkreis.

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Am Morgen ist «Che» ein Eiskringel. Eingerollt im Schnee, die Schnauze zwischen die Pfoten gesteckt. Eiskristalle kleben an seinen Wimpern und seinen Barthaaren. «Che» hat die Nacht bei minus 30 Grad im Freien verbracht.

Keine Sorge: Das Raubein liebt die Hundskälte, den Geschmack des Schnees und die harte Arbeit: «Che» ist einer von fünf Huskys, die mich fünf Tage lang mit einem Schlitten durch Schwedisch Lappland ziehen. Jener Region, die einst das angestammte Land des indigenen Volkes der Samen war, in den drei skandinavischen Ländern Norwegen, Schweden und Finnland nördlich des Polarkreises.

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Brrrr, ist das kalt....

Christian Bauer

 

Schwedisch Lappland ist noch ein Geheimtipp

Ferien im hohen Norden sind in – auch als Reaktion auf die unsichere politische Lage in vielen anderen Teilen der Welt. Durch geschicktes Marketing strömen die Touristen vor allem in den finnischen Teil Lapplands, das sich perfekt auf grosse Besucherströme eingestellt hat. Der Norden Schwedens ist dagegen bis jetzt ein Geheimtipp.

Organisiert wird das Schlittenhunde-Erlebnis durch die beiden Exil-Schweizer Jürg Eugster und Simone Mendelin, die vor 10 Jahren zum Polarkreis zogen, um ihren Traum zu verwirklichen: Ein Leben mit Huskys. Mittlerweile gehören nicht nur 2 Kinder zur Familie, sondern auch 60 Schlittenhunde, die in einer grossen Zwingeranlage direkt neben dem Wohnhaus leben – ohrenbetäubender Radau in der Nacht, wenn ein Elch über das Grundstück trottet, inklusive.

Zudem hat Jürg Eugster das ehemalige Bauernhaus in der Nähe des Ortes Arvidsjaur kurz unterhalb des Polarkreises um vier Hütten für Gäste erweitert. Das Wochenprogramm für Besucher sieht zwei Einführungstage mit kleineren Touren vor, an denen man das Musher (Hundeführer)-Handwerk lernt, gefolgt von drei Tagen abseits jeglicher Zivilisation mit Übernachtung in einfachen Hütten.

Schlittenhunde-Ferien sind Knochenjob mit Glücksgarantie

Was in der Beschreibung klingt wie ein paar Relaxtage mit herzigen Hunden vor romantischem Lagerfeuer, entpuppt sich bald als Knochenjob, jedoch mit Glücksgarantie. Denn Hundeliebhaber sind hier im Paradies: Streicheleinheiten, ein Schmatz mit der Zunge und treuherzige Blicke aus stahlblauen Augen gibt es im Überfluss. Wer keinen engen Kontakt zu Hunden mag, ist hier allerdings fehl am Platz.

Jeder von uns sechs (wir sind drei Schweizer Pärchen) ist für die Woche für seine fünf Hunde verantwortlich. Das heisst mitanpacken: Füttern, die Schlitten versorgen und den Hunden das «Gstältli» anlegen. Tägliches Highlight für die Hunde ist das Anziehen der kleinen Plastikschuhe, die die Pfoten vor scharfen Eiskristallen schützen: Da gibt es genügend Gelegenheit zum Kuscheln, um auf dem Menschen herumzuklettern und dem Fremdling die kalte Nase ins Gesicht zu drücken.

Doch die Huskys sind nicht nur Kuscheltiere, sie sind auch Bulldozer, die stundenlang durch den Schnee pflügen können, ohne sich zu beschweren. Für die Schlittenhunde gibt es kein grösseres Glück als einen Schlitten bei Eiseskälte durch die weite Landschaft zu ziehen.

Der Musher-Tag beginnt vor Sonnenaufgang

Dennoch sind die Tage für alle anstrengend. Der Musher-Tag beginnt mit dem Sonnenaufgang. Dann heisst es, zuerst die Huskys versorgen, dann uns. Die eingerollten Fellknäuel bekommen Suppen aus aufgeweichtem Trockenfutter – so ist gleichzeitig für ausreichende Flüssigkeit gesorgt. Doch auch für Huskys ist das Aufstehen bei Temperaturen, kälter als die heimische Gefriertruhe, eine Überwindung. Ausser dem Schlabbern der Morgensuppe ist nichts zu hören.

Doch spätestens, wenn die Hunde an die Führungsleine angeschirrt sind, kommt bei den Rennmaschinen Begeisterung auf: Endlich können sie wieder durch den Schnee pflügen. Sie lieben das Rennen so sehr, dass wir Hobby-Musher vornehmlich mit Bremsen beschäftigt sind. Dafür gibt es zwei Vorrichtungen, die mit den Füssen bedient werden. Lenken müssen wir nicht. Jürg Eugster spurt mit seinem Gespann, das aus acht Hunden besteht, den Weg im frischen Schnee, alle anderen Schlitten folgen der Duftspur.

Die Landschaft um Arvidsjaur ist ein Winter-Wonderland

Endlose Weite: Mit dem Hundeschlitten durch Schwedisch Lappland ist ein Chill-out auf Kufen. play

Endlose Weite: Mit dem Hundeschlitten durch Schwedisch Lappland ist ein Chill-out auf Kufen.

Christian Bauer

Etwa sechs Stunden sind wir pro Tag unterwegs – stehend. Das fordert Reserven. Zur Belohnung gibt es eine Landschaft, die im Winter nur aus zwei Farben besteht. Aus einem Eisbonbon-blauen Himmel und einer Polarbär-weissen Unendlichkeit: ein «Winter Wonderland», wie für einen romantischen Weihnachtsfilm erschaffen. Grösste Herausforderung ist die Kälte, die am Körper zehrt und dem Autor die Nasenspitze einfrieren lässt. Alles ist tiefgefroren: Kleider, Essen und die Hütten, in denen wir die Nacht verbringen. Nach der Ankunft werden deshalb die Arbeiten aufgeteilt. Jeder muss seinen Teil beitragen: Holz hacken, einfeuern, die Sauna von minus 25 Grad auf etwa 60 Grad aufheizen, im See ein Loch für das Wasser bohren, das Essen für die Hunde vorbereiten, einen heissen Tee kochen.

Während wir warten, bis das Hundefutter auftaut und der Schwedenofen gegen die Kälte ankämpft, kuscheln wir uns in unsere dicken Schlafsäcke. Nach einer gefühlten Ewigkeit, nachdem die Hunde versorgt sind, gibt es auch für uns Znacht, romantisch bei Kerzenschein und Kopflampengeflimmer. Und schliesslich heizen wir uns für die Nacht noch in der Sauna auf – eine Standardeinrichtung im Hohen Norden.

Tanzende Seelen, wie die nordischen Völker behaupten, oder nur leuchtende Atome? Nordlichter sind ergreifende Naturphänomene. play

Tanzende Seelen, wie die nordischen Völker behaupten, oder nur leuchtende Atome? Nordlichter sind ergreifende Naturphänomene.

Christian Bauer

Draussen ist es mittlerweile stockfinster bis auf ein grünes Flimmern am Horizont: Nordlichter. Über den Himmel zieht sich ein grünes Band, das aussieht wie ein Vorhang im Wind. Gigantisch! «Che» und Co. ist das Naturschauspiel allerdings hundsegal, sie haben sich in den Schnee eingegraben und träumen vom Schlittenziehen. Da sind wir uns sicher!

Gut zu wissen

Hinkommen

Zum Regionalflughafen in Arvidsjaur (Schwedisch Lappland) geht es aus der Schweiz mit einmaligem Umsteigen in Stockholm.

Mitbringen

Huskyabenteuer: Wichtig ist Kleidung, die dreckig werden kann und warm hält. Temperaturen bis 30 Grad minus sind hier keine Seltenheit. Sprich, Skiunterwäsche in mehrfacher Ausführung und Dickegrad ist ein Muss. Zudem mindestens zwei Paar Handschuhe, dicke Mütze und Gesichtsschutz. Robustes Schuhwerk, Taschenlampe und Sonnenschutz nicht vergessen. Vom Veranstalter (Wildact Adventure Tours) werden Thermohose und -jacke, gefütterte Schuhe, Schlafsack und ein Drybag für den Transport gestellt. Bei Buchung gibt es eine ausführliche Packliste.

Buchung

Das beschriebene Schlittenhunde-Erlebnis inklusive Anreise und weitere Angebote in unterschiedlicher Länge nach Schwedisch Lappland können bei Glur Reisen gebucht werden. Mehr Infos auf: www.glur.ch

Philipp Jordi, Geschäftsführer von Glur Reisen. ZVG

Experten-Tipp

Seit 1605 findet in Jokkmokk (Nordschweden) der Wintermarkt der Samen statt. Er gehört damit, zusammen mit der Basler Herbstmesse, zu den ältesten Jahrmärkten der Welt. Hier können Sie tief in die Kultur der Samen eintauchen. Entdecken Sie traditionelles Kunsthandwerk, Modeschauen samischer Designer, Rentierschlittenrennen, und probieren Sie Ren- und Elchfleisch.

Tipp: Besuchen Sie auch das Ájtte Museum, in dem die Geschichte Lapplands dargestellt wird. Zusammen mit der schwedischen Inlandsbahn bieten wir vom 28. Januar bis 4. Februar 2017 eine abwechslungsreiche Fahrt zu diesem wunderschönen Wintermarkt sowie einen Besuch des Icehotels in Jukkasjärvi an. www.glur.ch

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Publiziert am 22.12.2016 | Aktualisiert am 22.12.2016
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