Unterwegs auf der Grand Tour of Switzerland Eine schaurig-schöne Spritztour

Monster in Gruyères, Idylle im Naturpark Gantrisch und die schönste Skifahrt der Schweiz: BLICK Reisen setzt seine Grand Tour of Switzerland fort. Diesmal gehts von Neuenburg über Murten, Freiburg und Thun nach Bern.

Die Grand Tour of Switzerland führt durch viele unbekannte Regionen: hier im schönen Naturpark Gantrisch. play

Die Grand Tour of Switzerland führt durch viele unbekannte Regionen: hier im schönen Naturpark Gantrisch.

Christian Bauer

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Frühling: Zeit für Glückshormone, Grillabende und Fernweh. Zeit, für eine weitere Runde auf der Grand Tour of Switzerland – der 1600 Kilometer langen Sightseeing-Strasse zu den schönsten Flecken der Eidgenossenschaft: durch 51 Städte, über fünf Alpenpässe, vorbei an den 11 Schweizer Unesco-Welterbestätten und zahllosen Naturschönheiten zwischen Lago Maggiore und Matterhorn (siehe Karte).

250 Kilometer Schweiz de luxe

Dieses Mal machen wir uns auf von Neuenburg, über Murten, Freiburg, das Saanenland, hinüber zum Thunersee bis nach Bern: 250 Kilometer Schweiz de luxe. Oder heisst es Neuchâtel, Morat und Fribourg? Die Route führt teilweise am Röstigraben entlang – Sprachverwirrung inklusive. Wir, das sind ein knallroter Audi TT und ich. Audi ist neben Harley-Davidson der Hauptsponsor der Grand Tour und stellt Journalisten ihre Autos zur Verfügung. Auf der Motorhaube prangt das Logo der Grand Tour: Wir fallen auf wie ein bunter Hund. In Spiez BE posiert gar eine indische Familie für ein Selfie vor dem Flitzer. «Grand Tour, we know, we know.»

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Die Grand Tour führt zu den schönsten Ecken der Schweiz. Dieses Mal von Neuenburg bis Bern.

Die Grand Tour kennt  man also auch in Indien. Die Grand Tour ist allerdings keine historisch gewachsene Wegstrecke wie die Route 66 oder der Highway Number One in den USA. Sie ist ein Kunstprodukt, die Schweizer Highlights verbindet. Damit geht Schweiz Tourismus auf ein weltweites Bedürfnis nach individuellen Roadtrips ein und will mehr ausländische Touristen ins Land locken. Und gleichzeitig Herr und Frau Schweizer einen neuartigen Zugang zur eigenen Heimat bieten. Die Verantwortlichen rechnen in diesem Jahr mit 50'000 Gästen. Ob sich die Erwartungen erfüllen und die Schweiz als grosse Cruisingdestination angenommen wird, muss sich erst weisen.

Tour der Sonderlinge

Die PS-Kutsche mit der markanten Werbung ist nicht zu übersehen, Köpfe drehen sich beim Vorbeifahren. «So ein Freak», werden die Passanten denken, aber damit ist man auf diesem Abschnitt der Grand Tour in bester Gesellschaft: Es scheint, als haben Sonderlinge hier Hochkonjunktur. In der Kantonshauptstadt Freiburg zum Beispiel wurde 1925 der Künstler Jean Tinguely geboren. Im ehemaligen Tramdepot ist mittlerweile das Museum «Espace Jean Tinguely – Niki de Saint Phalle» untergebracht, das seinen beweglichen Kunstwerken gewidmet ist. Verrostete Eisenteile rattern und keuchen, Plüschhasen und Autofelgen drehen sich im Kreis, Kuhschädel grinsen. Tinguelys Welt ist ein abstruser Kosmos quietschender Installationen.

Im Café des HR Giger Museums fühlt man sich wie im Bauch eines Monsters. play
Im Café des HR Giger Museums fühlt man sich wie im Bauch eines Monsters. Christian Bauer

Das ist allerdings kein Vergleich zum Horror, der Besucher in Gruyères FR heimsucht. Das Käse-Städtchen tarnt sich als mittelalterliches Bijou, doch hier hausen Ungetüme galaktischen Ausmasses: Im Schloss St. Germain treibt das Monster aus dem Film «Alien» (1979) sein Unwesen. Erschaffen wurde das wohl berühmteste Untier der Filmgeschichte vom Schweizer Horror-Künstler HR Giger (1940–2014), dessen Museum sich in den Schlossräumen befindet. In seinen Plastiken und grossformatigen Bildern taucht man in eine Mischwelt aus Mensch und Maschine ein – wie auch im Museums-Café, in dem man sich fühlt wie in den Eingeweiden eines Weltraum-Biests. Erholung vom Seelenhorror bringt die Schönheit des Saanenlandes und des Simmentals mit den historischen Holzchalets, Schlösschen und Naturparks.

Schmuckstück Naturpark Gantrisch

Auch Gstaad, das Schweizer Paradies für Superreiche, liegt an der Strecke. Viele Promis gibt es allerdings nicht zu sehen: Der Nobelkurort ist bis Anfang Juni noch im Frühlingsschlaf. Dafür gibt es um den Thunersee herum jede Menge beeindruckende Berge zu sehen.

In der Altstadt von Thun. play
In der Altstadt von Thun. Christian Bauer

 

Ein Halt in Spiez, Interlaken und am Niederhorn ist ein Muss, ebenso in Thun mit seinen hochgelegten Trottoirs (für weitere Highlights siehe Liste unten). Aber die vielleicht grösste Überraschung ist der Abschnitt von Thun bis nach Bern. Von vielen Reisenden links liegengelassen, findet man im Naturpark Gantrisch eine Postkartenidylle mit urchigen Dörfern und einzelnen Bauernhäusern, die auch in einem Freilichtmuseum stehen könnten. Sogar die Uhren gehen hier anders: Im Dorf Rüeggisberg BE mit seiner Klosterruine und dem Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau (Sehenswert!) steht heute der Verkehr still. Die örtliche Blas- und Tambouren-Gruppe übt das Marschieren und sperrt die Durchgangsstrasse komplett. Warum auch nicht? Das Schöne an der Grand Tour sind schliesslich nicht die Auto- oder Töfffahrten, sondern die Stopps am Wegrand.

Die Highlights

  • Neuenburg: Das archäologische Museum Laténium gibt einen Einblick in die Geschichte der Region von der Steinzeit bis ins Mittelalter. Am Ufergelände sind historische Pfahlbauten und keltische Brücken nachgebaut. www.latenium.ch
     
  • Neuenburg: Das Centre Dürrenmatt ist dem malerischen und literarischen Scha en des Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt gewidmet. Das Wohnhaus wurde vom Stararchitekten Mario Botta zum Museum erweitert. www.cdn.ch
     
  • Mont Vully: Auf dem kleinen  Aussichtshügel im Dreiseenland hat man einen weiten Blick auf Jura und Alpen. Tipp: Unbedingt den Wein degustieren!
     
  • Murtensee: Lust, Golf und Velofahren zu verbinden? Beim Velogolf am Murtensee geht es per Velo zu 18 Schwinglöchern um den Murtensee. www.murtentourismus.ch
     
  • Murten: Das mittelalterliche Städtchen Murten ist ein Muss. Von der historischen Stadtmauer hat man einen schönen Blick auf See und Stadt. Unbedingt den Nidelkuchen in der Konditorei Aebersold probieren. www.murtentourismus.ch
     
  • Avenches: Einst die Hauptstadt des römischen Helvetiens. Gut erhaltene römische Ruinen. www.avenches.ch
     
  • Freiburg: Blick vom Turm der St.-Nikolaus-Kathedrale, schönes Gutenberg-Museum zur Buchdruckkunst. Pfiffig ist das Stadtgolf, bei dem man Minigolf spielend durch die Stadt zieht. www.fribourgtourisme.ch
     
  • Kaeserberg: Die Modeleisenbahn der «Chemin de Fer du Kaeserberg» ist mit 2045 Metern Geleise die grösste Anlage dieser Art in der Schweiz. www.kaeserberg.ch
     
  • Gruyères: Ein Blick in die Produktion des Greyerzer-Käse ist sehr lehrreich. Führung mit Audioguide. www.la-gruyere.ch
     
  • Moléson: Der Moléson ist der Hausberg der Region Freiburg. Mutige erklimmen den Gipfel auf dem Klettersteig an der Nordwand. www.moleson.ch
     
  • Chateau-d’Oex: Im «Musée du Vieux Pays-d’Enhaut» gibt es eine grosse Sammlung typischer Scherenschnitte der Region zu bewundern. www.chateau-doex.ch
     
  • Simmental: Auf dem Simmentaler Hausweg entdeckt man besonders kunstvolle Bauernhäuser der Region. www.lenk-simmental.ch
     
  • Diemtigtal: Der regionale Naturpark ist immer noch ein Geheimtipp und ideal für Familienausflüge. www.diemtigtal.ch
     
  • Spiez: Besuchen Sie unbedingt das Schlossmuseum, das die Geschichte des malerischen Schlosses zeigt. www.spiez.ch
     
  • Thuner- und Brienzersee: Eine Fahrt mit dem Ausfl ugsdampfer auf dem Thuner-/ Brienzersee sucht seinesgleichen. Eine Besonderheit sind die verschiedenen kulinarischen Sonderfahrten. www.bls.ch
     
  • Interlaken: Interlaken ist der Ausgangsort für die Angebote der Region. Speziell: Das einzige Tourismusmuseum der Schweiz. www.interlaken.ch
     
  • St. Beatushöhlen: Besuchen Sie die Zellen des Mönchs Beatus in den gleichnamigen Höhlen und staunen Sie über die gewaltigen Tropfsteinformationen. www.beatushoehlen.ch
     
  •  Thun: Im Schloss Schadau gibt es das Thun-Panorama zu bewundern - das grösste 360-Grad-Rundgemälde der Welt. www.thunersee.ch

Weitere Informationen: www.myswitzerland.com

 

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Publiziert am 10.06.2016 | Aktualisiert am 18.01.2017
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