On the road mit Christian Bauer Sex in Zimmer 106

Reisejournalist Christian Bauer will sich in einem Athener Hotel über griechische Geschichte weiterbilden – und landet in einem Porno.

In Hotels hört man manchmal mehr, als einem lieb ist. play

In Hotels hört man manchmal mehr, als einem lieb ist.

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Das Pärchen in Zimmer 106 nagelt die Bettlatten durch. Ich sitze in 104 und bin live dabei. Die Türen in dem Athener Familien-Hotel sind kaum dicker als Karton. Das Gestöhne knallt so laut durch die Flure wie Maschinengewehrsalven. Es ist etwa 21 Uhr, und eben hat eine neue Reisegruppe eingecheckt. Die Mitglieder beziehen gerade ihre Zimmer.

Vor etwa zehn Minuten begann das Ganze mit einem fraulichen Genuss-Seufzer. Da dachte ich noch an eine Fussmassage. Mittlerweile ist ihre Stimmlage höher, und das Quietschintervall kürzer.

15 Minuten: Ich will endlich wissen, aus welchem Zimmer das Stöhnen kommt und gehe auf den Flur. Draussen steht ein Opa und starrt auf Tür 106. Ob ihn das an die Zeiten erinnert, als seine Prostata noch klein und die Lust gross war? Ich grinse beschämt, er aber verzieht keine Miene.

  • Zur Person

    Im zarten Alter von drei Jahren bestieg Christian Bauer zum ersten Mal ein Flugzeug Richtung Afrika. Erst sieben Jahre später kehrte er wieder in die Heimat zurück. Seitdem faszinieren ihn fremde Kulturen und Länder. Mittlerweile ist aus seiner Reisebegeisterung ein Beruf geworden.

Zurück im Zimmer pauke ich griechische Geschichte. Das ist kein Widerspruch. Die alten Griechen waren ja sexuell gut dabei: hetero, homo, anal, vertikal, zu zweit, zu dritt und in Rudeln. Das sieht man auf ihren Vasen, dem Pornhub der Antike, die man im archäologischen Museum betrachten kann. Knaben liebten sie auch - und Tiere. Besonders Göttervater Zeus stand auf tierischen Sex. Die schöne Leda vögelte er als Schwan. «Vögeln» ist hier endlich mal das passende Verb. Und als Stier vergewaltigte er Fräulein Europa. Wahrscheinlich hat das die EU bis heute nicht verziehen und rächt sich nach 4000 Jahren mit Sparvorgaben und Geldknebel. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mittlerweile sind 30+ Minuten vergangen und 106 produziert immer noch den Soundtrack eines Billig-Pornos. Vom Restaurant dringen Sirtaki-Rhythmen herüber. 106 ist leider nicht im Takt. Auf dem Gang schlurfen die Gäste herum. Ob ich auf Tripadviser demnächst den Ratschlag lesen werde «Super Hotel, tolle Lage, sauber. Ohrstöpsel oder Freundin mitbringen»?

Durchschnittlich dauert Geschlechtsverkehr 6 Minuten, das haben Wissenschaftler herausgefunden. Manchmal wünscht man sich, die Statistiker hätten Recht. In Minute 42 ist es dann endlich soweit: Sie quiekt wie ein stottender Anlasser und kommt mit Gejaule. Stille ------- dann rauscht die Klospülung. Noch nie habe ich einen Orgasmus so herbeigesehnt! Und schalldichte Türen.

Mal ehrlich, bin ich spiessig, wenn ich der Meinung bin, dass man sich in einem Hotel zurückhalten soll? Besonders beim Sex, wenn alle noch wach sind? Ich glaube nicht. Es ist eine Frage des Anstands.

Liebe Frischverliebte und Notgeile in den Hotels dieser Welt: Bitte haltet eure Hormone unter Kontrolle! Es geht auch leise. Danke.

Das nächste Mal klopfe ich an die Türe und rufe: «Zimmerservice!» Da freue ich mich schon drauf. Oder ich geh' spazieren.

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Publiziert am 23.05.2016 | Aktualisiert am 23.05.2016
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