Wirbel um HCD-Sponsor
Wie Krypto-Zocker Schweizer Sportstadien erobern

Der HCD-Sponsor Zondacrypto hinterlässt einen Scherbenhaufen. Die Kunden der Kryptobörse bangen um Millionen. Der Gründer hat sich aus dem Staub gemacht. Die Pleite erinnert an einen früheren Sponsoring-Skandal.
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Seit einem Jahr ist die osteuropäische Kryptoplattform Zondacrypto Namensgeberin der Eishalle Davos.
Foto: Keystone

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Beat SchmidWirtschaftsredaktor

Showdown im Schweizer Eishockey: Zwischen HC Davos und Fribourg-Gottéron kommt es am Sonntag zum fünften Playoff-Kracher. Anpfiff ist um 20 Uhr in der Zondacrypto Arena. Die Heimstätte des Traditionsvereins, besser bekannt als Eisstadion Davos, trägt seit einem Jahr den Namen der osteuropäischen Handelsplattform für eine digitale Währung. Przemysław Kral (45), Gründer und Chef von Zondacrypto, reiste damals nach Davos GR, um den Sponsoringdeal mit dem Rekordmeister zu besiegeln.

Inzwischen fehlt von Kral jede Spur. Gemäss Recherchen mehrerer Medien soll sich der Investor nach Israel abgesetzt haben. Der gebürtige Pole besitzt seit etwa einem Jahr auch die israelische Staatsbürgerschaft, wie es weiter heisst. Es gibt Hinweise, dass er sich in einer Villa am Meer aufhält – worauf unter anderem Bauabrechnungen schliessen lassen, die noch im November beglichen worden sein sollen.

Zondacrypto steht seit Wochen unter Druck. Nutzer aus Polen können nicht mehr auf ihre Vermögenswerte zugreifen. Dortige Medien stützten sich auf Untersuchungen des Schweizer Analyseunternehmens Recoveris. Und der Schaden könnte erheblich sein: Schätzungen zufolge sind Guthaben in dreistelliger Millionenhöhe betroffen. Der Fall hat inzwischen eine politische Dimension. In Polen wird darüber gestritten, ob eine strengere EU-Regulierung für Kryptodienstleister zu spät umgesetzt wurde – möglicherweise auch deshalb, weil Branchenakteure darauf Einfluss nahmen. Vor wenigen Tagen traten mehrere Verwaltungsräte des Unternehmens zurück, darunter der Investor Guido Bühler (60), unter anderem Mitgründer der Schweizer Kryptobank Amina.

Spuren in die Schweiz

Zunächst wies Przemysław Kral Berichte über Liquiditätsprobleme vehement zurück. Doch inzwischen scheint erhärtet, dass die Börse auf ausgewiesene Kryptobestände gar nie Zugriff hatte. Zondacrypto verfügt über eine estnische Fintech-Lizenz und gehört zur BB Trade Estonia OÜ, die wiederum von der Divisio Holding AG aus Zug kontrolliert wird. Jüngste Entwicklung: Die Website von Zondacrypto ist seit Donnerstag nicht mehr aktiv. Auch der Zugriff aus der Schweiz funktioniert nicht mehr.

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Przemysław Kral ist Gründer und Chef der Kryptobörse: Von ihm fehlt jede Spur.
Foto: PD

Der HCD dürfte sich also bald nach einem neuen Sponsor umschauen müssen. Doch wie ist es überhaupt möglich, dass eine dubiose Kryptoplattform Namensrechte kaufen und in der Schweiz Werbung für Finanzdienstleistungen machen kann, für die sie hierzulande keine Bewilligung besitzt? Die Finanzmarktaufsicht (Finma) äussert sich nicht zum Einzelfall. Sie teilt lediglich mit, dass Zondacrypto keine Bewilligung der Finma besitzt und somit auch nicht direkt ihrer Aufsicht untersteht.

YB macht Werbung für hochspekulative Finanzprodukte

Auch andere Vereine setzen auf Partner aus dem Finanzbereich, die in der Schweiz nicht reguliert sind. Die Spieler von BSC Young Boys etwa tragen das Logo des britischen Onlinebrokers Plus500 auf der Brust. Plus500 bietet sogenannte Differenzkontrakte (CFDs) an – hochspekulative Finanzinstrumente, mit denen Anleger auf minimale Kursbewegungen von Aktien, Rohstoffen oder Kryptowährungen wetten können. Der Handel erfolgt, wie Fachleute sagen, «gehebelt», oft mit Faktoren zwischen 30 für private und 300 für professionelle Kunden. Schon geringe Kursbewegungen gegen die eigene Position können zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.

Auf den Spielerleibchen des FC Basel prangt seit dieser Saison das Logo von Bitpanda. Die Plattform aus Österreich startete als Kryptobörse und bietet inzwischen auch Zugang zu Rohstoffen, Wertpapieren und ETFs. Bitpanda hat eine Zulassung durch die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) und die deutsche Bafin. Eine Finma-Bewilligung hat sie nicht. Anfang Jahr deckten Recherchen auf, dass die Bafin 2023 eine Sonderprüfung des Risikomanagements anordnete und zum Teil «schwerwiegende» Mängel feststellte.

Erinnerungen an Antepay

Der Fall Zondacrypto erinnert an andere Fälle aus dem Sportsponsoring. Vor einigen Jahren sorgte Hauptsponsor Antepay beim FC Zürich für einen Skandal, nachdem Zweifel am Geschäftsmodell und an der Seriosität aufgekommen waren. Die Karten von Antepay sollen vor allem als Zahlungsmittel für illegale Onlineglücksspiele eingesetzt worden sein. Es kam zum Bruch.

Die Nachricht vom Zondacrypto-Kollaps scheint in Davos noch nicht angekommen zu sein. Die Kommunikationsstelle hat keine Kenntnis einer Liquiditätsproblematik. Die Plattform sei ihren Verpflichtungen bisher immer nachgekommen, betonte ein Sprecher diese Woche. Das Stadion von Fribourg-Gottéron, dem Playoff-Gegner des HCD, heisst übrigens BCF Arena. Namensgeberin ist die Banque Cantonale de Fribourg. Die Kantonalbank gilt als eine der solidesten und rentabelsten Banken der Schweiz.

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