Darum gehts
- Nestlé ruft über 800 Babynahrungsprodukte in mindestens 50 Ländern zurück
- Grund: Giftstoff Cereulid durch Reinigungsdefekt in Zulieferbetrieb verursacht
- Betroffene Produkte unter 0,5 % Umsatz, keine Krankheitsfälle gemeldet
Der Reputationsschaden ist da: Nestlé musste letzte Woche einen grossangelegten Rückruf von Babynahrung bekanntgeben. Und dieser zog in den Tagen darauf immer weitere Kreise. Über 800 Produkte in mindestens 50 Ländern könnten mit Gift kontaminiert sein – auch die Schweiz war betroffen.
Erkrankungen sind noch keine bekannt. Aber: Der Fall hinterlasse einen «bitteren Nachgeschmack», so Jean-Philippe Bertschy von der Bank Vontobel. Nun hat der Nestlé-CEO Philipp Navratil (50) reagiert – und bat in einer Videobotschaft um Entschuldigung.
Er wolle sich «bei Familien, Betreuungspersonen und den Kunden aufrichtig entschuldigen für die Sorgen und die Belastung», so der Chef des Schweizer Lebensmittelkonzerns im auf der Nestlé-Website veröffentlichten Video. Und weiter: «Sie vertrauen uns, dass wir Produkte herstellen, die sicher und von hoher Qualität sind. Wir nehmen diese Verantwortung sehr ernst.»
Rückrufaktion ist mittlerweile abgeschlossen
Die Rückrufe sind laut Navratil entsprechend den behördlichen Vorgaben schrittweise in allen betroffenen Ländern kommuniziert worden und inzwischen abgeschlossen. Auslöser des Rückrufs sei ein Qualitätsproblem mit einem Rohstoff eines Zulieferers gewesen, das im Dezember in einem Werk in den Niederlanden festgestellt worden sei. Nestlé habe daraufhin den Vertrieb der betroffenen Produkte gestoppt und in Zusammenarbeit mit den Behörden in mehreren europäischen Ländern freiwillige Rückrufe gestartet. Anfang Januar seien diese auf alle betroffenen Märkte ausgeweitet worden.
Navratil bekräftigte, dass es bislang keine bestätigten Krankheitsfälle im Zusammenhang mit den Produkten gebe. Weiter betonte der Firmenchef des Nahrungsmittelriesen, dass Produktsicherheit oberste Priorität habe.
Finanzielle Auswirkungen «voraussichtlich nicht erheblich»
Es handelt sich um die grösste Rückrufaktion in der Geschichte von Nestlé. Betroffen sind die bekannte Marke Beba sowie Spezialprodukte wie Alfamino. Der Konzern hat Eltern aufgefordert, die Produkte aus bestimmten Chargen nicht mehr zu verwenden und im Handel zurückzugeben.
Ursache war laut Behördenangaben ein technischer Reinigungsdefekt in einem Zulieferbetrieb, durch den es zu einer Verunreinigung eines als Zutat verwendeten Öls gekommen sei. Der hitzebeständige Giftstoff Cereulid könne Übelkeit und Erbrechen auslösen.
Nestlé erklärte, die vom Rückruf betroffenen Chargen von Säuglingsnahrung machten deutlich weniger als 0,5 Prozent des jährlichen Konzernumsatzes aus. Die finanziellen Auswirkungen würden für den Konzern «voraussichtlich nicht erheblich» sein. Analysten erklärten, Produkt- und Markensicherheit könne Umsatzverluste auslösen, wovon Konkurrenten wie Danone profitieren könnten.