Blick trifft Selenski-Berater
Er lobt die SBB - und will Europa stark machen

Wegen russischer Luftangriffe reist Wolodimir Selenski kurzfristig nicht nach Davos. Dafür traf Blick seinen Berater Oleksandr Kamyshin am WEF. Er erklärt, warum die Rüstungsindustrie der Ukraine Europa hilft und warum er ein Fan der SBB ist.
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Selenskis Berater Oleksandr Kamyshin.
Foto: AFP

Darum gehts

  • Selenski bleibt wegen russischer Angriffe in Kiew, Berater vertritt Ukraine am WEF
  • Kamyshin: Ukraine teilt Verteidigungswissen mit Europa, Kooperationen mit Deutschland, Dänemark
  • Schweizer Bahn 99 Prozent pünktlich, Ukraine-Bahn leistet 93 Prozent Pünktlichkeit
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Céline ZahnoRedaktorin Politik

Im Ukraine House am WEF ist er sofort erkennbar: Er trägt seine langen schwarzen Haare in Zöpfen, gekleidet ist er in schwarzer Uniform. Wie jeweils Selenski markiert auch sein Berater Oleksandr Kamyshin (41): Die Ukraine ist im Krieg.

Eigentlich hätte auch der Präsident der Ukraine nach Davos reisen sollen. Doch wegen vehementer russischer Luftangriffe bleibt er in Kiew. Ohnehin hätte Selenski nicht mehr die gleiche Aufmerksamkeit genossen am WEF wie in den letzten Jahren. Zu sehr stehen Trumps Grönland-Gelüste und deren Folgen für die Beziehung zu Europa im Fokus.

Umso mehr macht sich sein Berater und ehemaliger Chef der ukrainischen Rüstungsindustrie für die ukrainische Sache stark in Davos.

«Machen wir Europa stark»

Kamyshin betont im Gespräch mit Blick: Die Ukraine sei weiterhin dankbar für die Hilfe, die man von den USA erhalte. Aber auch er sieht, dass sich alles verschiebt in der Weltpolitik. Für Kamyshin ist klar, dass das Europa und die Ukraine noch enger verbindet. «Die ukrainische Verteidigungsindustrie ist gewachsen und in diesem Kampf stark geworden», sagt er. Jetzt sei man bereit, dieses Wissen mit der europäischen Industrie zu teilen. «Machen wir Europa wieder stark.»

Selenskis Berater ist überzeugt: Wegen Trumps neuer Weltpolitik müsse Europas sich mehr auf sich selbst verlassen. Dabei könne die Ukraine Europa unterstützen. Man habe bereits laufende Kooperationen mit europäischen Staaten, unter anderem mit Deutschland und Dänemark. Weitere gemeinsame Produktionsprojekte würden bald angekündigt.

Die Schweiz gibt vergleichsweise wenig für die Aufrüstung auf. Gerade einmal 0,7 Prozent des BIP beträgt das Armeebudget. Kamyshin warnt: «Wir waren auch ein friedliches Land. Wir haben auch nicht genug für unsere Verteidigung ausgegeben. Und dann kam irgendwann Russland.»

Kamyshins Position passt zur Grundstimmung in Davos. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (67) forderte die Wirtschafts- und Politelite am WEF auf, eine «neue europäische Unabhängigkeit» zu bilden. Und immer wieder wird betont: Europa muss sich verteidigen können.

Ein Fan der Schweizer Bahn

Vor seiner Zeit in der Rüstungsindustrie war Kamyshin der höchste ukrainische Bähnler. Ohne die Eisenbahn hätte die Ukraine den Krieg längst verloren: Sie bringt Tausende Tonnen westliche Waffen ins Land. Und Kamyshin organisierte die Flucht von Millionen von Menschen mit der Bahn.

Die Bahn-Affinität hat er trotz Jobwechsel nicht verloren. «Ich mag die Schweizer Bahn.» Letztes Jahr hatte die Schweiz eine Pünktlichkeitsrate von 99 Prozent. «In der Ukraine haben wir 93 Prozent», sagt er stolz. Als Wettbewerb sehe er das nicht. Er sei einfach ein grosser Fan von Pünktlichkeit.

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