Warnung vor Völkerrechtsbruch
Brisante Deals von Schweizer Firmen mit Israels Rüstungskonzern

Bis heute liefern hiesige Hersteller militärisch einsetzbare Güter an die Waffenschmiede Elbit Systems. Diese ist das Rückgrat der israelischen Kriegsführung. Eine Juristin warnt vor einem Völkerrechtsbruch.
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Schweizer Firmen liefern Teile an den Hersteller dieser Drohnen, die Israels Premierminister Benjamin Netanjahu im Krieg einsetzt.
Foto: AFP via Getty Images

Darum gehts

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Lorenz Naegeli
Lorenz Naegeli
Beobachter

Am 31. Juli 2025 verliessen zwei Pakete das Städtchen Saint-Blaise am Neuenburgersee. Ihr Inhalt: je ein Halbleiterlaser. Gesamtgewicht: drei Kilo. Der Absender: die Firma Alpes Lasers. Das Westschweizer Unternehmen stellt Dual-Use-Produkte her: Seine Laser können sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden. Nach einem Zwischenstopp in Zürich flog die Fracht nach Israel zur Rüstungsfirma Elbit Systems. Auch der Schweizer Rüstungskonzern Ruag sowie der Ableger der israelischen Waffenschmiede, Elbit Systems Switzerland mit Sitz im bernischen Uetendorf, schickten militärisch verwendbare Güter nach Israel.

Das zeigen Lieferdokumente, die dem irischen Investigativmedium The Ditch vorliegen und die das WAV-Recherchekollektiv zusammen mit dem Beobachter und Heidi.news ausgewertet hat. Die Lieferungen sind brisant: Elbit Systems ist seit Jahren ein Hauptlieferant des israelischen Militärs – laut Medienberichten auch im Gazakrieg. Schon 2015 schrieb die israelische Luftwaffe in einem Blogpost über einen Drohneneinsatz mit zivilen Todesopfern, man arbeite «Schulter an Schulter» mit Elbit. «Die Republik» berichtete vergangenen Herbst über den mittlerweile gelöschten Beitrag.

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Schweizer Firma gehört zu Elbit

Die Neuenburger Firma Alpes Lasers beliefert Elbit Systems seit mindestens 2018. Die Laser haben laut Firmenangaben verschiedene militärische Fähigkeiten – etwa für «infrarotbasierte Gegenmassnahmen», als «Infrarot-Beleuchtung» oder als «Infrarot-Signalgeber». Die Laser schützen Flugzeuge und Drohnen oder können Ziele markieren.

Die ausgewerteten Dokumente zeigen: Die Firma lieferte 2025 mindestens zwei Halbleiterlaser an Elbit nach Israel. Bewilligungen für den Export von Dual-Use-Gütern nach Israel, die das WAV-Recherchekollektiv nach Öffentlichkeitgesetz zur Einsicht erhalten hat, belegen ein weiteres Geschäft aus dem Jahr 2024: eine Lieferung von Halbleiterlasern an eine israelische Partnerfirma von Elbit im Umfang von über zwei Millionen Franken.

Die Verbindung von Alpes Lasers zu Elbit geht aber noch tiefer. Das zeigt das Neuenburger Handelsregister. Die meisten Unterschriftsberechtigten von Alpes Lasers sind hochrangige Elbit-Kader aus Israel. Darunter Oded Ben-David, technischer Direktor der Laserdivision von Elbit Systems. Ein Mitarbeiter von Alpes Lasers schreibt denn auch auf LinkedIn: «Alpes Lasers, in Besitz von Elbit Systems». Die Firma liess sämtliche Fragen zum Einsatz ihrer Produkte und zur Beziehung zu Elbit in Israel unbeantwortet.

Mehrere kritische Exporte des Bundeskonzerns Ruag

Auch der Bundeskonzern Ruag lieferte gemäss den analysierten Dokumenten an Elbit in Israel: im August und im Dezember 2025 insgesamt mindestens vier Stück des «Missim MK 3 R Melon». Das Gerät testet die Schutzsysteme von Kampfflugzeugen und Helikoptern. Es simuliert Bedrohungen wie Raketen. Wenn die Systeme korrekt reagieren, darf die Maschine starten. Wenn nicht, bleibt sie am Boden. Testet Schweizer Technologie also die Schutzsysteme israelischer Kampfjets, bevor sie Bomben über Gaza abwerfen? Die Ruag verzichtete darauf, diese Frage zu beantworten.

Neben dem Testsystem exportierte die Ruag im November 2025 demnach auch Drohnenteile an Elbit Systems – Art und Verwendungszweck verraten die Dokumente nicht. Konkrete Fragen beantwortete die Ruag auch dazu nicht. Sie schreibt nur allgemein, dass man mit der erforderlichen Sorgfalt vorgehe. Sämtliche Exporte seien durch das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) geprüft.

Elbit Schweiz liefert Drohnenteile

Drohnenteile an Elbit in Israel lieferte auch Elbit Systems Switzerland. Am 10. Juli 2025 verliessen zwei Boxen den Standort in Uetendorf. Der Inhalt gemäss Lieferdokumenten auch da: «Drohnenteile». Bei Elbit Schweiz heisst es, dass man primär Dienstleistungen in der Schweiz erbringe. Jüngst betonte die Firma mehrfach: Es finde kein Technologietransfer nach Israel statt.

Das sagte auch Bundesrat Martin Pfister im Herbst 2025. Auf die Fragen des Beobachters an Elbit Schweiz antwortet die Kommunikationsagentur Farner. Ihre Stellungnahme verstärkt den Eindruck einer lebendigen und beidseitigen Zusammenarbeit: «Elbit Systems Switzerland verarbeitet jährlich zahlreiche Lieferungen – auch im Austausch mit dem Mutterkonzern.» Konkrete Fragen zur Lieferung und zu den Gütern liess auch Elbit Schweiz unbeantwortet. 

Völkerrechtsprofessorin alarmiert

Evelyne Schmid ist Professorin für Völkerrecht an der Universität Lausanne. Sie gehört zu den 30 Juristinnen und Juristen, die im August 2025 den Bundesrat wegen dessen passiven Handelns gegenüber Völkerrechtsverletzungen durch Israel kritisierten. Die Lieferungen findet sie bedenklich. «Bei einer aktiven Zusammenarbeit von Schweizer Unternehmen mit einem Konzern wie Elbit besteht die Gefahr, dass diese gegen Völkerrecht verstösst: Elbit ist als grösster Rüstungskonzern Israels mit dessen Völkerrechtsverletzungen verknüpft.»

Schmid verweist auf den Internationalen Gerichtshof (IGH). Dieser stellte 2024 in einem Gutachten fest, dass alle Staaten verpflichtet seien, Israels unrechtmässige Besatzung in den palästinensischen Gebieten nicht zu unterstützen. In einem laufenden Verfahren halte der IGH zudem eine Verletzung der Völkermordskonvention durch Israel für zumindest «plausibel». Die Rechtsprechung dazu sei klar, so Schmid: Schon die Gefahr eines Völkermords verpflichte Drittstaaten wie die Schweiz zu präventivem Handeln – etwa durch den Stopp von Kooperationen in Bereichen, die einen Zusammenhang mit schweren Völkerrechtsverletzungen aufweisen.

Die Schweiz verbietet derzeit den Export von Gütern, die in die Kategorie Kriegsmaterial fallen, also Waffen, Waffensysteme, Munition oder Sprengmittel, nicht aber von Produkten, die sowohl militärisch als auch zivil einsetzbar sind. Auch Güter, die für militärische Zwecke konzipiert oder abgeändert worden sind – sogenannte besondere militärische Güter –, können weiterhin exportiert werden. Schmid fordert die Schweiz deshalb auf, konsequent zu prüfen, ob entsprechende Exporte im Widerspruch zu internationalen Abkommen stehen.

Als Beispiel nennt sie 2014: «Als Reaktion auf die russischen Aggressionen gegen die Ukraine verfügte die Schweiz – zumindest kurzfristig – einen Ausfuhrstopp für Werkzeugmaschinen an russische Mischbetriebe.» Ihre Frage an die Schweizer Politik und die Schweizer Behörden: «Warum verfügt man das nicht auch für Dual-Use- und weitere Güter bei israelischen Militärunternehmen wie Elbit Systems?»

Seco: Kein Kommentar zu einzelnen Lieferungen

Für die Kontrollen verantwortlich ist das Seco. Es bewilligt diese Exporte. Zu einzelnen Lieferungen und Unternehmen äussert es sich auf Anfrage nicht. Sagt aber: Für Exporte von Dual-Use- und besonderen militärischen Gütern nach Israel würden bereits spezifische Beurteilungskriterien gelten, die über das Güterkontrollgesetz hinausgehen. Der Bundesrat verfolge «die Entwicklungen sehr genau», und das Seco prüfe «alle Ausfuhrgesuche mit Bestimmungsland Israel aufmerksam», insbesondere mit Blick auf die Endverwender und die Endverwendung. Auf das Exportvolumen hatte diese «aufmerksame» Prüfung bisher keinen Einfluss: Im Jahr 2025 wurden Dual-Use- und besondere militärische Güter im Wert von über 25,4 Millionen Franken exportiert – so viel wie nie in den vergangenen zehn Jahren.

Zur Recherche

Thomas Naegeli ist Journalist beim WAV Recherchekollektiv. Diese Recherche basiert auf Dokumenten, die dem irischen Investigativmedium «The Ditch» vorliegen und die das WAV-Recherchekollektiv zusammen mit dem Beobachter und Heidi.news ausgewertet hat.

Thomas Naegeli ist Journalist beim WAV Recherchekollektiv. Diese Recherche basiert auf Dokumenten, die dem irischen Investigativmedium «The Ditch» vorliegen und die das WAV-Recherchekollektiv zusammen mit dem Beobachter und Heidi.news ausgewertet hat.

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