Darum gehts
Um sorgenfrei Velo fahren zu können, braucht es immer wieder einen gründlichen Check. Viele Velofahrerinnen und Velofahrer drängen deshalb mit den ersten warmen Tagen in die Werkstätten. Wie lässt sich bei der Velopflege Geld sparen? Der Beobachter hat zwei Veloexperten gefragt, die es wissen müssen.
Der Velomech
Gabor Herczeg hat in Bern eine eigene Velowerkstatt und nennt sich «Velochirurg». Er weigert sich auch heute noch, Elektrobikes zu reparieren. Seit mehr als 15 Jahren unterstützt er Pro Velo an den Velobörsen mit technischer Beratung.
Für ihn ist es eine klassische Kostenfalle, wenn man für 200 Franken ein Occasionsmountainbike oder ein qualitativ minderwertiges Neuvelo kauft – und dann später herausfindet, dass es mit allenfalls nötigen Reparaturen dann doch das Drei- bis Vierfache kostet. «Diese Schnäppchenfalle sollte man nicht unterschätzen», sagt er. Wer Zweifel an der Qualität hat, sollte das Fahrrad zum Check zu einem Profi bringen. Denn gefährliche Risse am Rahmen, die zum Beispiel bei einem Sturz entstehen, sehen nur geübte Augen.
Sein wichtigster Tipp: «Man kann viel Geld sparen, wenn man den Verschleiss der Kette regelmässig prüft und sie rechtzeitig ersetzt. Denn dann dauert es länger, bis auch der – viel teurere – Rest des Antriebs ersetzt werden muss, etwa die Kassette und die Kettenblätter.» Bei einem neuen Velo könne man das die ersten drei bis vier Jahre machen und verzögere damit den kompletten Ersatz des Antriebs wesentlich.
Der «Gümmeler»
Peter Schmid ist passionierter Velofahrer und engagiert sich im Radfahrer-Verein Zürich. Im Alltag ist das Velo sowieso sein ständiger Begleiter, aber er fährt auch oft grosse Strecken wie das 1200 Kilometer lange Strassenradrennen von Paris nach Brest und retour. Seine zehn Räder setzt er alle selber instand.
Sein Motto: «Immer putzen vor dem Reparieren. Wenn man Geld sparen will, ist gute Velopflege das Beste.» Denn so entdecke man Schäden, die sonst leicht übersehen werden. Ausserdem schütze das vor übermässigem Verschleiss. Dafür brauche es keine speziellen Reiniger: für die Kette zum Beispiel einfach Wasser und etwas Spülmittel, ein altes Abwaschbäseli aus der Küche und einen Mikrofaserputzlappen. Ein Baumwolltuch, um die Kette trocken zu reinigen. Er rät davon ab, die Kette komplett zu entfetten. «Das ist nicht sinnvoll, weil das Lösungsmittel in den Lagern drinbleibt und sie beschädigt.» Und fast noch schlimmer sei es, mit dem Hochdruckreiniger sensible Teile wie das Tretlager abzuspritzen.
Wenn man Velos selber instand setzt, sollte man laut Peter Schmid nicht beim Werkzeug sparen. «Billiges Werkzeug ist teuer!» Und kann auch zum Sicherheitsrisiko werden: Wer zum Beispiel bei einem Carbonvelo Schrauben zu fest anziehe, statt mit einem Drehmomentschlüssel zu arbeiten, könne damit den Rahmen oder die Sattelstütze zerstören.