Wo die einen auf die grosse Liebe hoffen, wittern andere das grosse Geld. Jeden Tag erstellen Tausende Schweizerinnen und Schweizer Dating-Profile.
Einige suchen das grosse Glück gratis, andere geben bis zu 90 Franken pro Monat für ein Abo auf einer Vermittlungsplattform aus. Wer auf Dating-Apps punkten möchte, kann pro Monat noch mehr Geld für Zusatz-Funktionen – spezielle Likes und mehr Sichtbarkeit – ausgeben. Nach oben hin sind finanziell keine Grenzen gesetzt.
In der Schweiz leben 27 Prozent aller Personen ab 18 Jahren nicht in einer Partnerschaft und gelten somit als Single. Das zeigt eine Umfrage des Bundesamtes für Statistik von 2024, neuere Zahlen gibt es nicht. Knapp die Hälfte macht dabei monatlich beim Online-Dating mit – sei es auf Apps wie Tinder, Hinge oder auch Vermittlungsplattformen wie Parship, heisst es auf der Plattform Singleboersen-Vergleich. Aber nicht alle wollen die grosse Liebe finden, einige suchen lediglich das schnelle Abenteuer. Grosse Dunkelziffer: Nicht-Singles, die den Markt sondieren wollen.
Fast drei Viertel der Nutzer von Online-Dating sind Männer. Die Hälfte der Suchenden in der Schweiz sind zwischen 25 und 34 Jahre alt, zeigt eine Studie im Auftrag der Plattform «Zu Zweit», die 2022 gemacht wurde. Vor allem Menschen, die weniger Zeit für Dating haben, weichen auf Apps und Plattformen aus. Während die Zahl der Suchenden Anfang der 2000er sprunghaft gewachsen ist, stagniert sie seit rund zehn Jahren.
Offline-Dating wieder mehr gefragt
Mitte Oktober wurde die Dating-App Bumble verkauft – für 1,3 Milliarden Dollar. Das tönt nach viel, doch 2021 wurde die App an der Börse noch mit 14 Milliarden bewertet. Jetzt will die neue Besitzerin, eine US-Investment-Firma, Bumble von der Börse nehmen.
Der Markt darf trotzdem nicht unterschätzt werden: Der Umsatz der Schweizer Onlinedating-Industrie belief sich 2018 auf 41 Millionen Franken. Das zeigt eine Studie, die die Plattform Singleboersen-Vergleich damals durchführen liess, neuere Marktzahlen gibt es nicht.
Seither dürften die Umsätze jedoch kaum gewachsen sein. Im Gegenteil: Die Match Group hat an der Nasdaq-Börse in den letzten 5 Jahren über 70 Prozent an Wert verloren. Zur US-Gruppe gehören unter anderem die Apps Tinder und Hinge sowie die Plattform LoveScout24. Seit 2022 verliert Tinder an Nutzern.
An der deutschen Börse hat ProSiebenSat.1 Media einen noch höheren Kurseinbruch erlitten. Sie ist unter anderem an der Parship Meet Group beteiligt, der Plattformen wie Parship und Elitepartner gehören. Der Umsatz ist von 2021 um fast 50 Prozent auf 285 Millionen Euro gesunken.
Viele haben die Nase voll, sich durch etliche Online-Profile zu swipen. Offline-Dating ist deshalb wieder mehr gefragt. Beispielsweise lädt das Zürcher Start-up Noii zu Events zum Offline-Dating ein. Tinder weist in der eigenen App mittlerweile auf solche Events hin. Damit will die Dating-App wohl auch Personen abholen, die nicht im Internet nach der grossen Liebe suchen.
Zu den bekanntesten Dating-Apps geht es hier:
Bumble
- Anzahl Nutzer: über 300'000 (Schätzung)
- Lancierung in der Schweiz: 2016
- Kosten: Basic-Version kostenlos, diverse Abos für 18 bis 48 Franken pro Monat für mehr Likes oder Sichtbarkeit
- Muttergesellschaft: Ithaca Holdings
- Altersgruppe: für jüngere Altersgruppe, vorwiegend bis 45 Jahren
- Zweck: auch für seriöses Dating (früher mussten Frauen nach Match den ersten Schritt machen)
Tinder
- Anzahl Nutzer: rund 250'000 (eigene Angaben)
- Lancierung in der Schweiz: 2013
- Kosten: Basic-Version kostenlos, diverse Abos für 15 bis 45 Franken pro Monat für mehr Likes oder Sichtbarkeit
- Muttergesellschaft: Match Group
- Altersgruppe: junge Erwachsene (Hälfte der Nutzer ist zwischen 18 und 24 Jahren)
- Zweck: lockere Flirts, Sex, zum Teil Beziehungen
Hinge
- Anzahl Nutzer: rund 50'000 aktive Nutzer (Schätzung)
- Lancierung in der Schweiz: 2022
- Kosten: Basic-Version kostenlos, diverse Abos für 25 bis 50 Franken pro Monat für mehr Likes oder Sichtbarkeit
- Muttergesellschaft: Match Group
- Altersgruppe: jüngere bis mittlere Altersgruppe
- Zweck: eher für ernstere Beziehungen
Dabei handelt es sich bei Tinder und Bumble nicht um die aktive Nutzerzahl. Wie viele der Profile gar nicht mehr in Gebrauch sind, ist nicht bekannt.
Das grosse Geld machen auch die Partnervermittlungen. Die Hälfte des Branchenumsatzes von 41 Millionen Franken ist darauf zurückzuführen.
Hier findest du eine Übersicht über die grössten Vermittlungsplattformen in der Schweiz:
Parship
- Anzahl Nutzer: rund 250'000 aktive Nutzer (Schätzung)
- Kosten: eingeschränkte Basic-Version kostenlos, Abo ab 36.90 Franken pro Monat
- Muttergesellschaft: Parship Meet Group
- Altersgruppe: für jüngere bis ältere Altersgruppe, extra Partnersuche für 50+
- Zweck: ernsthafte Partnersuche
LoveScout24
- Anzahl Nutzer: rund 225'000 aktive Nutzer (Schätzung)
- Kosten: kostenlose Version, Abos für 69.99 Franken pro Monat, längere Laufzeiten günstiger
- Muttergesellschaft: Match Group
- Altersgruppe: für jüngere bis ältere Altersgruppe
- Zweck: ernsthafte Partnersuche
Elitepartner
- Anzahl Nutzer: 150'000 aktive Nutzer (Schätzung)
- Kosten: Premium für 89.90 Franken pro Monat für ein halbes Jahr, längere Laufzeiten günstiger
- Muttergesellschaft: Parship Meet Group
- Altersgruppe: für jüngere bis ältere Altersgruppe
- Zweck: ernsthafte Partnersuche, viele Akademikerinnen
Bei den Kostenangaben sind Parship und Lovescout24 alles andere als transparent. Erst nach einer kostenlosen Anmeldung können Singles die Preislisten einsehen. Vor allem bei Langzeitabos zeigen sich die Nutzer zurückhaltend. Schliesslich hoffen alle, so schnell wie möglich ihren Match zu finden – was wohl kaum im Interesse der Anbieter ist.