Falle beim Onlinedating
Datingportal ignoriert Kündigung – und plündert die Kreditkarte

Natalie T. suchte online die grosse Liebe und fand nur Ärger. Obwohl sie ihre Mitgliedschaft korrekt per Einschreiben kündigt, hetzt das Portal ihr ein Inkassobüro auf den Hals.
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Natalie T. wurde von einem Onlinedating-Dienst abgezockt. (Symbolbild)
Foto: Imago

Darum gehts

  • Natalie T. kämpfte seit 2024 mit Problemen bei der Plattform Liebeü50.ch
  • Trotz Kündigung wurden über 1000 Euro von ihrer Kreditkarte abgebucht
  • Laut «Dating-Report 2025» steht Betreiber Dating Lions GmbH oft in der Kritik
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Thomas Angeli
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In nur drei Schritten den Traumpartner fürs Leben finden? Nichts einfacher als das, verspricht die Website Liebeü50.ch: ein Profil erstellen, Vorschläge erhalten, den Wunschpartner treffen – ein verlockendes Angebot. Natalie T.*, die eigentlich anders heisst, liess sich im Juni 2024 davon zu einer Mitgliedschaft auf der Datingplattform verleiten.

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Die Enttäuschung folgte auf dem Fuss: «Es gab schlicht keine Männer, die meinen angegebenen Wünschen entsprachen.» Im Januar 2025 kündigte sie deshalb mit einem eingeschriebenen Brief bei der Dating Lions GmbH, der Betreiberin der Website. Das Schreiben liegt dem Beobachter vor.

Kündigung war angeblich unvollständig

Danach herrschte Funkstille. Der Bitte, die Kündigung schriftlich zu bestätigen, kam die Firma nicht nach. T. hielt die Sache für erledigt – bis sie vor einigen Wochen eine Mahnung über 701 Euro von einer deutschen Inkassofirma erhielt: angebliche Gebühren für ihre Mitgliedschaft beim Datingportal. T. reklamierte umgehend bei Dating Lions. Dort reagierte man erst verständnisvoll und bestätigte ihr, dass sie nichts mehr schulde: «Die Forderung wurde unsererseits eingestellt.» Das Inkassounternehmen sei informiert, offene Forderungen gebe es keine mehr.

Doch T. freute sich zu früh. Kurz darauf landete wieder eine Mahnung der Inkassofirma in ihrem Briefkasten, diesmal noch über 121 Euro. Und als sie wiederum bei Dating Lions intervenierte, erhielt sie eine überraschende Antwort: Ihre mehr als eineinhalb Jahre zurückliegende Kündigung sei «unvollständig» gewesen, beschied man ihr per Mail.

Unter anderem benötige sie dafür einen «Kündigungscode», den sie in ihrem Datingprofil finde: «Ich habe nicht einmal mehr das Passwort für das Portal und war seit meiner Kündigung nie mehr darauf», sagt sie. «Und selbst wenn ich es rekonstruieren könnte, würde ich mich hüten, mich dort noch einmal einzuloggen.»

Noch mehr Geld abgebucht

Mittlerweile hat T. entdeckt, dass die Betreiber der Datingplattform 2025 ohne ihr Wissen über 1000 Euro von ihrer Kreditkarte abbuchten. «Meine Kündigung wurde einfach ignoriert», ärgert sie sich. Dass ihr Schaden nicht noch grösser war, verdankt sie allein der Tatsache, dass sie vor einigen Monaten ihre Kreditkarte ersetzen musste.

Es ist nicht das erste Mal, dass Dating Lions in der Kritik steht. Laut dem «Dating-Report 2025» des Beobachters und der Stiftung für Konsumentenschutz gab es verschiedene Meldungen über die Dating Lions GmbH. Gemäss diesem setzt die Firma auf ihren diversen Datingplattformen auch sogenannte Animateure ein und weist dies in den AGB auch so aus: «Dem Nutzer/Mitglied ist […] bewusst, dass er die eingesetzten Animateure nicht im realen Leben treffen kann», heisst es dazu.

Natalie T. ist vor allem eines bewusst: «Dass ich mich niemals dort hätte anmelden sollen.» Sie hat nun ihre Rechtsschutzversicherung eingeschaltet. Die Dating Lions GmbH reagierte nicht auf eine Anfrage des Beobachters. Zwei Tage nach der Anfrage erhielt Natalie T. jedoch eine E-Mail von der Firma: Man habe ihren Fall erneut geprüft und könne ihr mitteilen, dass keine offenen Forderungen mehr bestehen. Nun wartet sie gespannt, ob dem auch wirklich so ist.

* Name geändert

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