Darum gehts
- Schweizer nehmen für günstigeren Sprit zunehmend längere Wege nach Österreich in Kauf
- Community ist gespalten: Für viele lohnt sich der Umweg wegen Zeitaufwand und Fahrtkosten nicht
- Viele Leser machen ihrem Ärger über die hohen Spritpreise Luft und kritisieren die Schweizer Politik
Die hohen Spritpreise treiben immer mehr Schweizer Autofahrer über die Grenze. Neuerdings vermehrt auch nach Österreich. Dabei nehmen sie zunehmend längere Wege in Kauf. So machen sich inzwischen sogar Zürcher auf den Weg zu einer österreichischen Zapfsäule, um beim Tanken zu sparen.
Der Preisunterschied zwischen den beiden Ländern ist beträchtlich: Seit Ende Februar sind die Preise für Benzin und Diesel in der Schweiz um mehr als 20 Prozent gestiegen. In Österreich ist der Sprit deutlich günstiger. Bis zu 42 Rappen pro Liter lassen sich sparen. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern entspricht das einer Ersparnis von bis zu 21 Franken, Fahrtkosten nicht eingerechnet.
Die Tankpreise beschäftigen auch viele in unserer Community enorm, wie die Kommentarspalten und Umfragen der letzten Monate immer wieder deutlich gemacht haben. Nun wollten wir von unserer Leserschaft wissen, ob sie nun öfter ennet der Grenze tanken gehen.
Für eine klare Mehrheit der rund 2000 Umfrageteilnehmer macht sich der Weg nach Österreich zum Tanken nicht bezahlt. 50 Prozent finden, dass sich der Tanktourismus nicht lohnt. Leser Steve Miller nimmt es mit Humor: «Du bist schneller in Österreich, als du in Zürich einen Parkplatz findest!» Dora Häusermann hingegen findet: «Wenn man das Benzin bis dort rechnet, wird der Most nicht viel billiger sein!»
«Wer so eine Tankstelle in der Nähe hat, cool»
Gabi Steinmann geht da mit und verweist auf die Vollkosten: «Wenn ich so weit fahren müsste, um zu tanken, würde ich das Auto verkaufen.» Lars Von der Heide sieht es ähnlich: «Von Zürich aus lohnt sich das nie und nimmer.» Vor allem auch wegen des Zeitaufwands. Eine Ausnahme würde er aber machen: «Klar, wenn ich eh in diese Richtung fahre, kann ich mir einen kleinen Schlenker oder einen Zwischenstopp in Österreich vorstellen.»
Für 29 Prozent der Umfrageteilnehmer kommt eine Fahrt über die Grenze infrage, sofern sich der Weg finanziell lohnt. Tobias Amherd kommentiert etwa: «Wer so eine Tankstelle in der Nähe hat, cool. Von der Zentralschweiz ist dies leider nicht lohnenswert.» Die verbleibenden 21 Prozent der Umfrageteilnehmer geben indes an, öfter ins Ausland tanken zu gehen. Dazu gehört Remo Zehnder. Er sei erst kürzlich ins deutsche Waldshut gefahren, um zu tanken und einzukaufen. Nach Österreich würde er hingegen nicht fahren: «Da hab ich gleich mal nichts gespart.»
«Hochpreisinsel Schweiz!»
Abgesehen vom eigenen Tankverhalten machen viele Leser ihrem Unmut über die hohen Spritpreise Luft. Hermann Beerli findet, dass sich die Fahrt mit zusätzlichen Einkäufen durchaus lohnen könne. Gleichzeitig ärgert er sich über die hohen Preise: «Die Schweiz ist immer für alles am teuersten. Hochpreisinsel Schweiz!» Hans Morgenthaler wird noch deutlicher: «Die Gier des Schweizer Staates und all der Treibstoffabzocker ist beispiellos!»
Die Kritik richtet sich dabei auch an die Politik. Marc Moeri findet die Preise «nie und nimmer gerechtfertigt». Der Bund wolle Steuern eintreiben und die Betreiber ihre Gewinne maximieren, meint er. Und die Politik kassiere ab, statt etwas zu tun. Peter Burgener fragt sich derweil, weshalb es in der Schweiz keine staatliche Entlastung gebe wie in angrenzenden EU-Ländern.
Auch Martin Müller sieht die Autofahrer gegenüber der Politik im Nachteil und bezeichnet sie als «Milchkühe für Bundesbern». Für ihn persönlich ist der Spritpreis allerdings weniger entscheidend: Im Alltag fahre er ein Elektroauto, den Verbrenner nutze er nur am Wochenende bei schönem Wetter. Auch für weitere Kommentatoren ist der Benzinpreis kein Thema mehr. Jonas Sigenthaler schreibt: «Ich fahre einen Stromer mit eigenem Solardach und Charging Station – mir ist es egal, was der Sprit kostet.»