Sein Bier war sehr beliebt
Zürcher Brauer hört auf – wegen zu viel Erfolg

Turbenthal ZH verliert sein Oberhöfler Bier. Michael Hediger stellt die Produktion ein. Der Grund: Zu viel Nachfrage hat das Team an seine Grenzen gebracht.
Kommentieren
1/5
Das war die Brauerei Oberhöfler in Turbenthal ZH.
Foto: Instagram (@oberhoefler_bier)

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Hobby-Brauerei Oberhöfler Bier aus Turbenthal ZH stellt Betrieb per Juli ein
  • Nachfrage überstieg Kapazität
  • Zukunft des Oberhöfler Bierfests 2027 ist noch unklar
Bernadette_Hogg_Journalistin Wirtschaftsdesk_Ringier Medien Schweiz_1.jpg
Bernadette HoggRedaktorin Wirtschaft

Aus für das Oberhöfler Bier! Was vor sieben Jahren im heimischen Keller begann, ist Geschichte: Michael Hediger zieht den Stecker. Und das keineswegs, weil niemand sein selbst gebrautes Bier wollte – ganz im Gegenteil. Die Mikrobrauerei aus Turbenthal ZH versank förmlich in Arbeit – wegen zu hoher Nachfrage, wie der «Zürcher Oberländer» zuerst berichtet hat. 

Eigentlich wollte der hauptberufliche Betriebstechniker nur Bier für sich und seine Freunde brauen. Das Bier kam gut an. Also machte Hediger 2021 Nägel mit Köpfen, gründete einen Bier-Verein und investierte mehrere 10'000 Franken in eine professionelle Bierbrau-Ausstattung. Zuletzt stellte sein Team 4000 Liter pro Jahr her.

«Ganz viel Wehmut»

Doch der Erfolg wurde zur Falle. Dieses Jahr braute die Brauerei aus dem Neubrünnlertal zusätzlich noch für die lokale Gewerbeausstellung, das eigene Bierfest und das Sommerspringen des Reitvereins Tösstal. Danach war der Akku leer. Im Juli traf er mit seiner Frau Melanie die Entscheidung: Schluss, Aus, Ende.

Vom Paar fällt eine enorme Last ab. Gleichzeitig schmerzt das Aus nach all dem Herzblut tief. «Mit ganz viel Wehmut haben wir uns entschieden, das Projekt bis auf Weiteres einzustellen», schrieben die Hedigers in einem Beitrag in den sozialen Netzwerken. Sie zeigen sich dankbar für die Unterstützung in ihrem Projekt und die Kundschaft, die das Bier genossen hatte.

Das Team der Mikrobrauerei organisierte auch sein eigenes Fest: Das «Oberhöfler Bierfest» lockt mit regionalen Marktständen seit seiner Entstehung 2023. Für das letztjährige Fest braute das Team rund 1000 Liter Bier, wie ZO Online damals berichtete. Ob das beliebte Event 2027 nochmals stattfinden sollte, ist noch ungewiss. Der Verein bleibt zwar bestehen, muss jetzt aber klären: Funktioniert das Bierfest überhaupt ohne das eigene Bier?

Erfolg trotzte dem Trend

Dabei ist Hedigers Erfolg in der Bierbranche bemerkenswert. In den letzten Jahren kam es in der Industrie mehrfach zu Jobabbau und Schliessungen. Die kultige Wädi-Brau-Huus AG aus Wädenswil ZH musste 2024 nach fast 200 Jahren Betrieb Konkurs anmelden, nachdem der Umsatz massiv eingebrochen war. 17 Mitarbeitende verloren ihren Job.

Ein weiterer Fall war die Winterthurer Kult-Brauerei Chopfab: Nach einem raschen Wachstum geriet sie in finanzielle Schieflage. Selbst nach der Rettung durch die Appenzeller Brauerei Locher mussten 20 Prozent der Belegschaft gehen. Die Krise des Schweizer Biers spiegelt sich deutlich in den Zahlen wider: Tranken die Schweizer 1990 im Schnitt noch 71 Liter Bier pro Kopf, waren es 2025 nur noch 50,9 Liter.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen