KMU-Chef Silvan Lämmle warnt
«Steht die Schmierstoffbranche still, steht die ganze Welt still»

Egal ob beim Auto, LKW oder der Baumaschine: Ohne Schmieröl läuft nichts. Doch seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs hat die Branche zu kämpfen. Warum der Ölwechsel in Zukunft teurer sein wird, erklärt KMU-Chef Silvan Lämmle.
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Silvan Lämmle ist Chef eines der vier Schmierstoff-Produzenten in der Schweiz.
Foto: Silvan Laemmle
Milena Kälin von Handelszeitung
Milena KälinRedaktorin Wirtschaft

Die Strasse von Hormus ist nach wie vor zu grossen Teilen blockiert. Auch durch die Meerenge Bab al-Mandab werden weniger Waren verschifft als üblich. Die Verknappung der Treibstofflieferungen treibt die Preise an der Zapfsäule nach oben. Damit nicht genug: Es mangelt auch an Rohstoffen für Schmierstoffe wie Motorenöl.

«Wenn die Schmierstoff-Industrie stillsteht, dann steht die ganze Welt still», sagt Silvan Lämmle (47), Chef von Laemmle Chemicals & Oil, gegenüber Blick. Gemeinsam mit seiner Schwester Sarah Mohr-Lämmle (52) führt er das KMU aus dem Zürcher Oberland in dritter Generation. Das Familienunternehmen ist einer der vier grossen Schweizer Schmierstoff-Produzenten.

Schmierstoffe kommen überall zum Einsatz: Kein Fahrzeug und keine Maschine funktioniert ohne sie. Doch synthetische Basisöl-Sorten sind knapp, wie Lämmle warnt. «Jedes Auto, jeder Lastwagen, jedes Schiff und jede Baumaschine braucht diese Art Motorenöl», so der CEO. Seine Firma stellt pro Jahr mehrere Millionen Liter Schmierstoffe in Madetswil ZH her und liefert diese direkt an den Kunden.

Keine Planungssicherheit

Das Problem: Laemmle bezieht einen Teil der Basis-Öle wie alle aus der Branche im Nahen Osten. Durch die Blockade der Strasse von Hormus fehlt es der Firma an Rohstoffen. «Normalerweise kommt ein Viertel des Volumens durch die Strasse von Hormus in die Schweiz, aktuell sind es gerade mal 5 bis 6 Prozent», erklärt Lämmle. Der Konflikt bei der Meerenge Bab al-Mandab erschwert die Beschaffung zusätzlich.

Eine Planungssicherheit hat der CEO deshalb nicht: «Wir leben von Monat zu Monat. Das ist ein erheblicher Kraftakt für uns.» Die Lieferanten teilen die Mengen zu. Wie viel Rohstoffe Lämmle Ende Oktober geliefert bekommt, weiss er nicht. Jeden Monat sucht seine Firma deshalb nach neuen Auswegen, gewisse Rohstoffe lassen sich substituieren.

Es fehlt Silvan Lämmle an Rohstoffen, die normalerweise über die Strasse von Hormus in die Schweiz gelangen.
Foto: Silvan Laemmle

«Im Moment bringen wir es noch hin, den Kunden zu versorgen. Aber ich kann nicht abschätzen, wie sich das entwickelt», ist Lämmle besorgt. Zu den Kunden gehören beispielsweise Baufirmen, Autowerkstätten, Verkehrs- und Kommunikationsbetriebe sowie Metallbearbeiter.

Um in Zukunft unabhängiger zu sein, will das KMU vom Erdöl wegkommen. Gewisse Gebraucht-Öle lassen sich wieder aufbereiten und können so bis zu achtmal genutzt werden. Daneben stellt die Firma auch biologische Öle aus Biomasse her. Doch der Umstieg braucht Zeit.

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Schlussendlich landen die höheren Preise immer beim Endkonsumenten
Silvan Lämmle (47), KMU-Chef
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Auch finanziell könnte die Neuausrichtung Entlastung bringen: «Die Rohstoffpreise sind seit dem Ausbruch des Irankriegs ins Unermessliche gestiegen. Das habe ich in 25 Jahren noch nicht erlebt», so Lämmle. Innovationen und Neugeschäfte werden gebremst. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist er gezwungen, die Kosten weiterzugeben. «Schlussendlich landen die höheren Preise immer beim Endkonsumenten», erklärt der CEO.

Schaden in Millionenhöhe

Die Konsequenz: Viele Dienstleistungen und Produkte werden teurer. «Der Autoservice wird teurer, genauso wie die Baustelle, der Flugbetrieb oder die Lebensmittelproduktion – einfach alles», so Lämmle. Auch beim Pistenfahrzeug im Skigebiet, der Maschine in der Schokoladenherstellung oder der Turbine für die Stromproduktion kommen Schmierstoffe zum Einsatz.

«Ich rechne in der Schweiz bis Ende Jahr mit einem volkswirtschaftlichen Schaden von 50 bis 100 Millionen Franken – allein wegen des Schmierstoffs», gibt sich der Chef pessimistisch. Selbst Leute vom Fach hätten das tatsächliche Ausmass noch nicht erkannt.

Mit einer schnellen Erholung rechnet Lämmle nicht: «Dieses Jahr werden sich die Preise nicht mehr erholen», ist er sich sicher. Selbst wenn die Strasse von Hormus sowie die Meerenge Bab al-Mandab wieder normal befahren werden können, reagieren zuerst die Preise an den Zapfsäulen. Beim Schmierstoff braucht es aufgrund des Umschlags erfahrungsgemäss länger. Bis die Maschinerie wieder wie frisch geölt läuft, dauert es gemäss Lämmle Monate.

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