Darum gehts
- Toni Häne, Ex-SBB-Personenverkehrschef, stirbt mit 71 Jahren
- Er führte bei den SBB 14'000 Mitarbeitende und prägte die moderne Bahnwelt
- Er begann 1971 bei den SBB, blieb über 50 Jahre der Eisenbahn treu
Er war ein Bähnler durch und durch. Jetzt ist Toni Häne tot. Der ehemalige Leiter des SBB-Personenverkehrs ist im Alter von 71 Jahren verstorben, wie Dominik Wyss, Leiter Lokpersonal bei der Zentralbahn, auf LinkedIn publik macht.
Mit Toni Häne verliert die Schweizer Eisenbahn ein Urgestein. Einen Mann, der den Wandel von mechanischen Stellwerken bis zur modernen Bahnwelt hautnah miterlebt und mitgestaltet hat. Auf LinkedIn trauert sein ehemaliger Weggefährte Wyss. «Er war nie mein direkter Chef – und doch bleibt er für mich eine besondere Persönlichkeit: mit seiner Ruhe, seiner Klarheit, seiner Erfahrung und seiner Begeisterung für die Eisenbahn.»
Die Bundesbahnen nehmen «mit grosser Bestürzung und Trauer Kenntnis vom Tod von Toni Häne», wie die SBB und SBB Historic in einer gemeinsamen Mitteilung schreiben. SBB-CEO Vincent Ducrot (64) würdigt ihn als engen Wegbegleiter und aussergewöhnlichen Eisenbahner: «Mit Toni Häne verliert die Schweiz einen Eisenbahner, wie es ihn nur selten gibt, und ich verliere einen Freund.» Er habe jede Weiche und jeden Fahrplan gekannt. «Vor allem aber kannte er die Menschen, die diese Bahn Tag für Tag am Laufen halten, und sie wussten: Er ist einer von uns», so Ducrot weiter.
Vom Lehrling zur Nummer 2 der SBB
Häne gehörte zu den erfahrensten Führungskräften der Schweizer Bundesbahnen. Seine Karriere begann 1971 im Alter von gerade einmal 16 Jahren. Im Bahnhof Au im St. Galler Rheintal trat er seine Lehre als Stationsbeamter an. Was folgte, war eine beispiellose Laufbahn.
Zunächst arbeitete Häne jahrzehntelang an der Front in der Ostschweiz, später wechselte er in die SBB-Zentrale nach Bern und machte Karriere. Er stieg bis zum Chef des Fernverkehrs auf. Anfang 2018 übernahm er schliesslich die Leitung des gesamten Personenverkehrs und wurde Mitglied der Konzernleitung. Damit trug er als Nummer 2 bei den SBB zeitweise die Verantwortung für 14'000 Mitarbeitende.
«Habe meine Chefs selbst ausgesucht»
Er musste sich mit Zugverspätungen, der schwierigen Einführung der Bombardier-Doppelstockzüge und den Folgen der Corona-Pandemie auseinandersetzen. Trotz aller Probleme verlor Häne seine Begeisterung für die Eisenbahn nie. Im April 2021 sagte er kurz vor seiner Pensionierung im Blick-Interview: «Mich hat das System Eisenbahn von Anfang an gepackt.»
Und verriet sein Geheimnis, wie er es so lange im gleichen Betrieb ausgehalten hat: «Ich habe mir angewöhnt, meine Chefs selber auszusuchen», sagte Häne mit dem ihm eigenen Schalk in den Augen. Und ergänzte: «Respektive, wenn mir ein Chef nicht passte, dann habe ich etwas anderes gesucht innerhalb des Unternehmens. Das ist der Vorteil der SBB, es gibt sehr viele verschiedene Geschäftsfelder.»
Präsident von SBB Historic
Nach einem halben Jahrhundert verabschiedete sich Häne 2021 aus dem operativen Geschäft. Ganz loslassen konnte er die Eisenbahn allerdings nicht. Noch im selben Jahr übernahm er das Präsidium von SBB Historic, der Stiftung für das historische Erbe der Bundesbahnen. Häne war verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Auch privat blieb er der Bahn treu: Selbst in den Ferien war er gerne mit dem Zug unterwegs. Und in seinem Hobbykeller hatte er ein Modell der sächsischen Schmalspurbahn im Massstab 1:32.