Darum gehts
- Salt und Sunrise planen gemeinsame Netzoptimierung für ländliche Regionen der Schweiz
- Kostenersparnis durch effizientere Nutzung bestehender Infrastruktur
- Swisscom dominiert mit 60 % Marktanteil und dichterem Antennennetz
Die beiden Telekom-Riesen Salt und Sunrise rücken näher zusammen. Die Unternehmen haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, um die Zusammenarbeit in puncto Mobilfunknetz zu vertiefen, wie sie am Montag mitteilen. Das Ziel: Netzabdeckung und Empfang für Kundinnen und Kunden in ländlichen Regionen des Landes verbessern. Dort wollen die Anbieter den Aus- und Aufbau von Mobilfunkantennen künftig gemeinsam anpacken – und so einiges an Kosten sparen. Werden damit auch die Handyabos der Kundschaft wieder günstiger? Und wo bleibt Branchenprimus Swisscom? Blick hat die wichtigsten Antworten zum Telekom-Deal.
Warum wollen zwei Konkurrenten plötzlich zusammenarbeiten?
Für Jean-Claude Frick (53), Digital- und Telekomexperte beim Vergleichsdienst Comparis, kommt der Schritt nicht überraschend: «Das ist absolut nichts Unübliches in der Branche», sagt er zu Blick. Solche Deals kenne man bereits aus anderen Ländern wie Dänemark oder Schweden. Auch in der Schweiz lag eine solche Zusammenarbeit schon bei der Liberalisierung des Telekomsektors in den 90er-Jahren auf dem Tisch – damals aber zwischen Orange und Swisscom.
Der Grund liegt für den Experten auf der Hand: «Der Bau von Mobilfunkantennen ist für die Anbieter der mit Abstand teuerste Posten», sagt er. Auf dem Land gelte das umso mehr: «Jede Antenne kostet viel Geld und bringt wegen der kleineren Nutzerzahl deutlich weniger Umsatz ein als in städtischen Gebieten.» Hinzu kommen Hürden beim Bau: Eine neue Mobilfunkantenne in einem Dorf hochzuziehen, ist gar nicht so einfach. Frick: «Man stelle sich vor, Salt und Sunrise stellen in einer kleinen Gemeinde zwei separate Antennen auf – der Widerstand aus der Bevölkerung wäre deutlich grösser.»
Wird mein Handyabo jetzt wieder billiger?
Die Anbieter wollen sparen – aber spart auch die Kundschaft? Frick bremst die Hoffnung: «Ich rechne nicht damit, dass die Einsparungen bei den Abopreisen ankommen.» Zwar würden die Unternehmen die Netzinfrastruktur so effizienter gestalten – der Ausbau sei aber trotzdem mit Kosten verbunden, erklärt Frick. «Dass die Kundschaft deshalb Vergünstigungen erhält, halte ich für sehr unwahrscheinlich.»
Wo bleibt Swisscom?
Einer der drei Grossen fehlt in dieser Allianz. Was hat es damit auf sich? Frick weiss: «Swisscom hat eine solche Zusammenarbeit gar nicht nötig.» Der Marktführer habe bei der Antennenabdeckung bereits einen grossen Vorsprung. Besonders in ländlichen Gebieten und Bergregionen verfüge Swisscom über viel mehr Antennen. Frick kommt deshalb zum Schluss: «Swisscom ist im Schweizer Telekommarkt übermächtig.» Da sei es naheliegend, dass sich die beiden Kleinen zusammenschliessen, um gegenzusteuern.
Sind Sunrise und Salt jetzt keine Konkurrenten mehr?
Doch. Aus der Mitteilung geht klar hervor: Die geplante Zusammenarbeit beschränkt sich ausschliesslich auf die Mobilfunkinfrastruktur. «Beide Unternehmen bleiben Konkurrenten und agieren wie bisher eigenständig im Markt», heisst es dazu.
Welche Hürden könnten dem Projekt im Weg stehen?
Ganz in trockenen Tüchern ist die Zusammenarbeit noch nicht. In den kommenden Monaten wollen die Anbieter die technischen, rechtlichen und finanziellen Details klären. Auch die Eidgenössische Kommunikationskommission (ComCom) wurde bereits informiert. Sie muss der Zusammenarbeit zustimmen.
Laut Experte Frick dürfte die ComCom aber kein Spielverderber sein. Zwar schreiben die vergebenen Lizenzen an die Anbieter klar vor, dass jeder sein eigenes Netz betreiben muss. «Hier geht es jedoch nur um eine punktuelle Zusammenarbeit», meint Frick. «Ich gehe davon aus, dass es dafür grünes Licht gibt.»