Darum gehts
- Seit 1995 zieht eine Bollywood-Szene in Saanen BE zahlreiche Touristen an
- Schulkinder müssen wegen Touristengruppen gefährlich auf die Strasse ausweichen
- Petition gestartet: Brücke soll verbreitert oder Fussgängerbrücke gebaut werden
Seit 1995 läuft das Bollywood-Kultmusical «Dilwale Dulhania Le Jayenge» ununterbrochen in einem Kino in Mumbai. Was das mit einem idyllischen Dorf im Berner Oberland zu tun hat? In Saanen BE wurde auf einer Brücke über die Saane eine ikonische Tanzszene gedreht.
Die Folge: Jedes Jahr reisen scharenweise Filmfans an, um die legendäre Szene nachzustellen. Die Brücke ist aber auch der tägliche Schulweg der Dorfkinder. Wenn Reisebusse ihre Passagiere ausladen, wird es gefährlich eng. Nach wiederholten Zusammenstössen zwischen Touristen und Schulkindern zieht Anwohnerin Marina Schopfer (38) nun die Notbremse – und hat eine Petition gestartet, wie die Lokalzeitung «Anzeiger von Saanen» zuerst berichtete.
Kinder müssen auf die Strasse ausweichen
Die Initiantin stört sich nicht grundsätzlich an den vielen Touristen. «Die Problematik entsteht aber, wenn Busse mit 40 bis 50 Personen kommen und diese alle gleichzeitig auf die Brücke gehen», sagt die Saanerin zu Blick. Denn dann sei ein Durchkommen für Schulkinder und Verkehr kaum noch möglich. Die grosse Gefahr bestehe darin, dass die Kinder auf die Strasse ausweichen müssten.
Schopfer hat die Petition gestartet, weil die Brücke einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Dorf darstellt. Die Situation sei bereits heute unübersichtlich, denn die Brücke ist gebogen und führt direkt in eine Kurve.
Mittags wird es brenzlig
Besonders schwierig sei die Situation über Mittag: «Dann herrscht viel Verkehr, weil alle schnell nach Hause gehen und anschliessend wieder zur Arbeit müssen, während gleichzeitig die Schulkinder nach Hause kommen und später wieder zur Schule gehen», erzählt Schopfer.
Sie sieht zwei Möglichkeiten, wie die Sicherheit für die Schulkinder erhöht werden kann. Idealerweise würde die bestehende Brücke saniert und verbreitert. Eine Alternative wäre der Bau einer parallel verlaufenden Fussgängerbrücke, die den Fussgängern einen sicheren Weg bieten würde.
Schopfer habe bereits mit verschiedenen Beteiligten gesprochen, darunter auch mit dem Tourismusbüro und der Gemeinde. «Es sind alle dafür, dass etwas gemacht wird.» Eine definitive Lösung dürfte jedoch noch etwas auf sich warten lassen. «Es ist klar, dass man das nicht von heute auf morgen machen kann.»
Das sagt die Gemeinde
Ein genauer Zeitrahmen fehle derzeit noch, gibt die Gemeinde gegenüber Blick Auskunft. «Gemäss heutigem Kenntnisstand ist die Dorfbrücke in den kommenden Jahren durch einen Neubau zu ersetzen», sagt ein Sprecher. Zudem führt die Behörde eine Studie durch, ob das Projekt um eine Fussgängerbrücke ergänzt werden sollte.
Schopfer hat in einem Begleitbrief zu ihrer Petition auch Zwischenlösungen vorgeschlagen. Eine Idee: Infotafeln für die Touristen aufstellen. Auch ein Verkehrsdienst steht im Raum, der von der Gemeinde bereitgestellt werden soll. «Aus Gesprächen sind viele Ideen aufgekommen, die man rasch umsetzen könnte», sagt sie. Gemeinde und Gstaad Saanenland Tourismus ziehen ebenfalls am gleichen Strang: Sie würden laufend Verbesserungsmassnahmen erarbeiten, wie die Sprecher der beiden Organisationen gegenüber Blick bestätigen.