Darum gehts
- Bei gleichem Ersparten entscheidet die Postleitzahl darüber, wie viel Geld im Ruhestand bleibt
- Der Unterschied zwischen der günstigsten und teuersten Gemeinde beträgt über 330'000 Franken
- Zuger Gemeinden besetzen alle Top-Plätze bei den niedrigsten Steuern, Neuenburg die höchsten
Wer in der Schweiz in den Ruhestand geht, hat es eigentlich gut: Das Ersparte stimmt, die Lebensqualität ist hoch, der wohlverdiente Feierabend lockt. Doch kaum ist der letzte Arbeitstag vorbei, zieht die öffentliche Hand die Zügel an. Aber Achtung! Da ist Pensionist nicht gleich Pensionist. Wie viel vom hart erarbeiteten Geld auf dem Konto bleibt, entscheidet vor allem die Postleitzahl.
Eine neue Auswertung der Finanzvergleichsplattform Getrates.ch für alle 2110 Schweizer Gemeinden zeigt die gigantischen Unterschiede für den Ruhestand. Untersucht wurde ein typisches Ehepaar, beide 65 Jahre alt und ohne Kirchensteuer, das beim Ausstieg 500'000 Franken aus Pensionskasse und Säule 3a bezieht und danach mit einem Vermögen von einer Million Franken von 80'000 Franken Jahresrente lebt.
Grosse Unterschiede schon am Tag der Pensionierung
Die erste Abrechnung ist am Tag der Pensionierung fällig. Das bezogene Vorsorgekapital wird getrennt vom übrigen Einkommen zu einem reduzierten Satz besteuert. Unter den grösseren Schweizer Städten kommt man in Zug mit 27'381 Franken am günstigsten davon, während in Basel stolze 46'926 Franken fällig werden.
Danach geht das Vergleichen bei den laufenden Einkommens- und Vermögenssteuern erst richtig los. Für die 80'000-Franken-Rente und das Millionärsvermögen zahlt das Paar in Baar ZG nur 2629 Franken pro Jahr. In Les Verrières NE sind es im selben Jahr 18'635 Franken, also mehr als das Siebenfache. Getrates.ch-Gründer Adrien Missioux betont dazu: «Die meisten vergleichen ihren 3a-Anbieter bis auf die zweite Nachkommastelle, aber nie ihre Gemeinde. Dabei kann die Adresse ein pensioniertes Paar mehr als vier Jahresrenten kosten.»
Der Kanton Zug gewinnt haushoch
Der unbestrittene Gewinner des Rankings ist der Kanton Zug. Seine elf Gemeinden belegen die ersten elf Plätze der günstigsten Wohnorte für den Ruhestand, wo die Steuerrechnung über 20 Jahre hinweg stets unter 85'000 Franken bleibt.
Am anderen Ende der Skala liegt der Kanton Neuenburg mit den 24 teuersten Gemeinden der Schweiz. In Les Verrières summiert sich die Steuer über zwei Jahrzehnte auf 416'530 Franken, also mehr als fünfmal so viel wie in der günstigsten Gemeinde Baar ZG. Auch ausserhalb Neuenburgs schlägt die Westschweiz zu: In La Praz VD zahlt man über 20 Jahre hinweg 381'615 Franken.
Falle: Konkubinat
Nebst den laufenden Steuern droht unverheirateten Paaren im Todesfall eine echte Falle. Während Ehepartner und Kinder grösstenteils verschont bleiben, wird die langjährige Partnerin in Genf oder Lausanne wie eine fremde Person besteuert und muss rund die Hälfte des Erbes abdrücken. In anderen Kantonen gibt es zwar reduzierte Tarife, doch dafür muss man meist mindestens fünf Jahre im selben Haushalt gelebt haben. Wer diese Bedingung nicht erfüllt, zahlt ebenfalls den vollen Satz für Nichtverwandte.
Wer wegen der Steuern einen Umzug plant, muss schliesslich die unterschiedlichen Regeln beim Stichtag beachten. Für die laufenden Einkommens- und Vermögenssteuern gilt der 31. Dezember, sprich: Man zahlt das ganze Jahr am Wohnsitz an diesem Stichtag. Für die Kapitalbezugssteuer zählt hingegen der exakte Tag der Auszahlung, weshalb die Steuer an den Wohnort geht, an dem man an genau diesem Tag angemeldet ist.