Darum gehts
- Babyboomer behalten Eigenheime, Schere zwischen Generation geht weiter auseinander
- Blick-Community: Ältere verdienten Eigenheime, Jüngere leben verschwenderisch
- Bauen heute 53 Prozent teurer als 1994, Quadratmeterpreis mehr als verdoppelt
Das Thema Eigenheim sorgt für Diskussionen – und zwischen den Generationen auch für Stunk! Jeder zweite Rentner besitzt ein Eigenheim – aber junge Familien gehen leer aus. Das zeigen die neusten Immobilien-Daten des Bundesamts für Statistik Anfang Sommer. Und am Mittwoch folgte die nächste Immobilien-Studie von Raiffeisen: Babyboomer halten ihre Eigenheime – sogar 80-Jährige verkaufen nicht. Die Generationsschere geht immer weiter auseinander.
Inhalt der neusten Studie, die viele Reaktionen bei der Blick-Community auslöste: Die Babyboomer werden – entgegen jüngster Äusserungen vereinzelter Immobilienexperten – ihre Häuser doch nicht in einigen Jahren verkaufen. Die Hoffnung auf sinkende Preise für junge Familien sei unberechtigt!
«Für eine bald bevorstehende Verkaufswelle aufgrund der Pensionierung der Babyboomer gibt es weder Anzeichen noch Rechtfertigung», schreiben die Studienautoren unmissverständlich. Und weiter: «Überspitzt formuliert kann nur der Tod oder der Gang in ein Alters- und Pflegeheim den typischen Wohneigentümer von seinem geliebten Eigenheim trennen.»
Junge zu verschwenderisch?
Fast 800 Kommentare sind dazu aus der Blick-Community eingegangen. Der Tenor ist klar: Die Babyboomer hätten auf vieles verzichtet und sich die Eigenheime redlich verdient – die Jungen hingegen würden heute zu verschwenderisch leben. Blick-Leser Bruno Riese schreibt: «Die sogenannten Alten haben 50 Jahre lang 100 Prozent gearbeitet, für ihr Eigenheim gespart und auf Ferien und anderen Luxus verzichtet. Es ist doch eigentlich klar, dass es nie für ein Eigenheim reicht, wenn man bis zum Alter von 35 Jahren studiert, danach 25 Jahre nur zu 60 Prozent arbeitet, regelmässig in die Ferien fliegt und sich mit 60 vorzeitig pensionieren lässt.»
Blick-Leser Mathias Kasdorf sieht es anders: «Alte Menschen haben sich einzuschränken zugunsten der Jungen mit Kindern. Das ist Teil des ungeschriebenen Generationenvertrages. Es wäre grundfalsch, Wohnraum zu blockieren.»
Bauland war früher deutlich günstiger
Einer der Hauptstreitpunkte im Generationenkonflikt in der Blick-Kommentarspalte: Haben es die Jungen heute wirklich schwerer als die Älteren? War das Bauen früher günstiger?
Für eine Annäherung hat Blick die Preise für Bauland verglichen. Diese machen einen der grössten Anteile an den Gesamtbaukosten für ein Einfamilienhaus aus. Dafür ziehen wir die Preise im Kanton Zürich als Beispiel herbei: Dort betrug im Jahr 1994 der Quadratmeterpreis für Bauland im Median 602 Franken. Das bedeutet, dass die Hälfte des verkauften Baulands billiger und die andere Hälfte teurer war. 30 Jahre später hat sich der Median-Quadratmeterpreis mehr als verdoppelt – auf 1270 Franken im Jahr 2024.
Aber: Auch die Löhne sind in den letzten drei Jahrzehnten gestiegen – inflationsbereinigt um etwa ein Drittel. Rechnet man das ein, bleibt das Fazit: Bauland ist heute 53 Prozent teurer als 1994.
Tiefe Zinsbelastung
Was in diesem Rechenbeispiel nicht drin ist: die Entwicklung der Hypozinsen. Wer in den 90er-Jahren ein Haus baute, zahlte oft 7 Prozent oder mehr. Heute sind die Zinsen historisch tief – und liegen auch bei langfristigen Hypotheken unter 2 Prozent.
Das Schlussfazit: Obwohl die Babyboomer also eindeutig günstiger bauen konnten, waren danach die künftigen Kosten wegen der Hypothek deutlich höher. Oder wie es Immobilienexperte Donato Scognamiglio (55) gegenüber Blick ausgedrückt hat: «Früher war es hart – heute ist es anders hart.»