Neue Ideen für Traditionsbetrieb
«Glasi Hergiswil soll wieder zu einem lebendigen Treffpunkt werden»

Die Besucherzahlen in der Glasi Hergiswil, der ältesten Glashütte der Schweiz, waren zuletzt rückläufig. Das will Leandro Niederer, Geschäftsführer des Traditionsunternehmens, ändern.
Kommentieren
Leandro Niederer leitet die 1817 gegründete Firma in dritter Generation.

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
Richard Widmer
Schweizer Illustrierte

Die Glasi Hergiswil ist die älteste Glashütte der Schweiz. 1817 gegründet, rettete der Glaskünstler Roberto Niederer den Traditionsbetrieb 1975 vor dem Aus und wandelte ihn von der industriellen Massenproduktion hin zum charakteristischen Kunsthandwerk. Leandro Niederer (35) leitet heute die Firma am Vierwaldstättersee in dritter Generation.

Leandro Niederer, wofür haben Sie sich als Kind begeistert?
Glas war schon früh ein Teil meines Lebens, faszinierte mich damals aber noch nicht so stark wie heute. Meine wahre Leidenschaft galt dem Sport. Ich besuchte eine kleine deutschsprachige Privatschule in Manila und gehörte fest zum Schwimm-, Fussball-, Volleyball- und Basketballteam.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

Wie hat es Sie geprägt, im Ausland zu leben?
Es fielen mir viele feine Unterschiede auf. Die wichtigste Bereicherung für mich ist jedoch das tiefe Verständnis für andere Kulturen und Menschen.

Welche Rolle spielen die unterschiedlichen Kulturen?
Sie sind das Fundament meiner Kreativität. Ich erkenne früh, was ausserhalb der Schweiz thematisiert wird und welche Trends entstehen. Unsere Glaskunst lebt von Innovation – und dieser internationale Input liefert dafür immer wieder frische Impulse.

Glasblasen als Spektakel: Doch die Besucherzahlen am Vierwaldstättersee waren zuletzt rückläufig. Neue Attraktionen sollen das nun ändern.
Foto: Philipp Dubs

Welche Zukunftsvision verfolgen Sie nach sechs Jahren als Geschäftsführer?
Die Glasi soll wieder zu einem lebendigen Treffpunkt werden – für Hergiswiler, aber auch national. Die Marke ist zwar bekannt, doch die Besucherzahlen waren zuletzt rückläufig. Das wollen wir ändern: Mit neuen, spannenden Attraktionen machen wir die Visite zu einem echten Erlebnis und wecken die Lust am Shoppen.

Wie führen Sie das Erbe weiter?
Ich durfte ein Unternehmen übernehmen, dessen Marke schweizweit bekannt ist. Mein Grossvater hat den Grundstein gelegt und die Faszination für Glas und das Kunsthandwerk wiederbelebt. Mein Vater war der geborene Geschäftsmann, der mit unserem Museum die Türen der Firma öffnete, unseren Kunden unsere Arbeit näherbrachte und alle herzlich willkommen hiess. Ich setze alles daran, die Faszination für dieses wunderschöne Material täglich neu erlebbar zu machen.

Leandro Niederers Vater, Robert Niederer, öffnete mit dem Museum die Türen der Firma und brachte die Arbeit den Kunden näher.
Foto: Stefanie_Maurer

Gehen Sie gerne Risiken ein?
Das hängt ganz von der Situation ab. Privat gehe ich als frischgebackener Vater deutlich weniger Risiken ein als in meiner Jugend. Im geschäftlichen Umfeld hingegen analysieren wir Risiken rational und entscheiden situativ.

Sie haben schon neue Linien lanciert – was ist heute gefragt?
Neues lancieren wir jährlich. Lustigerweise werden wieder alte Produkte von der neuen Generation nachgefragt. Wichtig ist, dass es Alltagsgegenstände sind, für den täglichen Gebrauch. Dekoratives ist leider nicht mehr so gefragt.

Was sind die Herausforderungen beim Entwickeln neuer Produkte?
Etwas zu erfinden, das es noch nicht gibt. Wichtig ist es, unsere Kapazitäten und unsere handwerkliche Expertise zu berücksichtigen. In Zeiten eines aussterbenden Handwerks ist das fundierte Wissen unserer Glasbläser und Glasmacher ein entscheidender Faktor, deren Informationen direkt in unsere Prozesse einfliessen.

Persönlich: Leandro Niederer

Leandro Niederer (35) ist seit 2020 Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident der Hergiswiler Glas AG («Glasi Hergiswil»). Er führt den Betrieb in dritter Generation. Niederer ist in Zürich geboren, hat aber viel Zeit im Ausland verbracht: Die Schule hat er in Manila (Philippinen) besucht und anschliessend Wirtschaftswissenschaften in England studiert.

Leandro Niederer (35) ist seit 2020 Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident der Hergiswiler Glas AG («Glasi Hergiswil»). Er führt den Betrieb in dritter Generation. Niederer ist in Zürich geboren, hat aber viel Zeit im Ausland verbracht: Die Schule hat er in Manila (Philippinen) besucht und anschliessend Wirtschaftswissenschaften in England studiert.

Wie packen Sie es an?
Meine Herangehensweise ist eine andere als die von meinem Vater und Grossvater. Ich lege grossen Wert auf den Input der Mitarbeiter. Mir ist ihre Meinung wichtig. Wer sich einbringen möchte, ist herzlich willkommen; wer sich lieber zurückhält, wird genauso geschätzt. Mir ist wichtig, einen wertfreien Raum zu bieten, in dem jede Idee und jedes Anliegen Platz findet.

Wie sieht es mit Spezialanfertigungen aus?
Klar machen wir das. Wir haben das nötige Know-how und sogar unsere eigene Schreinerei, Schlosserei und den Formenbau inhouse.

1975 rettete Glaskünstler Roberto Niederer, Leandro Niederers Grossvater, den Betrieb vor dem Aus und wandelte ihn von der industriellen Massenproduktion hin zum charakteristischen Kunsthandwerk.
Foto: Philipp Dubs

Wie schalten Sie ab?
Ich wohne direkt neben der Firma, weshalb abzuschalten mir extrem schwerfällt. Seit mein Sohn auf der Welt ist, ist er mein schönster Ausgleich zum Job. Ich liebe es, Zeit mit ihm zu verbringen, bei schönem Wetter geniessen wir am liebsten den See.

Wofür schlägt Ihr Herz sonst noch?
Für meine Familie und den Fussball.

Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich raten?
Mehr riskieren bei privaten Entscheidungen, die Welt entdecken und geniessen, statt alles nur im Schnellzug zu erledigen.

Haben Sie einen Spitznamen?
Leo. Ich bin allerdings kein grosser Fan davon. Als ich in die Schweiz kam, meinten meine Kollegen, Leandro sei zu kompliziert, und haben mich einfach umgetauft!


Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen