Nach 70 Jahren ist Schluss – «Kundin hatte Tränen in den Augen»
Winterthur ZH verliert weiteres Kult-Sportlädeli

Nach sieben Jahrzehnten Betrieb gehen die Türen bei Intersport Egli in der Winterthurer Altstadt für immer zu. Ende März schliesst Inhaberin Iren Rauber-Egli ihr Geschäft. Zurück bleiben ein Warenlager im Wert von 800'000 Franken – und emotionale Stammkunden.
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Nach 70 Jahren schliesst das Sportgeschäft Intersport Egli in der Winterthurer Altstadt.
Foto: Michael Hotz

Darum gehts

  • Nach 70 Jahren schliesst Intersport Egli in Winterthur ZH
  • Fünf Angestellte sind betroffen, Waren im Wert von 800'000 Franken müssen weg
  • Inhaberin Iren Rauber-Egli appelliert an die Kundschaft, lokale Geschäfte zu unterstützen
Nathalie Benn, RIngier
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Für Sportbegeisterte in Winterthur ZH ist es eine traurige Nachricht: Das Traditionsgeschäft Intersport Egli am Unteren Graben schliesst für immer. Ende März 2027 gehen nach 70 Jahren die Läden runter. Damit verschwindet auch das letzte Sportgeschäft aus der Winterthurer Altstadt. Drei Vollzeit- und zwei Teilzeitangestellte verlieren ihren Job. Zuerst hatte der «Landbote» über die Schliessung berichtet.

Gegründet wurde das Lädeli von Otto und Ursula Egli. Heute führen Tochter Iren Rauber-Egli (61) und ihr Mann Armand (61) das Geschäft. Die beiden wollen sich künftig mehr Zeit für sich selbst nehmen. «Wir werden auch nicht jünger», sagt Rauber-Egli gegenüber Blick, «und möchten die Zeit noch geniessen können.» Trotz intensiver Suche fand sich niemand, der das Geschäft übernehmen wollte. Unter anderem schreckte das Warenlager im Wert von 800'000 Franken potenzielle Nachfolger ab.

«Eine Kundin hatte Tränen in den Augen»

«Für uns stimmt der Zeitpunkt», sagt Rauber-Egli weiter. «Wir freuen uns auf die Zeit danach – ohne Druck.» Leicht fällt ihr der Abschied trotzdem nicht: «Natürlich ist es mit Wehmut verbunden, aber irgendwann ist Schluss.» Besonders emotional reagierten einige Stammkunden: «Eine Kundin meinte, es fühlt sich an, als würde sie ihre Familie verlieren. Eine andere hatte Tränen in den Augen.»

Bevor das Ehepaar mehr Zeit für Ski- und Biketouren hat, wartet allerdings noch eine Mammutaufgabe: die Liquidation des riesigen Warenlagers. Ab Dezember beginnt der Ausverkauf. Allein über 2000 Paar Schuhe stehen derzeit in den Gestellen – von Running- über Tennis- bis zu Skischuhen. Dazu kommen unzählige Ski und Sportkleider.

Um möglichst alles loszuwerden, bietet Rauber-Egli Teile der Sportware nun mit Rabatten an. Das Ziel: «Eine schwarze Null wäre schön», so die Geschäftsleiterin. Heisst: Kann sie mit den Einnahmen die Kosten decken, ist sie zufrieden.

Fast 900 Detailhändler gingen 2026 Konkurs

Wichtig ist Rauber-Egli, dass das Ende ihr eigener Entscheid war: «Wir schliessen, weil wir keine Nachfolge gefunden haben und nicht aus wirtschaftlichen Gründen.» Dennoch hat auch sie in letzter Zeit den Druck gespürt, der immer mehr Schweizer Gewerblern zusetzt. Neben der schwierigen Suche für eine Nachfolge wird es auch wirtschaftlich immer schwieriger. Die Konsequenz: Klassische Ladengeschäfte verschwinden aus den Innenstädten, stattdessen ziehen Restaurants, Nagelstudios oder Barbershops ein.

Allein in der Zürcher Altstadt sind in den vergangenen zehn Jahren 110 Kleiderläden verschwunden. Und Winterthur verlor erst vor wenigen Tagen ein weiteres Traditionsgeschäft: Nach 144 Jahren gibt die Familie Schoch ihre traditionsreiche Papeterie an der Marktgasse ab. Weil keines ihrer drei Kinder das Ladengeschäft übernehmen wollte, verkaufte Inhaberin Karin Schoch (58) an Orell Füssli Thalia.

Dass immer mehr Geschäfte verschwinden, bereitet Rauber-Egli Sorgen. Zum Abschied richtet sie deshalb einen flammenden Appell an die Kundschaft: «Ich denke, dass sich die Kunden auch selbst an der Nase nehmen müssen. Unterstützt die lokalen Geschäfte!»

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