Darum gehts
- Pauli Papeterie in Niederlenz AG schliesst nach 22 Jahren am 24. Oktober
- Neue Konkurrenz durch Discounter Action und Onlineplattformen wie Temu erschwert Überleben
- Papeterie Köhler mit 13 Filialen wurde Anfang 2026 von Orell Füssli übernommen
Kleine Geschäfte haben es schwer in der Schweiz. Die Betreiber essen hartes Brot – und zwar quer durch alle Branchen. Der Grund fürs Lädelisterben ist so simpel wie gnadenlos: Grosse Ketten sind günstiger und haben das breitere Sortiment. Und der Onlinehandel boomt. Kleine Player auf dem Land haben da kaum Überlebenschancen. Wie zuletzt Möbel Schnetzer in Gossau SG, der nach 56 Jahren Konkurs geht. Oder das Modehaus Felber in Willisau LU, das nach 117 Jahren schliessen musste.
Jetzt triffts die Pauli Papeterie und Spielwaren in Niederlenz AG. Am 24. Oktober ist endgültig Schluss – nach 22 Jahren, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt. «Wir haben vieles versucht, um uns an die veränderten Bedingungen anzupassen und die laufenden Kosten zu senken», sagt Mitinhaberin Christine Leibundgut-Pauli. Gemeinsam mit ihrer Schwester Monika Friedli-Pauli führt sie das Geschäft. «Wir haben uns schweren Herzens entschieden, unser Geschäft zu schliessen.»
Action vor der Nase
Erst 2024 waren die beiden von Wildegg AG ins Dorfzentrum von Niederlenz gezogen. Ein moderner Laden mitten im Dorf mit vielen Parkplätzen – die Hoffnung auf einen Neustart war gross. Doch der erhoffte Erfolg blieb aus. Seit Corona hätten sich die Einkaufsgewohnheiten verändert, sagt Leibundgut-Pauli. Weniger Kunden im Laden, mehr Bestellungen im Internet. Besonders Billigplattformen wie Temu setzen dem Geschäft zu.
Dazu kommt noch neue Konkurrenz direkt vor der Haustür: Der niederländische Discounter Action hat dieses Jahr in Niederlenz eine Filiale eröffnet. «Die Entwicklung hat sich bei uns sowohl im Bereich Spielwaren als auch bei Büromaterial deutlich bemerkbar gemacht», sagt die Unternehmerin. Irgendwann sei ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich gewesen, sagt Leibundgut-Pauli gegenüber der «Aargauer Zeitung». Eine Anfrage von Blick ist noch offen.
«Kauft das Büromaterial in der Papeterie!»
Zum Abschied richtet sie einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung: «Kauft das Brot beim Bäcker, das Fleisch beim Metzger, die Spielwaren im Fachgeschäft und das Büromaterial in der Papeterie!» Auf dass nicht noch weitere kleine Läden in den Dörfern verschwinden. Bis zum 24. Oktober läuft bei Pauli der grosse Ausverkauf. Danach ist nach 22 Jahren endgültig Schluss.
Vor ähnlichen Herausforderungen stand auch die in Rüti ZH beheimatete Papeterie Köhler. Sie hatte 13 Filialen im Grossraum Zürich. Anfang Jahr hat Orell Füssli die kleine Papeterie-Kette übernommen – mit sämtlichen Standorten und Angestellten. Über den Kaufpreis haben die beiden Parteien Stillschweigen vereinbart. Damit endete eine gut 120 Jahre dauernde Familiengeschichte.