Mieter-Schock in Mega-Siedlung
Zuerst 8 Wochen ins Hotel – dann wird Miete 850 Franken teurer

Mieter im Aargauer Telli müssen sich für mehrere Wochen eine neue Bleibe suchen. Viele von ihnen sind verunsichert, weil sie nicht wissen, wann es losgeht. Und verärgert, weil die Mieten nach der Sanierung massiv steigen.
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In der Siedlung Telli in Aarau leben 2500 Menschen.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Axa saniert 140 Wohnungen in Aarau, plant massive Mietsteigerungen danach
  • Mieter müssen für 3-8 Wochen ausziehen, fühlen sich überrumpelt
  • Sanierungskosten betragen zweistelligen Millionenbetrag, inklusive energetischer Verbesserungen
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Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Das Telli in Aarau ist eine der grössten Siedlungen der Schweiz. 2500 Menschen leben in der Überbauung. Viele von ihnen dürften dieser Tage schlecht schlafen. Denn sie haben unerfreuliche Post von der Verwaltung bekommen. Die Versicherung Axa, ihr gehört ein grosser Teil der markanten Wohnblocks aus den 70er-Jahren, will an der Rütmattstrasse 140 Wohnungen sanieren – und danach die Mieten massiv erhöhen. Das schreibt die «Aargauer Zeitung».

Geplant ist eine umfassende Erneuerung der Gebäude an der Rütmattstrasse 3, 4, 7, 8, 9 und 10. Das volle Programm umfasst eine energetische Sanierung, neue Haustechnik sowie einen besseren Brand- und Erdbebenschutz. In den Häusern 7 und 8 kommen zusätzlich neue Küchen und Bäder dazu. Die Axa nimmt dafür einen zweistelligen Millionenbetrag in die Hand.

Mieter wissen nicht, wann es losgeht

An einer Vorinformation vor einem Jahr hiess es, dass die Sanierung in bewohntem Zustand erfolgen werde. Jetzt plötzlich sollen doch viele Mieter raus. Und zwar je nach Haus für drei bis acht Wochen. Viele Betroffene fühlen sich überrumpelt. «Wir haben lange nichts mehr gehört», sagt eine Mieterin der «Aargauer Zeitung». «Wir haben keine Infos zur Miete, keine Infos, wann es nun wirklich losgehen soll.»

Die Axa kontert: «Die Sanierung wird nach wie vor in bewohntem Zustand durchgeführt», sagt eine Sprecherin zur AZ. Gemeint sei damit, «dass die Mieterinnen und Mieter ihre Wohnungen nur für eine begrenzte Zeit verlassen müssen». In den betreffenden Wochen würden diejenigen Arbeiten durchgeführt, die nur in unbewohntem Zustand möglich seien. So zum Beispiel die Sanierung der Badezimmer und Küchen.

Schon im Sommer 2025 habe man die Betroffenen über Alternativen, wie den Umzug in eine möblierte Ersatzwohnung informiert. Wann genau sie raus müssen, wissen die Betroffenen aber noch nicht. Die Axa hat sie nur auf die Möglichkeit hingewiesen, «während der Sanierungsarbeiten in ein Hotel/Appartement zu ziehen oder die Ferien so zu planen, dass man während der Sanierung abwesend ist».

Auf den Campingplatz gezogen

Schon 2023 gabs im Telli Ärger. Viele Mieterinnen und Mieter mussten drei Jahre lang Dreck, Baulärm und Umtriebe erdulden. Weite Teile der Siedlung wurden umfassend saniert und energetisch auf den neuesten Stand gebracht. Ralf Hintermeier* lebte jahrelang auf einer Baustelle. Als seine Wohnung für die Erneuerung von Leitungen, Lüftung und Bodenbelag an der Reihe war. Mit der angebotenen Ersatzwohnung war er unzufrieden. Und zog mit Sack und Pack sowie Hund auf einen Campingplatz. Dafür forderte er eine Entschädigung. 

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